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Filmgeschichte

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Artikelgliederung
4.2. 1

Deutschland

Eindrucksvoll und innovativ war der Stummfilm in Deutschland, der hier stark von der Kunst des Expressionismus und den damaligen Techniken des Theaters geprägt wurde und zu einer bis heute beeindruckenden Bildersprache fand (siehe Expressionismus). Das berühmteste Beispiel expressionistischer Filmkunst aus dieser Zeit ist Das Cabinet des Dr. Caligari (1919) von Robert Wiene, der besonders durch die Ausstattung und die darstellerische Leistung hervorstach. Eigenwillige, auf die Schwarzweißoptik abgestellte Kostüme und Kulissen in verfremdeter Geometrie reflektieren suggestiv die Erlebniswelt eines Wahnsinnigen. Zum phantastischen Genre gehören auch Filme wie Der Golem (1914) von Paul Wegener und Henrik Galeen sowie der Vampirfilm Nosferatu (1922) von F. W. Murnau. Fritz Langs Sciencefiction-Monumentalfilm Metropolis (1926) hingegen entwirft das Szenario einer totalitären, technisch hoch entwickelten Zukunftsgesellschaft. Dieser Film war tricktechnisch eine Sensation, wie überhaupt Mitte der zwanziger Jahre der deutsche Film technisch jeder Konkurrenz überlegen war. Die Künstler und Regisseure erhielten fast grenzenlose Unterstützung durch den Staat, der die Berliner Universum-Film-Aktiengesellschaft (UFA) finanzierte, die größten und bestausgestatteten Studios der Welt. Hier entstand der Typus der „Straßenfilme”, die das „Zille-Milljöh” des Lumpenproletariats in expressionistischem Stil auf die Leinwand brachten, so Gerhard Lamprechts Die Verrufenen oder Bruno Rahns Dirnentragödie, in der der Stummfilmstar Asta Nielsen mitwirkte. Die deutschen Filme jener Periode sind Musterbeispiele für den Fortschritt im effektiven Einsatz von Beleuchtung, Ausstattung und Kameraführung. Die deutschen Regisseure befreiten die Kamera vom Stativ und stellten sie auf Räder. Dadurch erreichten sie ein Höchstmaß an Beweglichkeit und Eleganz. Filme wie Murnaus Der letzte Mann (1924) mit Emil Jannings und Die freudlose Gasse (1925) von G. W. Pabst, in dem die Schwedin Greta Garbo spielte, fanden aufgrund ihrer Emotionalität und ihrer technischen Neuerungen internationale Anerkennung. Neue Akzente setzte auch der bereits auf die Neue Sachlichkeit verweisende Dokumentarfilm, wie Walter Ruttmanns Stadtporträt Berlin – Die Sinfonie der Großstadt (1927) oder Alex Strassers Berlin von unten. Als große Persönlichkeiten des deutschen Filmes in den zwanziger und dreißiger Jahren nach Amerika auswanderten, darunter die Regisseure Murnau und Lang und der Filmkritiker Siegfried Kracauer, endete die bedeutendste Epoche des deutschen Filmes.

4.2. 2

Sowjetunion

In der Sowjetunion erschien zwischen 1925 und 1930 ein Zyklus berühmter Filme, die in Thema und Struktur revolutionär waren und enorme visuelle Ausdruckskraft besaßen. Die sowjetische Filmindustrie wurde 1919 verstaatlicht und dem Volkskommissariat für Propaganda und Erziehung unterstellt. Im selben Jahr wurde in Moskau die erste Filmhochschule der Welt gegründet. Die Filme dieser Zeit stellen die jüngere sowjetische Geschichte so kraftvoll und ideenreich dar, dass ihre häufig propagandistische Färbung ihre Qualität nicht einschränkt. Die beiden berühmtesten Regisseure der Sowjetunion, Sergej Eisenstein und Wsewolod Pudowkin, waren direkt von Griffith’ Intolerance beeinflusst und erzielten durch die Dynamik des Schnittes überraschende Effekte. Sie perfektionierten die Technik der Montage, bei der Bildsequenzen in schneller Abfolge an- und ineinandergefügt werden, um dem Betrachter einen bestimmten Eindruck aufzuzwingen.

Auf spektakulärste Weise wurde diese Technik wohl in Eisensteins Panzerkreuzer Potemkin (1925) eingesetzt, in dem die Besatzung eines Schlachtschiffes der russischen Marine im Hafen von Odessa meutert und mit Unterstützung der Stadtbevölkerung die Revolution von 1905 in Gang setzt. Die berühmte „Treppenszene” des Filmes bildet den Höhepunkt einer Angriffsaktion der Soldaten, die in einer raschen Abfolge von Einzelbildern gezeigt wird. Sie zeigt einen außer Kontrolle geratenen Kinderwagen, der eine riesige Freitreppe hinunterrollt, eine ältere Frau, die erschossen wird, und Soldaten, die die Menschenmenge mit Bajonetten im Anschlag vor sich hertreiben.

Pudowkins Das Ende von St. Petersburg (1927) und Eisensteins Oktoberrevolution (1928) feiern den zehnten Jahrestag der Machtergreifung der Bolschewiki aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Pudowkin stellt die Einzelperson als Held in den Vordergrund, als Personifizierung der Massen. Für Eisenstein sind die Massen selbst der Held. Beide Filmemacher waren hervorragende Autoren und Filmtheoretiker, die sowohl ihre eigenen als auch fremde Werke analysierten und so die Filmkritik beeinflussten, die sich zusehends als eigenes Genre der Kritik auf der ganzen Welt etablierte. Auf dem Gebiet des Dokumentarfilms machte sich Dsiga Wertow einen Namen.

4.2. 3

Frankreich

In Frankreich arbeitete eine Gruppe recht unterschiedlicher Künstler in kleinen, jeweils für einen Film gemieteten Studios und drehte dort in großer künstlerischer Freiheit sowohl avantgardistische als auch traditionelle Filme. Der Autor und Herausgeber Louis Delluc war ein leidenschaftlicher Verfechter des französischen Filmes und sammelte um sich Filmemacher wie Abel Gance, René Clair, Jean Epstein und Germaine Dulac. Diese Gruppe hatte den größten Anteil am Wiederaufleben des französischen Kinos. Dellucs Fièvre (1922) ist ein impressionistisches Porträt des Lebens in der Unterschicht. René Clairs Der Florentiner Hut (1927) ist eine mit Verve inszenierte Komödie nach einer bekannten Farce des 19. Jahrhunderts. Gance’ Napoléon (1927) war ein epischer und experimenteller Vorläufer der Breitwandtechnik: Das Bild wurde parallel mit drei Kameras aufgenommen und nebeneinander auf drei Leinwände projiziert, zeitweise in 32 Einzelbilder aufgeteilt. Ein Höhepunkt der frühen europäischen Filmavantgarde sind Ein andalusischer Hund (1928) und Das goldene Zeitalter (1930) von Luis Buñuel und Salvador Dalí, die den Surrealismus mit kühnen Metaphern und einer provokativen Bildersprache auf die Leinwand brachten und bei der Uraufführung für einen Eklat sorgten. Die Szene aus Ein andalusischer Hund, in der bildschirmfüllend einer Frau mit dem Rasiermesser ein Auge durchschnitten wird, zählt zu den berühmtesten der ganzen Filmgeschichte.

Als eine der überzeugendsten französischen Produktionen der zwanziger Jahre gilt Die Passion der Jungfrau von Orléans (1928) des dänischen Regisseurs Carl Theodor Dreyer, dessen Schauspieler und Aufnahmeteam aus mehreren Ländern kamen. Dreyer führte die besten Elemente der skandinavischen, deutschen und sowjetischen Filmschulen zu einem eigenen, eleganten und flüssigen Stil zusammen, bei dem Form und Inhalt auf so hervorragende Weise zu einer Einheit verschmelzen, dass sie seinem Stoff fast opernhaftes Gepräge verliehen. Die Darstellung der Johanna durch Maria Falconetti gilt als Sternstunde der Schauspielkunst der Stummfilmzeit. Murnaus amerikanische Produktion Sunrise (1927) ist ein abschließender Höhepunkt des künstlerischen Stummfilmes. Er ist akustisch noch auf Musik und Geräusche beschränkt und enthält noch Zwischentitel statt gesprochener Dialoge, markiert aber bereits den Übergang zur Ära des Tonfilmes.

4.3

Der späte Stummfilm

Nach dem 1. Weltkrieg entwickelte sich die Filmproduktion zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig der USA, der erfolgreichen Produzenten Millionen von Dollar einbrachte. Amerikanische Filme wurden internationaler und beherrschten den Weltmarkt. Die Studios holten die erfolgreichsten europäischen Filmemacher und Schauspieler nach Hollywood, wo man ihre Techniken übernahm und anpasste. Das Star-System hatte seine Blütezeit. Zuschauermagneten waren Rudolph Valentino, John Barrymore, Greta Garbo, Clara Bow und Norma Shearer. Zu dieser Zeit unternahm man auch einen Versuch, die Einhaltung moralischer Verhaltenskonventionen im Film zu kontrollieren. Dazu richtete die Filmindustrie den „Hollywood Production Code” ein (1930), der von dem Politiker Will H. Hays beaufsichtigt wurde. Organe der staatlichen Filmzensur gab es in den USA in der einen oder anderen Form bis 1968.

In den zwanziger Jahren bekamen amerikanische Filme langsam einen eleganten und flüssigen Stil, in dem sich das gesamte Wissen des Filmemachens vereinigte. Imposante, romantische Western, wie John Fords Das eiserne Pferd (1924), machten die Wirtschaftlichkeit und das handwerkliche Können deutlich, wodurch sich die Arbeit herausragender amerikanischer Regisseure wie Frank Capra, William Wyler und George Stevens auszeichnete. Cecil B. DeMille verbarg zwar die Frivolität seiner frühen erotischen Komödien, z. B. The Affairs of Anatol (1921), hinter der biblischen Fassade von Monumentalfilmen wie Die zehn Gebote (1923) und König der Könige (1927), doch fügte er bei jeder Gelegenheit Orgien und Badeszenen ein.

Die beliebtesten Regisseure der Zeit, Ernst Lubitsch und Erich von Stroheim, machten beide perfekte Filme, unterschieden sich jedoch in ihrer Ausdrucksform auf der Leinwand deutlich voneinander. Lubitsch gab die großen Filme, die er in Deutschland gedreht hatte, zugunsten leichter, romantischer Komödien auf. Sie waren gekennzeichnet durch einfache Ausstattung, eleganten Einsatz der Technik und den Charme, den Lubitsch ihnen verlieh, den so genannten „Lubitsch-Touch”. In Filmen wie The Marriage Circle (1924) und So This Is Paris (1926) ging Lubitsch so geschickt mit erotischen Themen um, dass sie von der Zensur verschont blieben, ohne ihren Reiz einzubüßen. Die Werke von Stroheims, härter und im Ausdruck europäischer als die Lubitschs, sind ausschweifend und manchmal nachdenklich, wie in Närrische Weiber (1921), das die Unschuld Amerikas der Dekadenz Europas gegenüberstellt. Sein Meisterwerk über die Raffsucht in der amerikanischen Gesellschaft, Gier (1924), kürzten die Verantwortlichen des Studios von zehn auf zwei Stunden. Der Großteil des herausgeschnittenen Materials ist verloren gegangen, doch selbst in seiner gekürzten Fassung gilt der Film als einer der Höhepunkte des Realismus im Kino.

Für die Filmkomödie waren die zwanziger Jahre ein goldenes Zeitalter. Die Hauptvertreter der Gattung waren neben Charlie Chaplin Harold Lloyd und Buster Keaton, die direkt aus der Slapstick-Tradition der Einakter kamen. In den zwanziger Jahren erhielt jeder dieser Komiker genügend Zeit und finanzielle Unterstützung, um seine eigene, unverwechselbare Figur zu entwickeln. Keaton lächelte niemals. Diesem Markenzeichen stand seine große körperliche Geschicklichkeit gegenüber, mit der er in Filmen wie Sherlock Junior (1924) schwierige Situationen bewältigte. Harold Lloyd war ein wagemutiger Komiker, der in Filmen wie Der Sportstudent (1925) den naiven, typisch amerikanischen Jungen spielte, der häufig in der Rolle des Schwächlings seine Männlichkeit beweisen musste.

Der amerikanische dokumentarische Stummfilm war weit weniger experimentierfreudig als z. B. der deutsche, brachte aber in Robert Flaherty einen Meister der Sparte hervor. Seine Studie über das Leben der Eskimos, Nanuk der Eskimo (1922), besitzt die Vertrautheit mit dem Objekt und die persönliche Nähe, die früheren Versuchen fehlten. Obwohl Flahertys nächste Arbeiten, besonders Moana (1926) und Man of Aran (1934), als zu wenig authentisch kritisiert wurden, erweckte er neues Interesse für den Dokumentarfilm, der später in England seinen Höhepunkt erreichte.

5

Der Tonfilm

Im Jahr 1926 stellte das Warner Brothers Studio die ersten Tonfilme vor. Sie waren mit dem Vitaphone-Verfahren erstellt, bei dem Musik und Sprache auf große Schallplatten aufgenommen und danach mit der Handlung auf der Leinwand synchronisiert wurden. 1927 brachten Warner Brothers ihren ersten Film im Nadeltonverfahren heraus, The Jazz Singer, in dem der amerikanische Unterhaltungskünstler Al Jolson mitspielte. Tonfilme wurden von Anfang an vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen. Jolsons Satz „You ain’t heard nothing yet!” („Ihr habt noch gar nichts gehört!”) aus The Jazz Singer markierte das Ende der Stummfilmzeit. 1931 wurde das Vitaphone-Verfahren durch das handlichere, leicht anzuwendende Movietone-System ersetzt, bei dem der Ton direkt auf den Filmstreifen auf einer eigenen Spur neben dem Bild aufgezeichnet wurde. Durch dieses Standardverfahren, das der amerikanische Erfinder Lee De Forest entwickelte, verbreitete sich der Tonfilm fast über Nacht auf der ganzen Welt.

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