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FilmgeschichteEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Ursprünge; Einakter; Der Stummfilm; Der Tonfilm; Der Farbfilm; Der Film nach dem 2. Weltkrieg
Der Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm vollzog sich so rasch, dass vielen Filmen, die 1928 und 1929 als Stummfilme in Produktion gegangen waren, kurzfristig Ton hinzugefügt wurde, um der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden. Kinobesitzer rüsteten ihre technische Ausrüstung in kurzer Zeit für den Tonfilm um. In den ersten Filmen dieser Art wurde der Ton nur wegen des Reizes der Neuheit verwendet. Man produzierte aufwendige Literaturverfilmungen, in die man bei jeder Gelegenheit exotische Toneffekte einfügte. Die Zuschauer waren der monotonen Dialoge und der statischen Einstellungen, die dadurch entstanden, dass sich die Schauspieler um ein feststehendes Mikrophon aufstellen mussten, bald überdrüssig. Diese Probleme wurden erst Anfang der dreißiger Jahre von Regisseuren gelöst, die den Ton kreativ einsetzten. Sie verzichteten auf Mikrophone, erreichten dadurch wieder eine flexible Kameraführung und nutzten den Vorteil der Nachsynchronisation, die zudem eine detailliertere Bearbeitung des musikalischen und dialogischen Materials ermöglichte. In den USA drehten Lubitsch und King Vidor lange Sequenzen und fügten den Ton erst später zur Untermalung der Handlung hinzu. Lubitsch wollte in Liebesparade (1929) bewusst das Publikum mit der Musik verzaubern, Vidor setzte den Ton atmosphärisch ein, um in dem Musikdrama des Südens Hallelujah! (1929) eine natürliche Stimmung zu erzeugen. Die Regisseure lernten die Erzeugung akustischer Effekte durch unsichtbare Tonquellen und erkannten, dass der Zuschauer eine Uhr nicht sehen muss, wenn er sie ticken hört. Drehbuchautoren wie Ben Hecht, Dudley Nichols und Robert Riskin begannen eigene Dialogmuster für den Film zu entwickeln. Sie enthielten nur das Wesentliche und unterstützten dynamisch den Fortgang der Handlung. Die schnelle Zeitungssprache, in der Hecht für The Front Page (1931) schrieb (Regie: Lewis Milestone), steht in starkem Kontrast zu den witzigen Texten, die er sich für Lubitschs Serenade zu dritt (1933) ausdachte. Nichols zeichnete sich durch klare, geradlinige Dialoge für Filme wie John Fords Maria von Schottland (1936) aus. Riskin wurde berühmt durch die Erfindung bekannter Charaktere in den Filmen Frank Capras, z. B. in Es geschah in einer Nacht (1934) mit Claudette Colbert und Clark Gable.
In den frühen dreißiger Jahren beherrschten Kriminalfilme und Musicals die Leinwand. Der sehr erfolgreiche Little Caesar (1930) machte Edward G. Robinson zum Star und war der erste einer Reihe von Gewalt geprägter Filme, die sich mit dem Amerika der Depression und der Prohibition auseinandersetzten. Filme wie Public Enemy (1931) und Scarface (1932) von Howard Hawks brachten ebenso Tempo, Energie und Realismus auf die Leinwand wie die Musicals und Komödien, die eine nonkonformistische Lebenseinstellung repräsentierten. Nach Warner Brothers’ überaus erfolgreichem Musical 42nd Street (1933) drehte man viele aufwendige Tanzfilme, zu denen Busby Berkley hervorragende Choreographien schrieb. Schließlich folgten die legendären Sing- und Tanzfilme mit Fred Astaire und Ginger Rogers, die ihr Publikum in Top Hat (1935) und Swing Time (1936) verzauberten. Beliebte Komiker wie W. C. Fields, die Marx Brothers, Mae West sowie Stan Laurel und Oliver Hardy schufen alle ihre eigene Art von Komik, mit der sich ihre Zuschauer identifizieren konnten. Die Gewalt und die sexuellen Anspielungen in den frühen Kriminalfilmen und Musikkomödien verschwanden zum großen Teil durch den Einfluss der Catholic Legion of Decency und durch die Verschärfung der Zensurgesetze im Jahr 1934.
Die meisten amerikanischen Regisseure der dreißiger Jahre konzentrierten sich darauf, bekannten Stars wie Katharine Hepburn, Bette Davis, Humphrey Bogart, Joan Crawford und Clark Gable eine Spielwiese zu liefern. Die Stars wurden in der Öffentlichkeit oft so dargestellt, als sei ihr wirkliches Leben eine Fortführung der Rollen, die sie in den Filmen spielten. Das beliebte Metier der Romanverfilmung erreichte in den späten dreißiger Jahren mit sehr aufwendigen Produktionen seinen Höhepunkt mit Flucht aus Paris (1935) nach einem Roman von Charles Dickens, Die gute Erde (1937), Stürmische Höhen (1939) und einem Klassiker der Filmgeschichte, Victor Flemings Vom Winde verweht (1939).
Der Trend zu märchenhaften und phantastischen Filmen war während der gesamten dreißiger Jahre stark ausgeprägt. Die Universal Studios brachten eine Reihe klassischer Horrorfilme heraus, darunter Dracula (1931), Frankenstein (1931) und Die Mumie (1932). Während des ganzen Jahrzehnts belebten die aus dem Schauerroman vertrauten Geschöpfe der Finsternis und artverwandte Neuschöpfungen wie der Riesenaffe King Kong (1933) die Leinwand. Einer der herausragenden Filme dieser Zeit ist das musikalische Märchen Der Zauberer von Oz (1939) nach dem Buch von L. Frank Baum. Darin spielte die junge Judy Garland, die zur bedeutendsten Musical-Darstellerin der vierziger Jahre wurde.
In den dreißiger Jahren entstand eine ganze Reihe künstlerisch hochrangiger Hollywood-Produktionen. Oft standen hier aus Europa emigrierte Regisseure Pate, wie der Deutsche Josef von Sternberg mit der Heinrich-Mann-Verfilmung Der blaue Engel (1930), in dem zum ersten Mal Marlene Dietrich auftrat, oder Jean Renoir mit Die große Illusion (1937), einem der großen Antikriegsfilme der Geschichte. Ein amerikanischer Filmemacher, der 1940 vom Radio nach Hollywood kam, war der Autor, Regisseur und Schauspieler Orson Welles. Seine Experimente mit neuen Kameraperspektiven und Toneffekten erweiterten die Ausdrucksmöglichkeiten des Tonfilmes immens. Obwohl er sich nur schwer der in Hollywood gängigen Arbeitsweise anpassen konnte und oft nicht in der Lage war, finanzielle Unterstützung für seine Projekte zu finden, haben Filme wie Citizen Kane (1941) und Der Glanz des Hauses Amberson (1942) die spätere Arbeit praktisch aller bedeutenden Filmemacher der Welt beeinflusst.
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