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Filmgeschichte

Enzyklopädieartikel
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Artikelgliederung
5.6

Entwicklungen in Europa

In Europa stockte die Filmproduktion im 2. Weltkrieg, abgesehen vom nationalsozialistischen Deutschland, das mit einer gleichgeschalteten Filmindustrie eine große Zahl an Unterhaltungsfilmen mit Publikumslieblingen wie Hans Albers und Heinz Rühmann schuf. Außerdem entstanden pseudodokumentarische Propagandafilme wie Triumph des Willens von Leni Riefenstahl (1935), eine Glorifizierung der NSDAP, oder von derselben Regisseurin Fest der Völker (1936) und Fest der Schönheit (1938) über die Olympischen Spiele 1936 in Berlin.

Im sowjetischen Film setzte man Opern und Ballette um, die jedoch häufig statisch und zu ausschweifend produziert waren. Ausnahmen bildeten zwei hervorragend geschnittene, visuell herausfordernde Filme von Sergej Eisenstein, Alexander Newsky (1938) und der Zweiteiler Iwan der Schreckliche (1944-1946).

In Frankreich blieb das Kino auch in dieser Zeit wandlungsreicher und weltoffener. So fand Jean Renoir mit seinen Filmen weiterhin internationale Anerkennung, und der junge Jean Gabin stieg zum gefeierten Star auf. Die poetischen Werke Jean Vigos, z. B. Betragen ungenügend (1933) und Atalante (1934), zeichneten sich durch eine expressive Bildersprache aus. Trotz der chaotischen Verhältnisse in der französischen Filmindustrie während und nach dem Krieg traten äußerst eigenständige Filmemacher in Erscheinung. Selbst unter den schwierigen Bedingungen der deutschen Besatzung brachte Marcel Carné ein Meisterwerk heraus, Kinder des Olymp (1945). Es war eine hoch artifizielle, dramatische Allegorie von Liebe und Tod mit Jean Louis Barrault in der Hauptrolle.

6

Der Farbfilm

Erste Versuche mit Farbfilmen hatte man schon 1906 durchgeführt. Danach verwendete man Farbe gelegentlich wegen ihres Neuheitswertes, doch führte der Großteil der entwickelten Verfahren, darunter das frühe zweifarbige Technicolorsystem, zu enttäuschenden Ergebnissen. 1933 war Technicolor als Dreifarbsystem für den kommerziellen Einsatz ausgereift. Es fand zum ersten Mal 1935 Verwendung in dem Film Becky Sharp, einer Bearbeitung des Romanklassikers Vanity Fair von William Makepeace Thackeray. Auf dem nun erreichten Qualitätsstandard gewann die Farbe an Beliebtheit und wurde in den vierziger Jahren zunehmend eingesetzt, darunter in einer Reihe klassischer Musicals von Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) wie Heimweh nach St. Louis (1944) und Easter Parade (1948). In den fünfziger Jahren übertraf die Anzahl der Farbfilme bereits fast die der Schwarzweißproduktionen. So genannte kleine Filme, die einen stillen Realismus auszudrücken suchten – z. B. Delbert Manns Marty (1955) über die Lebensziele eines Metzgers aus der Bronx und Otto Premingers Der Mann mit dem goldenen Arm (1955) über Drogensucht – waren in Schwarzweiß gedreht. In den sechziger Jahren war es jedoch schon sehr außergewöhnlich, dass Alfred Hitchcock Psycho (1960) in Schwarzweiß filmte. Das gleiche gilt für Peter Bogdanovichs Die letzte Vorstellung (1971). Beispiele für Filme aus jüngerer Zeit, die eine Rückkehr zum kreativen Einsatz des Schwarzweiß darstellten, sind Der Elefantenmensch (1980) von David Lynch, Wie ein wilder Stier (1980) von Martin Scorsese, Tote tragen keine Karos (1982) von Carl Reiner und Manhattan (1979) von Woody Allen.

7

Der Film nach dem 2. Weltkrieg

Nach dem 2. Weltkrieg bekam das Kino Konkurrenz durch das aufkommende Fernsehen. Um das Geschäft wieder zu beleben, versuchten die Produzenten den greifbarsten Vorzug gegenüber dem Fernsehen auszureizen: die Attraktivität der großen Leinwand.

7.1

Die Breitwand

1953 brachte das Twentieth Century-Fox Studio sein Bibelepos Das Gewand heraus. Es war in dem neuen Cinemascope-Verfahren erstellt, das in der Filmindustrie eine Breitwandrevolution auslöste. In schneller Folge entwickelten die Studios mehrere Breitwandverfahren wie VistaVision, Todd-AO, Panavision, SuperScope und Technirama. Letzten Endes überlebten nur Todd-AO und Panavision. Da man für sie nur eine Kamera, einen Projektor und standardformatigen Film benötigte, war die Handhabung im Gegensatz zu anderen Systemen weniger problematisch. Durch ihren Erfolg änderten sich für die Zukunft die Abmessungen der Kinoleinwand. Die Hauptattraktionen des amerikanischen Kinos wurden farbige Breitwandmusicals mit Starbesetzungen wie Ein Stern geht auf (1954) und Oklahoma! (1955), Historienfilme und Bibelepen wie Ben Hur (1959) oder Cleopatra (1962) und Abenteuerfilme wie Meuterei auf der Bounty (1962) oder Lawrence von Arabien (1962). Einer der größten Kassenschlager der sechziger Jahre war die Verfilmung von Boris Pasternaks Roman Doktor Schiwago (1965).

7.2

3-D-Filme

In den frühen fünfziger Jahren kam für kurze Zeit eine technische Innovation auf, die man 3-D (für dreidimensional) nennt. Dabei wird dieselbe Szene von zwei Kameras aus leicht unterschiedlichen Perspektiven aufgenommen. Mit Hilfe polarisierter Brillen können die Zuschauer mit einem Auge jeweils nur ein Bild sehen, wodurch ein dreidimensionaler Effekt erzielt wird. Doch die Filme konnten sich beim Publikum nicht durchsetzen; Inhalt und Bildqualität dieser Filme waren zu dürftig bzw. zu einseitig auf die Effekte abgestellt, wie z. B. Das Wachsfigurenkabinett (1953), und gerieten bald wieder außer Mode.

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