Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse SchistosomiasisEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Schistosomiasis oder Bilharziose, verbreitete Krankheit, die durch Befall des menschlichen Körpers mit Saugwürmern, den Schistosoma, hervorgerufen wird. In vielen Ländern der Tropen und Subtropen verursachen diese Arten schwere Krankheiten. In Ländern der gemäßigten Klimazone sind sie ebenfalls verbreitet, lösen dort jedoch keine schweren Krankheiten aus. Laut Schätzung leiden 150 bis 200 Millionen Menschen auf der Welt an Krankheiten, die durch Schistosoma verursacht werden. Diese Saugwürmer verbringen ihren Lebenszyklus in zwei Wirten. Im adulten Stadium befinden sie sich in einem Säuger, meist einem Menschen, im Larvenstadium in bestimmten Schneckenarten. Aus den Eiern, die der Wirt ausgestoßen hat, schlüpfen im Süßwasser Larven. Von dort wandern die Larven, die so genannten Mirazidien, in die Schnecken, die als Zwischenwirt dienen. Die Mirazidien reifen in den Schnecken heran und schlüpfen dann als reife Larven, so genannte Zerkarien, wieder ins Wasser. In diesem Stadium dringen sie in die Haut des Wirtes ein und wandern durch die Blutgefäße in bestimmte Kapillaren, wo der Reifungsvorgang abgeschlossen wird. Dort bleiben sie und legen Eier.
Es gibt drei Schistosoma-Spezies, die schwere Erkrankungen hervorrufen: S. haematobium, S. mansoni und S. japonicum, das in den Tropen und im Orient vorkommt. Rund acht weitere Arten verursachen Hautreizungen, die auch unter dem Namen Schwimmer-Dermatitis bekannt sind. Diese tritt oft bei Menschen auf, die in Süßwasserseen baden. In diesem Artikel werden nur die Arten beschrieben, die schwere Krankheiten verursachen. S. haematobium, das die ägyptische Hämaturie („Blutharn”) hervorruft, wurde erstmals durch den deutschen Arzt Theodor Bilharz beschrieben (1851), nach dem die Krankheit ebenfalls benannt ist. Das adulte Männchen dieses Saugwurmes ist etwa 1,5 Zentimeter lang. Das adulte Weibchen ist etwas länger und wesentlich dünner als das Männchen. Die Zerkarien dieser Art durchbohren die Haut oder die Schleimhäute eines Menschen, wenn er in verunreinigtem Wasser badet. Die Schistosomen erreichen schließlich die kleinen Venen und Kapillaren der Harnblase. Dort paaren sie sich und legen Eier, die als Fremdproteine schwere Entzündungsreaktionen in der Blasenwand hervorrufen. Sie wandern in das Innere der Blase, wobei sie Blutungen und Schmerzen beim Wasserlassen verursachen. Die Eier können in der Untersuchung unter dem Mikroskop im Harn erkannt werden. Die Urogenitalschistosomiasis kann zu einem Blasenkarzinom führen. Die Arten S. mansoni und S. japonicum siedeln sich vor allem in den Blutgefäßen des Dickdarmes (bevorzugt des Mastdarmes) und der Leber an. Manche wandern bis in die Pfortadern und die Leber hinauf, wo sie Entzündungen und Vernarbungen sowie Milz- und Lebervergrößerung hervorrufen. Die Blockierung des Blutflusses durch die Leber hat Erweiterungen der Venen zur Folge, vor allem in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen). Diese Venen reißen dann häufig, wodurch es zu schweren Blutungen kommt.
Wird Schistosomiasis nicht behandelt, führt sie in vielen Fällen zum Tod. Wichtig ist zunächst die Vorbeugung, zu der sowohl Hygiene als auch die Vernichtung von Schnecken gehört. Bis 1982 war keines der verschiedenen Medikamente, mit denen Erkrankte behandelt wurden, hundertprozentig erfolgreich, und alle Medikamente hatten schwere Nebenwirkungen. Dann kam ein neues Medikament auf den Markt: Praziquantel. Es wird oral (durch den Mund) als Einzeldosis oder in mehreren Dosen am selben Tag genommen, ist hochwirksam gegen S. mansoni, S. japonicum und S. haematobium und hat keine schweren Nebenwirkungen. Praziquantel erhöht die Durchlässigkeit der Zellmembran des Wurmes für Calciumionen, was bei dem Parasiten massive Muskelkontraktionen und -lähmungen hervorruft und schließlich zum Zerfall seines Organismus führt.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |