Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse ZeitschriftenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Erste Anfänge; Zeitschriften des 19. Jahrhunderts; Zeitschriften des 20. Jahrhunderts; Jüngste Entwicklungen
Zeitschriften, in regelmäßigen Abständen erscheinende Druckwerke, die sich meist weniger mit dem aktuellen Tagesgeschehen als mit bestimmten Sondergebieten oder Themen von allgemeinerem Interesse befassen. Während die andere Großform periodischer Veröffentlichung, die Tageszeitung, täglich auf großformatigen, nicht gebundenen Seiten aus einfachem Papier erscheint, werden Zeitschriften im Allgemeinen auf höherwertigem Papier gedruckt und haben kleinere, geheftete Seiten. Sie erscheinen in größeren Abständen, beispielsweise wöchentlich, 14-tägig, monatlich, vierteljährlich oder jährlich.
Eine der ersten Zeitschriften war das von der Pariser Akademie herausgegebene Journal des Sçavans (1665, später Journal des Savants), ein in ganz Europa gelesenes wissenschaftliches Publikationsorgan mit Beiträgen prominenter Gelehrter. Es diente seinerseits als Vorbild für die 1682 in Leipzig gegründeten Acta Eruditorum (Gelehrtenberichte), die erste wissenschaftliche Universalzeitschrift in Deutschland, und konkurrierte in England mit den Philosophical Transactions of the Royal Society of London (Philosophische Sitzungsberichte der Royal Society of London, gegründet 1665). Der Inhalt umfasste im Wesentlichen Aufsätze und Kommentare zum aktuellen Geschehen in Kunst, Literatur, Philosophie und Wissenschaft. Eine breitere Leserschaft für Periodika bildete sich erstmals im 18. Jahrhundert in England heraus, als Steele und Addison mit The Tatler (1709-1711) und The Spectator einen neuen Typus unterhaltsamer und informativer Journalistik schufen. Diesen Trend setzte ab 1731 das Gentleman’s Magazine fort. Es enthielt Berichte über politische Angelegenheiten, Aufsätze zu verschiedensten Themen, kurze Erzählungen und Gedichte. Die erste populäre deutschsprachige Zeitschrift waren die von Christian Thomasius verfassten und herausgegebenen Monathsgespräche (1688). Ende des 18. Jahrhunderts entfaltete sich auch in Frankreich und Deutschland ein nennenswerter Zeitschriftenmarkt. Er deckte vorrangig in Form der „moralischen Wochenschriften” ein allgemeines Bildungsinteresse ab, das durch die Aufklärung geweckt worden war, und umfasste in seiner Blütezeit circa 500 Titel. In der Folge traten Zeitschriften über spezielle Wissensgebiete hinzu, wie die langlebige Allgemeine Literatur-Zeitung (1785-1849). Eine große Zahl von Neugründungen brachte die deutsche Klassik hervor, so Wielands Der teutsche Merkur (ab 1773), das 1776 von Christian Boie begründete Deutsche Museum und Schillers Horen, zu deren regelmäßigen Mitarbeitern auch Goethe zählte.
Anfang des 19. Jahrhunderts entstand wiederum in Großbritannien das Genre der kritischen Monats- oder Vierteljahresschriften, die meist politisch Partei ergriffen, wie die liberale, international renommierte Edinburgh Review (1802-1929), für die bedeutende Politiker und Schriftsteller – darunter Sir Walter Scott und Thomas Carlyle – Artikel beisteuerten. Auch in den USA erschien Anfang des 19. Jahrhunderts eine seriöse Zeitschrift, die North American Review (1815-1940), für die u. a. Henry James als Kritiker tätig war. Zeitschriften wie die französische Revue des Deux Mondes (1829; Berichte aus zwei Welten) und das deutsche Literarische Wochenblatt (1820-1898) wandten sich gleichfalls an ein gebildetes Publikum und profitierten hinsichtlich ihrer Auflage von neuen Drucktechniken wie der Dampfdruckpresse. Die ersten modernen illustrierten Zeitschriften, wie die Wochenschrift Illustrated London News (1842), erschienen Mitte des 19. Jahrhunderts. Ihr entsprachen in Frankreich L’Illustration (1843-1944), in Deutschland Die Woche (1899-1940) und Leslie’s Illustrated Newspaper (1855-1922) sowie Harper’s Weekly (1857-1916) in den USA. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden gezeichnete Illustrationen zunehmend durch Fotos ersetzt, und die Verbesserung des Farbdruckes sorgte seinerseits für größere optische Attraktivität. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand in England mit dem Punch (1841) eine der einflussreichsten humoristischen Wochenschriften. Sie hielt dem öffentlichen Leben in Großbritannien in Form von Karikaturen und Kommentaren respektlos den Spiegel vor und regte zahlreiche populäre Nachahmungen im Ausland an, wie etwa in Deutschland den Simplicissimus (1896-1944; 1956-1967), der allerdings eine eher politisch-satirische Färbung besaß. Der Simplicissimus, der viele prominente Mitarbeiter hatte und vor allem durch die Zeichnungen Thomas Theodor Heines und Olaf Gulbranssons den Zeitschriftenstil seiner Zeit mit prägte, kam häufig in Konflikt mit der Zensur und wurde phasenweise sogar verboten. Unter dem Einfluss des Ästhetizismus der Jahrhundertwende entwickelte sich die Sparte der bibliophilen Kunst- und Literaturzeitschriften, unter ihnen der von Otto Julius Bierbaum gegründete Pan, die Insel oder die Blätter für die Kunst und das Wiener Künstlerblatt Ver sacrum.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in Europa und den USA eine ganze Reihe literarisch anspruchsvoller Periodika gegründet, wie die amerikanische Vanity Fair (1913-1936, ab 1983 neu herausgegeben) oder Die Dame, die das mondäne Berlin der zwanziger Jahre einfängt. Sehr beliebt werden in den Zwanzigern auch Zeitschriften wie der Reader’s Digest (1922), der im Taschenbuchformat gedruckt wird und seit den fünfziger Jahren monatlich in Millionenauflage erscheint. Er zählt mit zahlreichen fremdsprachigen Ausgaben (und sogar einer in Blindenschrift) zu den erfolgreichsten Unternehmungen in der Geschichte des Zeitschriftenwesens. In diese Epoche fällt auch die Entstehung journalistisch hervorragender Nachrichtenmagazine wie Time (1923) und Newsweek (1933) sowie niveauvoller Modezeitschriften (Vogue). Mit Life (1936-1972) beginnt eine neue Ära des Fotojournalismus.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |