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Evangelium

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Markus schreibt sein EvangeliumMarkus schreibt sein Evangelium
Artikelgliederung
1

Einleitung

Evangelium (griechisch evangélion: gute Botschaft, frohe Kunde), in der Antike Bezeichnung für die Botschaft vom Sieg eines Heeres oder die heilvolle Prophezeiung eines göttlichen Orakels. Im Neuen Testament werden die Lehren Jesu Christi als Evangelium bezeichnet, wie sie in den Schriften der so genannten vier Evangelisten (Matthäus-, Markus-, Lukas- und Johannesevangelium) enthalten sind. Alle vier dieser biblischen Evangelien wurden ursprünglich in Griechisch geschrieben, wobei die Verfasser auf frühere mündliche oder schriftliche Quellen in Aramäisch zurückgriffen.

In der Liturgie bezeichnet der Begriff Evangelium die kurzen Auszüge aus den vier Evangelien, die während der Messe der römisch-katholischen Kirche sowie dem Abendmahlsgottesdienst der Anglikaner zwischen der Epistel und dem Glaubensbekenntnis vorgelesen bzw. gesungen werden (siehe Neununddreißig Artikel).

2

Die synoptischen Evangelien

Die ersten drei Evangelien (Matthäus, Markus und Lukas) werden auch synoptische Evangelien genannt, weil sie Leben und Wirken Jesu aus einer ähnlichen Perspektive schildern, wobei sie in der Reihenfolge der Ereignisse, in der Formulierung und in vielen Fällen auch im Stil weitgehend übereinstimmen.

Bis ins 19. Jahrhundert war man der Auffassung, dass das Matthäusevangelium das erste der Evangelien sei, Markus dagegen eine gekürzte Version von Matthäus darstelle. Lukas galt als das jüngste der drei Evangelien, wobei der Verfasser die Matthäus- und Markusevangelien als Vorlage benutzte. Heute geht die Forschung von einer veränderten Form der Zwei-Quellen-Hypothese aus, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde. Danach ist das Markusevangelium das früheste der Evangelien, das einen Großteil des Erzählmaterials für Matthäus und Lukas lieferte. Die zweite Hauptquelle von Matthäus und Lukas war eine Sammlung von Aussprüchen (und einigen Schilderungen) Jesu, die wahrscheinlich in Aramäisch abgefasst wurden. Diese Quelle, die vermutlich verloren ging, wird als Q (Quelle) oder auch als Logoi (griechisch: Worte oder Aussprüche) bezeichnet. Die Verfasser des Matthäus- und Lukasevangeliums haben wahrscheinlich auch Material aus anderen, ihnen persönlich zugänglichen Quellen hinzugezogen.

3

Johannes

Das Johannesevangelium weicht in vieler Hinsicht von den Synoptikern ab. Einige bei Johannes erwähnte Begebenheiten finden sich in keinem der synoptischen Evangelien, wobei Gleiches auch umgekehrt gilt. Ferner werden einige Begebenheiten in der Darstellung von Johannes an anderen Stellen im Text ausgeführt: Die Tempelreinigung erscheint beispielsweise bei Johannes sehr früh (2, 13-25), wird aber bei den Synoptikern erst nach dem triumphalen, letzten Einzug Jesu in Jerusalem geschildert. Von besonderer Bedeutung ist, dass Johannes andere Zeitpunkte für das letzte Abendmahl und die Kreuzigung angibt: Das Abendmahl findet in seiner Version vor dem Passahfest und die Kreuzigung vor dem ersten Tag des Passahfestes statt. Ferner dauert nach Johannes die Predigertätigkeit Jesu mehr als zwei Jahre, während sich die Synoptiker auf die Schilderung eines Jahres beschränken. Nach dem Verfasser des Johannesevangeliums verbrachte Jesus einen großen Teil seiner Zeit in Judäa, mit häufigen Aufenthalten in Jerusalem. Bei den Synoptikern dagegen spielt sich die Predigertätigkeit Jesu hauptsächlich in Galiläa ab.

Nicht zuletzt werden Form und Inhalt der Lehren Jesu im Johannesevangelium auf eine andere Weise dargestellt. Während die Synoptiker diese Lehren hauptsächlich in Gleichnissen und Epigramme kleiden, benutzt der Verfasser des Johannesevangeliums lange allegorische und meditative Reden, z. B. jene vom guten Hirten (Kapitel 10) und dem Weinstock (Kapitel 15). Bezeichnenderweise drückt sich Jesus in einigen dieser langen Reden immer wieder in prägnanten, nur aus einem Satz bestehenden Metaphern aus, wie etwa: „Ich bin das Brot des Lebens” (6, 35); „Ich bin das Licht der Welt” (8, 12); „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben” (14, 6). Im Johannesevangelium beziehen sich die Lehren Jesu im Allgemeinen auf seine göttliche Natur sowie sein Verhältnis zu Gott („und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gelebt”), während die Synoptiker mehr die messianische Berufung Jesu sowie religiöse und ethische Fragen betonen. Ferner verkündet das Johannesevangelium die wahre Natur und Absicht Jesu gleich zu Beginn seines Wirkens, während die Synoptiker diese erst während seiner Predigertätigkeit offenbaren.

Heute ist sich die Forschung einig, dass das Johannesevangelium zeitlich nach den synoptischen Evangelien geschrieben worden sein muss. Es ist jedoch weiterhin umstritten, ob der Verfasser des Johannesevangeliums die synoptischen Evangelien kannte und sie als Quelle benutzte.

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