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Windows Live® Suchergebnisse AnpassungEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Was ist Anpassung?; Die Ursache der Anpassung: natürliche Selektion; Wie „Gestaltung” entsteht: Darwin’sche Selektion; Die Suche nach dem Zweck; Lebende Archive vergangener Umweltbedingungen; Die Grenzen der Erklärung durch Anpassung; Die zentrale Stellung des adaptionistischen Denkens
Anpassung oder Adaptation, scheinbar zielgerichtet entwickelte Eigenschaft eines Lebewesens sowie ihre Entstehung in der Evolution durch natürliche Selektion im Laufe vieler Generationen. Lebewesen stehen mit ihrer Umwelt in Wechselbeziehungen, Anpassungen ermöglichen es ihnen, diese Beziehungen zu gestalten. Durch Anpassung werden Probleme hinsichtlich Überleben und Fortpflanzung überwunden, mit denen die Vorfahren zu kämpfen hatten. Organismen mit höherem Adaptionswert werden von der Evolution favorisiert und können erfolgreiche Anpassungen mit größerer Wahrscheinlichkeit an nachfolgende Generationen weitergeben.
Anpassung ist eine verblüffende Eigenschaft des Lebendigen, die, wie Charles Darwin es treffend formulierte, „sehr zu Recht unsere Bewunderung erregt”. An Lebewesen und allen ihren Aspekten glaubt man eine überzeugende Zweckbestimmung zu erkennen, eine hoch organisierte Komplexität, Genauigkeit und Effizienz und eine geradezu geniale Nützlichkeit. Eines von Darwins Lieblingsbeispielen war der Specht, dessen Schnabel und Zunge so geschickt konstruiert sind, dass er hinter der Baumrinde versteckte Insekten herausholen kann. Nicht weniger eindrucksvoll sind Gehirn und Verhalten gestaltet, die dafür sorgen, dass die mühsam beschaffte Beute auch nach dem Geschmack des Spechtes ist. Ein anderes Beispiel sind Meerkatzen (Affen), die mit unterschiedlichen Warnrufen genau mitteilen, ob es sich bei einem nahenden Räuber um einen Python, einen Adler oder einen Leoparden handelt. Die Artgenossen der Meerkatzen reagieren jeweils auf die Rufe, indem sie nach unten oder nach oben blicken oder auf Bäume flüchten. Oder man betrachte die auffällige Färbung eines harmlosen Insekts, das die leuchtenden Warnfarben einer giftigen Art nachahmt. Und es gibt das weibliche Beifußhuhn, das bei der Partnerwahl sehr wählerisch ist und Verehrer mit sichtbaren, von Parasiten erzeugten Narben abweist, oder das Mäuseweibchen, das den Geruch parasitenfreier Männchen bevorzugt. Und das Männchen der Schlankjungfer (einer Libellenart) hat Auswüchse am Penis, die vor der Begattung den Samen eines Konkurrenten aus dem Weibchen entfernen. Termiten haben in ihren Bauten ein beeindruckendes Lüftungssystem, das trotz der glühend heißen Tage und der eisigen Nächte in der Savanne stets für die gleiche Temperatur sorgt. Manche Orchideen schließlich locken Tiere, die sie befruchten sollen, durch eine verblüffende Ähnlichkeit ihrer Blüten mit Insektenweibchen an und laden dann dem getäuschten Besucher den Pollen auf den Rücken.
Darwin sah in der Anpassung völlig zu Recht das entscheidende Problem, das eine Evolutionstheorie zu lösen hatte. Und seine Theorie von der natürlichen Selektion war eine geniale Lösung. Natürliche Selektion ist der Mechanismus, durch den Anpassung entsteht. Dies geschieht allmählich durch die Ansammlung kleiner Veränderungen, die von den Selektionskräften in einer sich wandelnden Umwelt im Laufe der Jahrmillionen geformt werden.
Die natürliche Selektion wirkt auf die Gene und die Eigenschaften, die diese hervorbringen. Aber die Gene bieten sich nicht „nackt” dem Test der natürlichen Selektion dar, sondern sie präsentieren ihr beispielsweise Schwänze, Fell, Muskeln, Gehäuse oder die Fähigkeit, schnell zu laufen, sich gut zu tarnen, einen Partner anzulocken oder ein gutes Nest zu bauen. Solche Eigenschaften nennt man phänotypisch oder phänotypische Effekte der Gene. Unterschiede in den Genen führen zu unterschiedlichen phänotypischen Effekten. Über sie wirkt die natürliche Selektion auf die Gene: Denn es haben nur solche Gene Bestand, deren zugehöriger Phänotyp gegenüber konkurrierenden Phänotypen einen Selektionsvorteil bietet. In den Folgegenerationen sind die Gene also proportional zum Selektionswert ihrer phänotypischen Effekte vertreten. Eine angepasste Eigenschaft ist also ein Phänotyp, der die Vermehrung der ihm zugrunde liegenden Gene begünstigt. Die phänotypischen Effekte eines Gens gehen über den eigenen Körper und über Verhalten, Gehirn und Geist des betreffenden Organismus hinaus. Einige Beispiele sind das „eingefrorene Verhalten”, das sich in Form eines Vogelnestes oder Spinnennetzes präsentiert; die Manipulation der getäuschten Zieheltern eines Kuckucks; oder parasitierte Flohkrebse, die sich sehr auffällig dem Räuber zeigen, der im Lebenszyklus des Parasiten den nächsten Wirt darstellt – ein Verhalten, das für den Krebs tödlich, für den Parasiten aber nützlich ist.
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