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Windows Live® Suchergebnisse MedizinEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Die Anfänge der Medizin; Medizinische Praxis in der Antike; Medizin im Mittelalter; Medizin in der Renaissance; Die Anfänge der modernen Medizin; Medizin im 19. Jahrhundert; Medizin im 20. Jahrhundert
Medizin (lateinisch medicus: Arzt); die Wissenschaft und Kunst von der Heilung von Krankheiten sowie der Gesundheitsvorsorge.
Unsere Kenntnisse über die medizinische Praxis in vorgeschichtlicher Zeit stammen aus der Paläopathologie. Diese Forschungsrichtung beschäftigt sich mit alten Darstellungen medizinischer Verfahren, mit Schädeln und anderen Skelettteilen sowie mit den medizinischen Geräten der Vorzeit und der heutigen nichtindustrialisierten Kulturen. Zum größten Teil gehören solche Themen in das Gebiet der Anthropologie. Manche Verfahren haben sich allerdings bis heute erhalten, so dass es gerechtfertigt ist, sie auch aus der Sicht der Medizingeschichte zu betrachten. Schon für die Menschen der Vorzeit waren schwere Krankheiten ein großes Problem. Es gelang ihnen jedoch nicht, sie wirksam zu behandeln. Nach den vermeintlichen Ursachen unterschied man zwei Arten solcher Krankheiten. Für jede dieser Gruppen gab es eine Reihe von Therapiemethoden, die sich aber gegenseitig ausschlossen. Die erste und größte Gruppe waren Leiden, für die man böse Geister verantwortlich machte. Diese Dämonen, so glaubte man, versetzten einen fremden Geist, einen Stein oder einen Wurm in den Körper des arglosen Patienten. Um solche Beschwerden zu vertreiben, benutzte man Zaubersprüche, Tänze, magische Handlungen, Beschwörungen, Talismane und die verschiedensten anderen Mittel. Wenn es dem Geist gelang, in den Körper seines Opfers zu gelangen, weil man solche Vorsichtsmaßnahmen nicht ergriffen hatte oder weil sie nicht ausreichten, versuchte man, den Körper des Patienten für den Dämon unbewohnbar zu machen: Man schlug den Kranken, folterte ihn oder ließ ihn hungern. Auch mit Arzneitränken, die heftiges Erbrechen auslösten, wollte man den Geist austreiben, oder man ließ ihn durch ein in den Schädel gebohrtes Loch entweichen. Diese zuletzt genannte Methode, Trepanation genannt, diente auch als Mittel gegen Geisteskrankheiten, Epilepsie und Kopfschmerzen. Wenn sich die Therapiemethoden jedoch unmittelbar gegen die Beschwerden richteten, waren sie oft erfolgreich. Zu den medizinischen Verfahren, die schon in frühen Kulturen praktiziert wurden, gehörten die Reinigung und Behandlung von Wunden durch Ausbrennen, Verbinden und Nähen, das Einrichten von Verrenkungen und Knochenbrüchen sowie das Schienen von Gliedmaßen. Als Arzneien verwendete man Abführmittel, harntreibende Wirkstoffe, Brechmittel und Einläufe. Die vielleicht größten Erfolge erzielte man mit Pflanzenextrakten, deren betäubende und anregende Eigenschaften man nach und nach entdeckte. Sie eigneten sich so gut zur Behandlung, dass viele von ihnen auch heute noch in Gebrauch sind. Einer der bekanntesten dürfte Digitalis sein, ein Herzmittel, das aus der Fingerhutpflanze gewonnen wird.
Bevor sich etwa im 6. Jahrhundert v. Chr. die fortgeschrittenere griechische Medizin entwickelte, gab es in den einzelnen Kulturkreisen bereits verschiedene medizinische Systeme, die sich vorwiegend auf Magie, Hausmittel und einfache chirurgische Verfahren gründeten.
In der Medizin des alten Ägypten sind zwei verschiedene Richtungen zu erkennen: eine magisch-religiöse, die sehr alte Elemente umfasste, und eine empirisch-rationale, die sich auf Erfahrungen und Beobachtungen stützte, während ihr die mystischen Aspekte fehlten. Die häufigsten Augen- und Hauterkrankungen behandelten die Ärzte meist ausschließlich nach Vernunftprinzipien, weil die Krankheitsherde leicht zugänglich waren. Weniger gut erkennbare Leiden versuchte man weiterhin mit den Zaubersprüchen und Beschwörungsformeln der Priester und Magier zu heilen. In der 3. Dynastie entwickelte sich der Beruf des Arztes als eine frühe Form des Wissenschaftlers, der anders vorging als die Zauberer und Priester. Der erste Arzt, dessen Namen wir kennen, war Imhotep. Er lebte etwa um 2725 v. Chr. Imhotep diente dem Pharao gleichzeitig als Wesir (d. h. als hoher Beamter), Pyramidenbaumeister und Astrologe. Die Lehrzeit der Ärzte war hart und langwierig: Jahrelang lernten sie in Tempelschulen die Kunst der Befragung, Untersuchung und Palpation (Abtasten des menschlichen Körpers). Schon damals wurden manche Medikamente verschrieben, die über Jahrhunderte hinweg in Gebrauch blieben. Beliebte Abführmittel waren Feigen, Datteln und Rizinusöl. Tannin, das vor allem aus Akazien gewonnen wurde, war ein wertvolles Hilfsmittel zur Behandlung von Brandwunden. Obwohl die Ägypter die Kunst des Einbalsamierens beherrschten, verfügten sie nur über geringe anatomische Kenntnisse. Deshalb versuchten sie sich nur an kleinen chirurgischen Eingriffen. Eine Ausnahme war allerdings die Trepanation. Außerdem kannten die alten Ägypter nach den Berichten des griechischen Historikers Herodot auch zahnmedizinische Operationen, denen sie eine große Bedeutung beimaßen. Manchen Hinweisen zufolge beschäftigte man sich in Ägypten auf der Grundlage der Arbeiten von Imhotep auch mit Physiologie und Pathologie.
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