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Niederländische Literatur

Enzyklopädieartikel
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Frederik van EedenFrederik van Eeden
Artikelgliederung
1

Einleitung

Niederländische Literatur, die Literatur in den Niederlanden in niederländischer Sprache. Die ältesten überlieferten Schriften in einem niederländischen Dialekt sind Werke aus dem 12. Jahrhundert von Heinrich von Veldeke.

Von Veldeke verfasste eine auf eine lateinische Quelle zurückgehende Servatiuslegende, eine auf einem französischen Original beruhende Bearbeitung der Äneis und verschiedene Minnelieder. Neben einer vor allem aus Ritterepik und Artusromanen bestehenden weltlichen Dichtung entstand im 13. Jahrhundert eine reiche geistliche Epik. Vom Minnesang beeinflusste mystische Gedichte schrieb die Brabanter Begine Hadewijch; beliebt war auch die Beatrijs-Dichtung. Nach 1250 entwickelte sich mit dem Werk von Jacob van Maerlant eine Literatur von nationaler Bedeutung. Er wird als Vater der niederländischen Literatur bezeichnet und schrieb lehrreiche Gedichte, Ritterromane und Abhandlungen zur Geschichte und Staatskunst.

Unter der Herrschaft der Burgunder (1363-1477) zeichnete sich insbesondere durch die Dominanz der französischen vor der niederländischen Sprache ein langsamer Verfall der Literatur ab. Eine wichtige Funktion innerhalb der städtischen Kultur übernahmen im 15. und 16. Jahrhundert die Rederijkers, den Handwerkszünften gemäß organisierte Künstlergilden. Mit Lyrik, Dramen sowie geistlichen Spielen leisteten sie einen wesentlichen Beitrag zur niederländischen Literatur jener Zeit. Zu einer Intensivierung der literarischen Aktivitäten in den Niederlanden und in ganz Europa trug während der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts vor allem auch das Werk des niederländischen Gelehrten und Humanisten Erasmus von Rotterdam bei. Zwei Autoren des späteren 16. Jahrhunderts, Dirck Volckertszoon Coornhert und Philips van Marnix, nahmen unmittelbar Einfluss auf das goldene Zeitalter der niederländischen Literatur. Coornhert verfasste Lyrik, Dramen und Prosaschriften. Marnix trat insbesondere mit dem Werk De byencorf der heiligher Roomsche Kercke (1569; überarbeitet 1605: Le tableau des différends de la religion) hervor, einer bitteren Satire auf die katholische Kirche.

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Der Einfluss des Humanismus

Das goldene Zeitalter der niederländischen Literatur fiel mit der Republiksgründung und einer Periode großer wirtschaftlicher Prosperität zusammen. Diese Epoche hielt bis zum Ende des 17. Jahrhunderts an und zeichnete sich durch intellektuelle Unabhängigkeit und die Betonung humanistischer Werte aus. Großes Ansehen genoss der Dichter und Staatsmann Jacob Cats. Seine schlichten Moralvorstellungen und seine Alltagsphilosophie fanden in Werken wie Houwelyck (1625; Die Heurath) und Trou-ringh (1637; Trauungs-Betrug, unlängsten in Holland gesehen ...) ihren Niederschlag. Zu den bedeutendsten niederländischen Dichtern der Renaissance gehört Pieter Corneliszoon Hooft mit seiner an Petrarca und die Dichter der Pléiade angelehnten Liebeslyrik. Mit Stücken wie Geeraerdt van Velsen (1613) und Baeto, oft Oórsprong der Hóllanderen (1626), die im Stil der Dramen des römischen Philosophen und Dramatikers Seneca gehalten waren, leistete Hooft Pionierarbeit auf dem Gebiet der Dramatik. Gerbrand Bredero, einer der Gründer des Amsterdamer Theaters, schrieb als erster niederländischer Dichter romantische Stücke, erlangte aber mit Komödien und Possen seinen größten Erfolg. Sein beliebtestes Stück war De Spaansche Brabander (1617).

Joost van den Vondel gilt als der bedeutendste unter den Dichtern und Dramatikern des goldenen Zeitalters. Neben Spottgedichten, historisch-vaterländischer und religiöser Dichtung verfasste er 32 an klassisch-griechischem Muster orientierte Dramen. Zu seinen Hauptwerken zählt das biblische Drama Lucifer (1654; Lucifer) über den Aufstand der Engel gegen Gott.

Im ausgehenden 17. Jahrhundert orientierten sich die niederländischen Literaten vornehmlich am französischen Klassizismus. Pieter Langendijk, einer der bedeutendsten Autoren der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, verfasste von Molière beeinflusste Komödien, die in den Niederlanden noch heute inszeniert werden. Aufklärerisches Gedankengut fand mit Justus van Effens am Modell zeitgenössischer englischer Zeitschriften konzipierter moralischer Wochenschrift De Hollandsche Spectator (1731-1735) weite Verbreitung.

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Verlichting (Aufklärung)

Das letzte Viertel des 18. Jahrhunderts wurde von einer Bewegung bestimmt, die als Verlichting (Aufklärung) bekannt wurde und sich durch ihre Ablehnung der Regeln und Formen des Klassizismus auszeichnete. Zu den bedeutenden Vertretern der Verlichting zählen Betje Wolff-Bekker und ihre Freundin Aagje Deken. Gemeinsam schrieben sie eine Reihe von realistisch-empfindsamen Briefromanen, darunter De historie van mejuffrouw Sara Burgerhart (1782) und Historie van den Heer Willem Leevend (1784-1785). Der dem griechischen und französischen Klassizismus zugewandte Willem Bilderdijk wurde zur Leitfigur der politischen und religiösen Bewegung Réveil (Erweckung). Zu seinen Werken gehören das epische Gedicht De ondergang der eerste wereld (1820) und die berühmte Ode van Napoleon (1806).

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Romantik

Das 19. Jahrhundert begann mit einer Literatur, die sich in erster Linie durch Konventionalität und extreme Betonung der Form auszeichnete. Zu den Prosawerken von Bedeutung zählen die Literaturkritiken von Jacob Geel und die von dem schottischen Romancier und Dichter Sir Walter Scott beeinflussten historischen Romane Jacob van Lenneps. Everhardus Johannes Potgieter, der bedeutendste Literaturkritiker dieser Epoche, der auch mit Prosawerken hervortrat, gründete 1837 die Zeitschrift De Gids, die zum Organ der Romantik in der niederländischen Literatur wurde. Sein Meisterwerk ist Florence (1868), ein episches Gedicht über das Italien des Mittelalters. Nicolaas Beets verdankt seinen Ruf als herausragender Erzähler einer einzigen Sammlung von Essays und Erzählungen, Camera Obscura (1839), freundlich-humorvollen Betrachtungen über das Leben und die Sitten der bürgerlichen Gesellschaft. Anna Louise Geertruida Bosboom-Toussaint verfasste von der englischen Romantik inspirierte Romane, darunter einen Romanzyklus über die Abenteuer des englischen Soldaten Robert Dudley in den Niederlanden in den Jahren 1845 bis 1855.

Eduard Douwes Dekker, bekannt unter dem Pseudonym Multatuli, nahm die revolutionäre Bewegung in der niederländischen Literatur um rund 20 Jahre vorweg. In dem Roman Max Havellar of de koffijveilingen der Nederlandsche handelsmaatschappij (1860; Max Havelaar), einer Satire auf den niederländischen Kolonialismus, verwendete er einen einfachen Stil, der frei von jeglichen Formalismen war, die zum Schriftstandard der Sprache geworden waren. Sein Werk trug viel zur Erneuerung der niederländischen Literatur bei.

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