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Windows Live® Suchergebnisse Deutsche SpracheEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Deutsche Sprache, Sprache, die zum westlichen Zweig der germanischen Sprachen, einer Unterfamilie der indogermanischen Sprachen, gehört. Sie besteht aus zwei großen Dialektgruppen, nämlich Hochdeutsch (einschließlich der heutigen Schriftsprache Deutsch) und Niederdeutsch. Die deutsche Sprache wird heutzutage in der Bundesrepublik Deutschland, in Österreich, in der deutschsprachigen Schweiz, in Liechtenstein sowie in verschiedenen Gebieten West- und Osteuropas und in einigen Sprachinseln außerhalb Europas von insgesamt etwa 100 Millionen Menschen gesprochen. Regionale Dialekte werden meist von Sprechern benachbarter Dialektgebiete verstanden, nicht jedoch zwangsläufig von Sprechern weiter entfernter Dialektgebiete.
Die Entwicklung der deutschen Sprache wurde von mehreren systematischen Verschiebungen bestimmter Konsonanten im Lautsystem beeinflusst. Durch die so genannte erste oder germanische Lautverschiebung wurde die protogermanische Sprache von anderen indogermanischen Sprachen abgetrennt. In der ersten Lautverschiebung (Grimm’sches Gesetz) wurde indogermanisch p, t, k zu germanisch f, th, h, indogermanisch b, d, g zu germanisch p, t, k und analog indogermanisch bh, dh, gh zu germanisch b, d, g. Nachdem die westgermanischen Dialekte ihre eigenen, charakteristischen Merkmale entwickelt hatten, trat die zweite oder hochdeutsche Lautverschiebung ein, die im Zeitraum von 500 bis 700 stattfand. Mit dieser Lautverschiebung trennten sich die hochdeutschen Dialekte von den anderen westgermanischen Sprachen ab. In dieser Zeit wurde das germanische p am Wortanfang, nach Konsonanten oder bei Verdoppelung zu pf (hochdeutsch Pflanze, niederdeutsch Plante); in der Wortmitte oder in der Endstellung nach Vokalen wurde es zu ff oder f (hochdeutsch hoffen, niederdeutsch hopen). Unter den gleichen Bedingungen wurde das germanische t zu z (ausgesprochen als ts wie in Pflanze) oder ss (hochdeutsch essen, niederdeutsch eten). Nach Vokalen wurde k zu ch (hochdeutsch machen, niederdeutsch maken); in allen anderen Fällen blieb das k unverändert. Nur im äußersten Süden Deutschlands wurde es zuerst zu kch und später zu ch. Eine spätere Veränderung des Sprachstandes findet sich auch im Niederdeutschen, und zwar die Verschiebung des germanischen th zu d (hochdeutsch das, niederdeutsch dat). Ein weiteres Kennzeichen der deutschen wie auch aller anderen germanischen Sprachen ist die Lage des Hauptakzents, der in der Regel auf die erste Silbe eines Wortes fällt. In Wortverbindungen ist jedoch die Stammsilbe und nicht die Vorsilbe betont. Zu den lautlichen Merkmalen des Deutschen gehören u. a. die Verwendung des Knacklautes vor jedem betonten Vokal in Anfangsstellung bei einfachen Wörtern oder bei unabhängig gesprochenen Wortteilen, die Aussprache von u, o, ü und ö mit voller Lippenrundung, die gespannten Langvokale und die ungespannten Kurzvokale, die Aussprache des r als Zungenspitzen- und als Rachen-R, die Stimmhaftigkeit des s vor und zwischen Vokalen und die stimmlose Aussprache von b, d, g in Endstellung als p, t, k, die Verwendung der Affrikaten (Reibelaute) pf und ts sowie die Aussprache von w als v und von v als f. Vokale werden nur in Lehnwörtern aus dem Französischen nasaliert. Deutsch ist eine flektierende Sprache mit drei grammatischen Geschlechtern (Maskulinum, Femininum und Neutrum), vier Fällen (Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ) und der starken und schwachen Deklination von Adjektiven. Durch die von Deklination und Konjugation erzeugten Endungen werden einige Wortarten eindeutiger identifiziert als in Sprachen mit einem geringeren Grad an Flexion. Die Wortstellung ist relativ frei. So wird z. B. die Reihenfolge von Subjekt und Prädikat vertauscht (invertiert), wenn ein Adverb, ein präpositionaler Ausdruck oder ein abhängiger Nebensatz vorausgeht. Das Verb steht in einem untergeordneten Nebensatz, der von einem Relativpronomen oder einer Konjunktion eingeleitet wird, immer in Endstellung. Was die Wortbildung betrifft, macht das Deutsche umfangreichen Gebrauch von Komposita, d. h. von der Verbindung zweier oder mehr unabhängiger Wörter wie in Oberbaumeister oder Handelsluftfahrt, und von Vorsilben (Präfixen) und Nachsilben (Suffixen) wie in Herrlichkeit oder teilbar. Der dichterische und philosophische Wortschatz sowie die wissenschaftliche und technische Terminologie sind besonders ausgeprägt.
Althochdeutsch, eine Gruppe von Dialekten ohne einheitliche Schriftsprache, wurde bis etwa 1050 gesprochen. Ab dieser Zeit begann sich eine Standardsprache auf der Basis oberdeutscher Dialekte durchzusetzen. Das moderne Hochdeutsch stammt von mittelhochdeutschen Dialekten ähnlich denen ab, die Martin Luther im 16. Jahrhundert in seiner Übersetzung der Bibel verwendete. Im sprachgeographischen Sinn umfasst der Begriff Hochdeutsch alle Dialekte, die von der zweiten Lautverschiebung erfasst wurden, im Gegensatz zum Niederdeutschen, das dieser Lautverschiebung nicht unterlag. Hochdeutsch wird südlich einer Trennlinie gesprochen, die – wie allgemein anerkannt wird – östlich von Aachen und südlich von Düsseldorf, Kassel, Magdeburg und Berlin bis nach Frankfurt an der Oder verläuft. Hochdeutsch ist wiederum in zwei Sprachbereiche aufgeteilt: Oberdeutsch, das in der Schweiz, in Österreich, Liechtenstein und Süddeutschland gesprochen wird, und Mitteldeutsch in Luxemburg und im mittleren Teil Deutschlands, wobei hier noch zwischen dem Ost- und Westmitteldeutschen unterschieden wird. Zum Oberdeutschen gehören: (1) Alemannisch(im nordöstlichen Bereich seines Verbreitungsgebiets als Schwäbisch bezeichnet), das in den südlichen Gebieten von Baden-Württemberg und des Elsass, in der Südwestecke Bayerns und in den deutschsprachigen Gebieten der Schweiz gesprochen wird, wozu die Großstädte Basel, Zürich und Bern gehören, (2) Bairisch, das im südöstlich gelegenen Gebiet Deutschlands östlich des Lech und südlich von Nürnberg einschließlich München sowie in Österreich bis zur ungarischen Grenze im Osten einschließlich der Städte Innsbruck, Wien und Graz gesprochen wird, (3) Sprachzweige des fränkischen Dialekts, und zwar Ostfränkisch, das in der Gegend von Nürnberg, Würzburg, Bamberg und Fulda gesprochen wird, und Südfränkisch, das sich in der Gegend zwischen Karlsruhe und Heilbronn findet, sowie (4) Langobardisch, das früher in Teilen der Lombardei (Italien) gesprochen wurde, die vom deutschen Stamm der Langobarden besetzt waren und das sich heute nur noch in einigen geographischen Namen dieser Gegend wiederfindet. Das Langobardische ist sprachgeschichtlich besonders interessant, da es der älteste deutsche Dialekt ist, von dem schriftliche Aufzeichnungen (aus der Mitte des 7. Jahrhunderts n. Chr.) vorliegen. Der Großteil der deutschen Dialekte lässt sich nur bis ins 8., 9. oder 10. Jahrhundert zurückverfolgen. Zum Mitteldeutschen gehören: (1) Rheinfränkisch, das in einem Großteil der Rheinpfalz und in Hessen gesprochen wird, wozu Mainz, Heidelberg, Frankfurt am Main und Marburg gehören, (2) Moselfränkisch, das beiderseits der Mosel gesprochen wird und sein Kerngebiet in Trier hat und mit (3) Ripuarisch, das zwischen Aachen und Köln benutzt wird, das Mittelfränkische bildet, (4) Thüringisch, das man in der Umgebung von Weimar, Jena und Erfurt hört, (5) Obersächsisch, das in Sachsen einschließlich Dresden und Leipzig gesprochen wird, und (6) Schlesisch, das in Ober- und Unterschlesien, nordwestlich und südöstlich von Wrocław (früher Breslau, jetzt in Polen), zu finden ist.
Zum zweiten Hauptzweig des Deutschen, Plattdeutsch oder Niederdeutsch, gehören: Niederfränkisch, das sehr eng mit dem Niederländischen (Holländisch-Flämischen) verwandt ist und nur im Westen in einem sehr schmalen Randbereich im deutsch-niederländischen Grenzgebiet gesprochen wird, und Niedersächsisch, das im norddeutschen Tiefland und im Osten und Nordosten bis zur Elbe einschließlich der Städte Münster, Kassel, Bremen, Hannover, Hamburg und Magdeburg gesprochen wird. Für das Niederdeutsche gibt es keine Standardschriftsprache. Mit der Kolonisierung des Baltikums durch den Deutschritterorden verbreitete sich das Niederdeutsche sowohl in den Ländern östlich der Elbe bis nach Brandenburg, Mecklenburg und Pommern als auch in einigen Teilen von Preußen. Die skandinavischen Sprachen haben aus dem Niederdeutschen zahlreiche Wörter entlehnt, aber die Sprache verlor mit dem Niedergang der Hanse an Bedeutung (siehe deutsche Mundarten).
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