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Lloyd’s

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Lloyd’s, Kurzbezeichnung für Lloyd’s of London bzw. Corporation of Lloyd’s, einen Markt privater Einzelversicherer mit Hauptsitz in London. Der Name Lloyd’s geht auf Edward Lloyd, einen Londoner Kaffeehausbesitzer aus dem 17. Jahrhundert, zurück.

Lloyd’s ist kein Unternehmen, sondern vielmehr eine privatwirtschaftliche Institution, die ähnlich wie eine Börse die Geschäfte ihrer Mitglieder im Bereich Versicherungen überwacht und reguliert. Im Kern geht es um Risikoanteile, für die ein „Underwriter” im Fall des Verlustes in unbegrenzter Höhe haftet. Als Gegenleistung erhält der Underwriter an das Risiko angemessene Prämien. Bei den Underwritern kann es sich um Einzelmitglieder (Individual Members, 1998: 6 825) oder auch um Mitgliederverbunde (Corporate Members, 1998: 435) handeln, wobei jedes Mitglied mindestens einem der „Syndicates” (1998: 155) angehört, die ebenfalls Geschäfte abschließen. Nur wer über ein Vermögen von 250 000 Pfund (umgerechnet rund 743 000 DM) verfügt und dies per Banknachweis belegt, darf an einem Syndikat teilnehmen.

Erste Hinweise auf Lloyd’s gehen auf ein Inserat aus der London Gazette vom Februar 1688 zurück. Demnach trafen sich verschiedene Schiffseigner, Kapitäne und Bankiers regelmäßig im Kaffeehaus von Edward Lloyd, um dort Geschäftsgespräche zu führen. Ein allgegenwärtiges Problem zu jener Zeit war der Verlust von Schiff und Ladung während des Transportes (z. B. durch Sturm oder Piraten). Im Verlustfall gingen die Geschädigten häufig leer aus. Es dauerte folglich nicht lange, bis auch Versicherungsmakler auf die Aktivitäten in Lloyd’s Coffee House aufmerksam wurden. In diesem Rahmen kamen die ersten Geschäfte zustande, bei denen Unterzeichner (Underwriters) gegen entsprechende Prämien ihr Geld zur Deckung von Schifffahrtsrisiken einsetzten. Der Gaststätteninhaber selbst war nicht direkt an derartigen Geschäften beteiligt, aber er stellte u. a. die Räume und trug verläßliche Informationen sowie Schiffsnachrichten für seine Kunden zusammen. 1702 brachte Lloyd eine Liste heraus in der alle Schiffe aufgezählt waren, die entweder als gesunken oder als vermisst galten. Diese List of Ships nannte man später einfach Lloyd’s List – sie kam ab 1734 wöchentlich heraus. Heute erscheint unter diesem Titel ein Schiffsnachrichtenblatt. Lloyd’s wurde 1871 durch ein Parlamentsgesetz zur Gesellschaft und beschränkte sich damals auf den Bereich Seeversicherungen. Im Lloyd’s Act von 1911 erweiterte das britische Parlament die Geschäftstätigkeit der Gesellschaft auf praktisch alle Versicherungsformen mit Ausnahme langfristiger Lebensversicherungen. Nach mehreren Umzügen im Lauf der Zeit ist der Hauptsitz der Institution seit 1986 in der Londoner One Lime Street. In der Zeitspanne von 1988 bis 1992 führten eine ganze Reihe von Verlustgeschäften zu herben Einbußen, Lloyd’s geriet tief in die roten Zahlen (1992 fast acht Milliarden Pfund; etwa 23 Milliarden DM). Hintergrund hierfür war eine Anzahl von Umweltkatastrophen, wie beispielsweise das Tankerunglück der Exxon Valdez vor der Südküste Alaskas. Erst gegen Mitte der neunziger Jahre kam die Institution wieder ins Plus – 1995 wurde der Gewinn mit 1,14 Milliarden Pfund (um 3,3 Milliarden DM) angegeben.

Weltweit ist Lloyd’s in über 100 Ländern tätig und hat Agenten in jedem wichtigen Hafen der Welt. Im Geschäftsjahr 97 wurden rund 36 Prozent der Geschäfte in Großbritannien, 32 Prozent in den USA, 13 Prozent in anderen europäischen Ländern, 7 Prozent im asiatisch-pazifischen Raum und 12 Prozent in anderen Teilen der Welt abgewickelt. Die Hauptgeschäftsfelder 1997 waren Seeversicherungen (Marine: etwa 19 Prozent), andere Versicherungsarten (Non-Marine: rund 54 Prozent), der Bereich Luftfahrt (Aviation: 11 Prozent) sowie der Bereich Kraftfahrzeuge (Motor: 16 Prozent).

In den Geschäftsjahren 2000 und 2001 musste Lloyd’s hohe Verluste hinnehmen. 2000 war es ein Minus von 1,21 Milliarden Pfund und 2001 ein Minus von 3,11 Milliarden Pfund. Das Jahr 2001 war aufgrund zahlreicher Naturkatastrophen und Unglücksfälle, vor allem aber wegen Terroranschlägen, besonders verlustreich für die Versicherungsbranche. Nach einer Schätzung von Lloyd’s schlugen allein die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA mit umgerechnet fast zwei Milliarden Pfund zu Buche. Auch für das Jahr 2002 rechnet Lloyd’s angesichts der zahlreichen Naturkatastrophen mit Verlusten.

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