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Keramik (Kunst)Enzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Arten und Verfahren; Stilgeschichte der Keramik (Töpferkunst); Präkolumbische Kulturen; Keramik in der westlichen Welt
Ein Gegenstand kann vor oder nach dem Brennen verziert werden. Wenn der Ton halb trocken und leicht erhärtet ist („lederhart”), lassen sich Verzierungen einritzen oder er kann mit einem Prägestempel bearbeitet werden. Partien können ausgeschnitten werden, um dem Gefäß eine durchbrochene Oberfläche zu geben. Die Gefäßwände können durch Abschmirgeln und Polieren geglättet werden, so dass raue Partikel nach innen gedrückt und die Tonpartikel so angeordnet werden, dass die Gefäßoberfläche glatt und glänzend wird. Zur Oberflächenbehandlung kann auch Tonschlicker (flüssiger Ton, aus dem grobe Partikel herausgefiltert wurden) verwendet werden: das vollkommen durchgetrocknete oder halb trockene Gefäß wird in weichen Tonschlicker getaucht (dem manchmal auch Farbe zugesetzt wird). Der Schlicker kann auch aufgepinselt, auf das Gefäß aufgegossen oder mit einer Spritze aufgetragen werden. Mit einem spitzen Werkzeug, das durch den Schlicker hindurchkratzt und den harten Ton freilegt, lassen sich Muster einzeichnen. Diese Technik ist unter dem Namen Sgraffito bekannt.
Glasuren bestehen aus Glas bildenden Mineralien (Kieselsäure oder Bor), die mit Härtern (z. B. Ton) und Schmelzmitteln (wie Blei oder Soda) vermischt sind. Die Glasur kann entweder auf das noch ungebrannte Gefäß oder nach einem ersten Brand (Biskuitbrand) aufgetragen werden. Anschließend wird die Glasur auf den Gegenstand aufgebrannt. Die Glasurbestandteile schmelzen hierbei zu einer glasähnlichen Schicht. Manche Glasuren heben die Farbe des Grundwerkstoffes hervor, andere überdecken sie. Alkalische Glasuren, die in Kleinasien oft verwendet werden, sind glänzend und häufig transparent. Sie bestehen überwiegend aus Kieselsäure und Soda. Bleiglasuren sind transparent und bestehen traditionell aus einem Schmelz aus Sand, Sulfit oder Bleioxid. Sie wurden von den Römern, Chinesen und europäischen Töpfern im Mittelalter für Steingut verwendet und sind auch heute noch in Europa üblich. Matte weiße Bleiglasuren wurden von islamischen Töpfern im Mittelalter eingeführt. Sie wurden auf spanischer Lüsterkeramik (Keramiküberzug aus Metalloxiden), Majolika (italienische zinnglasierte Keramik), europäischer und Delfter Fayence (feine Keramik mit weißer aus Blei- und Zinnoxiden und Pottaschesilicat hergestellter Glasur) verwendet (Schmelzware). Schließlich wurden in China und Japan solche Glasuren für den europäischen Markt hergestellt. Metalloxide liefern farbige Glasuren. Durch Kupfer wird eine Bleiglasur grün und eine alkalische Glasur türkisfarben; in einem Reduzierofen wird Kupfer rot. Durch Eisen entsteht Gelb, Braun, Graugrün, Blau – und zusammen mit bestimmten Mineralien – Rot. Feldspate (Naturgestein aus Aluminiumsilicaten) werden für Steinzeug- und Porzellanglasuren verwendet, da sie erst bei hohen Temperaturen schmelzen. Die Effekte von bestimmten Glasuren auf den verschiedenen Tonen hängen sowohl von der Zusammensetzung der beiden als auch von der Regulierung des Glasurofens ab.
Keramik lässt sich vor oder nach dem Brennen auch bemalen. In der Jungsteinzeit wurden Ocker und andere Erdpigmente auf unglasierte Keramik aufgetragen. Metalloxide in oder unter der Glasur erfordern höhere Temperaturen, um die Farben auf der Glasur oder auf dem Gefäß zu fixieren. Hierzu zählen Kupfergrün, Cobaltblau, Manganpurpur und Antimongelb. Wird Email (feingemahlene Pigmente auf einer gebrannten Glasur) verwendet, muss das Gefäß in einem Muffelofen (abgedeckte, indirekte Flamme) bei niedriger Temperatur gebrannt werden, damit das Email mit der Glasur verschmilzt. Oft wird das Verfahren der Transferdrucke angewendet, um Handelsware zu dekorieren. Hierbei werden mit Oxiden Muster auf Papier gedruckt und in noch nassem Zustand auf das Gefäß übertragen, wobei das Papier im Brennofen wegbrennt. Heute zieht man Techniken wie die Lithographie und die Photographie zur Hilfe heran.
Im jungsteinzeitlichen China fertigte man Aufbaukeramik in der Spiralgangtechnik an, anschließend wurde die Keramikform mit einer Schaufel glatt geklopft; gegen Ende dieser Epoche (2. Jahrtausend v. Chr.) wurden Gefäße von Hand aufgebaut und dann auf der Töpferscheibe fertig gestellt. In Gansu im Nordwesten Chinas verzierte man Gefäße aus der Pan-Shan-Kultur aus feinkörnigem Ton, die rötlich braun gebrannt waren, mit dem Pinsel mit mineralischen Pigmenten. Diese Keramik stammt aus der Zeit um 2600 v. Chr. Der frühe chinesische Brennofen war der einfache Rundofen. Durch Schlitze in der Bodenfläche konnten die Flammen und die Hitze aufsteigen. Longshan-Keramik aus dem mittelchinesischen Flachland wurde auf der Töpferscheibe geformt. Die chinesischen Keramikgefäße aus der Jungsteinzeit umfassen eine Vielfalt von Formen: Dreifüße, Krüge, Urnen, Tassen, Amphoren und tiefe Trinkbecher.
Die jungsteinzeitliche Keramik wurde zum Vorbild für Bronzegefäße aus der Shang-Zeit (um 1600 bis 1022 v. Chr.); man hat Shang-Keramikformen aus hochwertigem Ton, die für den Bronzeguss verwendet wurden, gefunden. Die Shang-Keramik besteht aus vier Haupttypen. Der erste Typ war eine Fortführung der jungsteinzeitlichen funktionellen Keramik aus grobkörnigem grauen Ton, die mit eingedrückten Kordeln oder mit eingeschnittenen geometrischen Mustern verziert ist; der zweite bestand aus dunkelgrauen Nachahmungen von Bronzegefäßen; der dritte aus weißer Keramik mit feiner eingeschnittener Verzierung, die den Bronzedekorationen ähnelt; und der vierte aus glasiertem Steinzeug.
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