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Keramik (Kunst)Enzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Arten und Verfahren; Stilgeschichte der Keramik (Töpferkunst); Präkolumbische Kulturen; Keramik in der westlichen Welt
Abgesehen von der weißen Keramik wurden alle Shang-Typen in der Zhou-Zeit (um 1022 bis 256 v. Chr.) fortgesetzt. Grobes rotes Steingut mit Bleiglasur kam in der Zeit der Krieg führenden Staaten (403-221 v. Chr.) auf; diese Keramik ähnelte ebenfalls den Bronzegefäßen. Im Süden wurde Steinzeug mit einer blassen braunen Glasur in kunstvollen Formen gestaltet. 1974 wurde die Terrakotta-Armee von Shih Huang-Ti, dem ersten Kaiser der Ch’in-Dynastie (221-206 v. Chr.) entdeckt – eine kaiserliche Garde von über 6 000 lebensgroßen Soldaten und Pferden, die in militärischer Formation begraben waren. Diese Entdeckung eröffnete neue Dimensionen für die heutigen Erkenntnisse über die Kunst der frühen chinesischen Keramik. Diese stattlichen, idealisierten Darstellungen (jede weist unterschiedliche Details in der Kleidung auf) wurden aus grobkörnigem grauen Ton geformt, wobei die Köpfe und Hände separat gebrannt (bei einer hohen, der Steingutherstellung entsprechenden Temperatur) und später angesetzt wurden. Grabfiguren und andere Beigaben mit modellierter und gemalter Verzierung wurden auch in der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) weiterhin angefertigt; hierzu zählen Häuser, menschliche Figuren und sogar Öfen. Es entstand auch graues Steinzeug mit einer dicken grünen Glasur und rötliches Steingut. In der Zeit der Sechs Dynastien (220-589 n. Chr.) kam allmählich das Celadon auf (eine transparente Glasur mit Eisenpigmenten, die in einem Reduzierofen gebrannt wird und dort grau, blassblau, grün oder bräunlich olivfarben wird). Celadon hieß Yue-Keramik (grüne Keramik) und war in geringerem Maß als die frühe Keramik von dem Aussehen gegossener Bronze beeinflusst.
Grabbeigaben und Steinzeug wurden auch während der Tang-Dynastie (618-907) weiterhin angefertigt, wobei aus Zentralasien stammende Einflüsse deutlich wurden. Schalen und Schüsseln mit eingeritzter Dekoration wurden nach Indien, Südostasien und in den Nahen Osten ausgeführt. Diese Epoche ist jedoch durch zwei wichtige Keramikarten gekennzeichnet: eine war feines weißes Steingut, das mit Bleiglasur in einem gesprenkelten Muster in leuchtendem Gelb und Grüntönen überzogen wurde. Die zweite, die wichtigste Neuerung der Töpfer in der Tang-Zeit, war das Porzellan, aus dem dünne, sehr feine Schalen und Vasen mit durchsichtigen, bläulichen oder grünlichen Glasuren angefertigt wurden. In der Sung-Dynastie (960-1279), der größten Epoche der chinesischen Keramik wie auch aller anderen Künste, wurde das Porzellan weiter verfeinert.
Chinesische Keramik und chinesisches Porzellan haben stets einen starken Einfluss in Korea ausgeübt, aber koreanische Töpfer führten verfeinerte Variationen von chinesischen Vorbildern ein. In Gräbern fand man graues Steinzeug, das typisch für die Silla-Dynastie (57 v. Chr. bis 935 n. Chr.) war. Von der Sung-Zeit beeinflusste Celadon-Keramik ist charakteristisch für die Koryo-Dynastie (918-1392). Die Koreaner haben ihre eigene und auch die chinesische Keramik nach Japan eingeführt.
Die frühesten Keramiken aus der Jungsteinzeit in Japan, der Jomon-Zeit (um 10000 bis ca. 300 v. Chr.), wurden von Hand geformt, meistens in der Aufbautechnik im Spiralgang. Das Dekor wurde mit Kordeln und anderen Textilstrukturen eingedrückt, gebrannt wurde mit offenem Feuer bei niedriger Temperatur. Die Farben waren entweder rötlich oder reichten von Grau bis Schwarz. Einige Kultfiguren und Gebrauchsgefäße waren poliert oder mit rotem Eisenoxid überzogen. In Japan hat man Keramik der Yayoi-Kultur (um 300 v. Chr. bis ca. 250 n. Chr.) gefunden, die aus einer mongolischen Kultur stammt und von Korea auf die japanische Insel Kyushu gelangt ist. Die Yayoi benutzten die Töpferscheibe für die Herstellung ihres gelben und hellbraunen Steingutes, dessen glatte Oberfläche manchmal hellrot bemalt war. In dieser Epoche benutzte man in Japan zwei Ofentypen, die auch heute noch in Gebrauch sind: Der eine ist koreanischen Ursprungs; er wird in einen Berghang gebaut, hat bis zu 20 Brennkammern, und das Brennen kann bis zu zwei Wochen dauern. Der zweite Ofentyp hat eine flaschenähnliche Form; hierbei wird die Keramik mit Hilfe eines Holzfeuers am Ausgang eines abgedeckten Grabens gebrannt, die Gefäße befinden sich in einer runden ummauerten Kammer am Ende des Feuergrabens; abgesehen von einer Öffnung für den Rauchabzug ist der Ofen oben abgedeckt. In den riesigen Grabstätten der japanischen Kaiser hat man Keramik aus der späteren Konfun- oder Tumulus-(Hügelgrab-)Zeit gefunden (300-710 n. Chr.). Sie wird als Haji-Keramik bezeichnet und ähnelt der Yayoi-Keramik. Einzigartig waren die haniwa, unglasierte rötliche Steingut-Figuren, die um die Gräber angeordnet waren: Häuser, Boote, Tiere, Frauen, Jäger, Musikanten und Krieger. Die Figuren haben zwar nicht die beeindruckende Größe der königlichen Armee des Ch’in-Kaisers, bestechen jedoch durch ihre Lebendigkeit. Sué ist ein anderer Keramiktyp aus dieser Epoche: Hierbei handelt es sich um graues Steinzeug, das in einem in den Berghang gebauten Ofen gebrannt und mit natürlicher Aschenglasur (die sich beim Brennen bildet, wenn die Asche des Holzfeuers auf die Gefäße fällt) verziert wurde. Diese Glasurart stammt ursprünglich aus Korea und wurde das Merkmal späterer japanischer Keramik aus Tamba, Tokoname, Bizen und Shigaraki. Auf diese Weise wurden Töpfe, Flaschen, Teller und Tassen angefertigt.
In der Nara-Zeit (710-784) wird der starke Einfluss des chinesischen Tang-Stiles bei der japanischen Hochtemperatur-Keramik deutlich. Einige Glasuren waren einfarbig grün oder gelblich braun, andere waren zweifarbig grün und weiß, und einige wenige hatten auch eine dreifarbige Glasur auf rauem gräulichen Tonuntergrund. Die Muster in der Glasur bestanden aus Streifen und Punkten, allerdings nicht so verfeinert wie die Tang-Keramik. Die meisten Fundstücke sind im kaiserlichen Schatzhaus Shosoin in Nara erhalten. Zu Beginn der Heian-Zeit (794-894) wurden natürliche Ascheglasuren weiter fortentwickelt, auch Celadon-Keramik kam nun in Japan auf. Gegen Ende der Heian- oder Fujiwara-Zeit (894-1185) rissen die Beziehungen zu China ab und die Keramikqualität ging zurück. Sobald die Kontakte mit dem China der Sung-Zeit in der Kamakura-Periode (1185-1333) wieder hergestellt waren, blühte die Keramikindustrie wieder auf; diesmal war Seto bei Nagoya das Zentrum der Herstellung. Ki-seto oder gelbe Seto-Keramik, die heute noch hergestellt wird, war von der weit verbreiteten Celadon-Keramik aus der Song-Zeit beeinflusst. Die japanische Ausführung wurde jedoch in Oxidationsöfen gebrannt, die Glasuren erhielten dadurch gelbe und bernsteinfarbene Töne. In der Fujiwara-Zeit entstand auch das Tokoname, eine einfache Keramik für den täglichen Gebrauch.
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