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Keramik (Kunst)Enzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Arten und Verfahren; Stilgeschichte der Keramik (Töpferkunst); Präkolumbische Kulturen; Keramik in der westlichen Welt
Obwohl die Schoguns der Familie Ashikaga, die während der Muromachi-Zeit (1338-1573) regierten, die Keramikkunst nicht förderten, lieferte die Tradition der Teezeremonie, deren Anfänge in dieser Epoche liegen, einen Anreiz zur Herstellung von Gefäßen, die bei diesem Ritual bis heute verwendet werden. Jede Form hatte ihre bestimmte Funktion und Bezeichnung. Eine begehrte Art der Teegefäße aus Steinzeug war das temmoku mit einer dicken violettbraunen Glasur, das auch heute noch weit verbreitet ist. In den Brennöfen in Seto wurde so feine Keramik hergestellt, dass man auch Keramik aus anderen Brennereien Seto-Keramik nannte. Noch berühmter war die Raku-Keramik, die auch heute noch von der 14. Generation derselben Familie angefertigt wird. Die Raku-Teezeremoniegeräte (sowie andere Gefäße und Kacheln) werden handgeformt; die unregelmäßige Form folgt einer vorgeschriebenen asymmetrischen Formgebung. Die Glasur wird in mehreren dünnen Schichten aufgepinselt, und das Gefäß bei niedriger Temperatur gebrannt. Sobald die Glasur geschmolzen ist, wird das Gefäß mit Zangen aus dem Ofen genommen; es kühlt rasch ab, und durch den Temperaturschock reißt die Glasur. Keramiker aus aller Welt bewundern die Raku-Keramik wegen ihrer derben Form und ihrer sanften dunklen Bleiglasur, die manchmal in dicken Tropfen am Gefäß hinunterläuft. Sehr begehrt für die Teezeremonie war auch die Oribe-Keramik, die sich durch braune Eisenoxidmalerei auszeichnet, deren Motive von der Textilgestaltung übernommen wurden, und auf die eine unregelmäßige, verlaufende, transparente grüne Glasur aufgespritzt wird. Ein weiterer Typ der Momoyama-Zeit war die Karatsu-Keramik, die von der koreanischen Yi-Keramik beeinflusst war. Beim e-Karatsu („Bild”-Karatsu) wurden freihändig gezeichnete geometrische und florale Muster auf einen weißlichen Tonschlicker aufgemalt. Karatsu bezeichnet mehrere Stile mit unterschiedlichen Dekors. Bizen-Keramik hatte ihre Blütezeit in der Momoyama-Periode und wird auch heute noch hergestellt; es handelt sich hier um ein hartes Steinzeug, das im Prinzip ziegelrot ist, aber durch vermehrte oder verminderte Sauerstoffzufuhr während des Brennens unregelmäßige Farben annimmt. Es ist unglasiert, abgesehen von der Glasur, die sich durch herunterfallende Asche bildet oder die durch Anhäufung von Asche oder Stroh rund um die Gefäße im Ofen entsteht.
Zu Beginn der Edo-Periode wurden bei Arita im Norden der Insel Kyushu, das heute noch ein bedeutendes Zentrum der Keramikherstellung ist, Porzellanerdevorkommen entdeckt. Dank dieser Vorkommen konnten japanische Keramiker nun ihr eigenes reinweißes Hartporzellan herstellen. Gegen Ende der Edo-Periode (1800-1867) ging das Imari-Porzellan zurück. Das Kakiemon-(Persimone-)Porzellan aus Arita war ein wesentlich feineres Porzellan, auch wenn die Motive denen des Imari-Porzellans ähnelten. Nabeshima-Porzellan, das auch eine sehr gute Qualität aufwies und dessen Muster Seidentextilien nachempfunden waren, blieb den Mitgliedern dieser Familie und ihren Freunden vorbehalten; erst in der Meiji-Zeit (1868-1912) kam es in den Handel und wurde auch imitiert. Während der Edo-Periode war im Osten Japans Kutani das Zentrum der Porzellanherstellung. Kutani-Gefäße hatten eine gräuliche Farbe aufgrund von Unreinheiten im Ton, und ihre Muster traten deutlicher hervor als beim Arita- oder Imari-Porzellan. Kyoto, das ein Zentrum der Emailkeramik gewesen war, wurde im 19. Jahrhundert für sein Porzellan berühmt. Während der Edo-Periode waren in Japan etwa 10 000 Brennöfen in Betrieb (siehe Porzellan). Mit der Meiji-Keramik kamen neue Einflüsse aus Europa auf, aber eigene Volkstraditionen fanden in Japan weiterhin viel Beachtung. Auch im 20. Jahrhundert arbeiten Keramiker weiterhin in den traditionellen Zentren, im selben Stil wie ihre Vorfahren, mit denselben Tonen, die sie an Ort und Stelle vorfinden. Japans berühmtester Keramiker des 20. Jahrhunderts war Hamada Shoji, der nicht nur für seine Keramik, sondern auch als einflussreiche Persönlichkeit für die Wiederbelebung des Kunsthandwerkes berühmt war. Hamada verwendete hauptsächlich Eisen- und Ascheglasuren auf Steinzeug und erzielte so olivgrüne, graue, braune und schwarze Glasurtöne. Er signierte seine Gefäße nicht (wohl aber die Holzformen).
Die altamerikanische Keramik, die nicht nur als Gebrauchsgegenstand diente, sondern auch für Rituale und Beisetzungen bestimmt war, hat ein hohes kunsthandwerkliches Niveau erreicht. Die Gefäße wurden in der Aufbautechnik im Spiralgang angefertigt, handgeformt oder gegossen; die Töpferscheibe war nicht bekannt. Zur Dekoration wurde der Tonschlicker mit pflanzlichen und mineralischen Pigmenten bemalt.
In Ausgrabungsstätten in Ecuador hat man Keramik aus der Zeit um 3200 v. Chr. gefunden, die bedeutendsten Keramikstile stammen jedoch aus Peru. Dort folgte dem Chavín-Stil (Blütezeit 800-400 v. Chr.; siehe Chavín de Huantar) mit seinen Jaguarmotiven in der klassischen Periode (1. Jahrtausend n. Chr.) einer der schönsten präkolumbischen Keramikstile: die Keramik der Moche-Kultur an der nordperuanischen Pazifikküste. Hierbei handelt es sich einmal um gegossene erdfarbene Gefäße, die mit lebendig geschilderten Darstellungen in Rot bemalt sind, und um Gefäße, die mit sehr feinem Porträtrelief modelliert wurden. Beide Formen hatten den für peruanische Keramik typischen Bügelausguss, einen hohlen, über dem Gefäß angebrachten Handgriff mit einem senkrechten Ausguss in der Mitte. Im Süden wurden in der Nazca-Kultur mehrfarbige Gefäße mit Doppelausguss und komplexen, stilisierten Tiermotiven hergestellt.
Die frühesten mexikanischen Keramik-Gebrauchsgegenstände stammen aus der frühen Periode zwischen 1500 und 1000 v. Chr. aus dem Tiefland von Mexiko. In Teotihuacán im Hochland wurden mehrfarbige, dreifüßige Gefäße mit Hilfe von Gießformen hergestellt. In der postklassischen Zeit besetzten die Tolteken das Hochland und stellten typische Keramik her, die rot auf cremefarben oder orange auf rotbraun bemalt war. In der Folgezeit übernahmen die Azteken zunächst abstrakte Dekorationen aus früheren Epochen und fertigten anschließend rote und orange Schalen an, die mit Vögeln und anderen lebendigen Formen dekoriert waren. Zapoteken und die Mixteken stellten Tier-, Menschen- und Götterfiguren in hochpolierter Keramik her, die die spätere mexikanische Keramik beeinflusst hat. Die Maya-Keramik erreichte eine Vielfalt und Qualität, die in der mittelamerikanischen Keramik einzigartig war. In der klassischen Periode fertigten die Maya u. a. zierliche Figuren und mehrfarbige zylindrische Gefäße mit Szenen und Reliefdarstellungen an, die denen der Maya-Manuskripte ähneln, sowie Keramik mit aus Modeln geformten Täfelchen und gepressten und modellierten Darstellungen des täglichen Lebens.
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