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Keramik (Kunst)Enzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Arten und Verfahren; Stilgeschichte der Keramik (Töpferkunst); Präkolumbische Kulturen; Keramik in der westlichen Welt
Im Mississippi-Tal fertigten die Kulturen des 1. Jahrtausends v. Chr. bemalte, modellierte und eingekerbte Keramik. Im Südwesten Nordamerikas entstand bei den Vorfahren der Puebloindianer feine Keramik, vor allem die rot auf erdfarbenem Grund bemalte Keramik (um 600 bis 900 n. Chr.) der Hohokam und die mehrfarbige Keramik der Anasazi (ab 1300), die beide mit Menschen- und Tierfiguren verziert waren; sowie die prächtige und sehr typische Mimbres-Keramik (1000-1200) der Mogollon-Kultur mit schwarzen geometrischen Mustern, Vögeln, Fledermäusen, Fröschen und Zeremoniedarstellungen auf weißem Untergrund.
Die Geschichte der westlichen Keramik umfasst die Keramik des Nahen und Mittleren Ostens, des Mittelmeerraumes im Altertum, der islamischen Welt im Mittelalter und die Keramik Europas vom Mittelalter bis heute.
Die nach dem heutigen Stand früheste Keramik aus dem Nahen Osten wurde in Çatal Hüyük in Anatolien gefunden und stammt aus der Zeit um 6500 v. Chr. An dieser Ausgrabungsstätte (in der Nähe des heutigen Çumra in der Türkei) fand man außer Terrakotta-Kultstatuen und bemalten Tonstatuetten auch Keramik, die gemalte Dekorationen in rotem Ocker auf weichem Tonschlicker aufwies. Andere Fundstücke waren einfarbig: rotbraun, hellgrau, beige oder ziegelrot. Diese Keramik wurde in der Spiralgang-Aufbautechnik geformt, dann glattgeklopft und poliert; einige Gefäße haben auch Schnittdekors aus einfachen waagerechten Linien. Sie wurden entweder in einem Brotofen oder in einem geschlossenen Brennofen gebrannt, der eine separate Brennkammer aufwies.
Die frühesten Funde bemalter Keramik aus dem Norden Mesopotamiens stammen aus der Zeit kurz vor dem 5. Jahrtausend v. Chr. In Samarra wurden stilisierte Menschen- und Tierfiguren mit Farben bemalt, die von Rot bis Braun und Schwarz reichten und auf einen erdfarbenen Untergrund aufgetragen wurden. Später wurde in Tell Halaf mehrfarbige, noch hochwertigere Keramik hergestellt, da die Töpfer die Regulierung ihrer Brennöfen besser beherrschten. Etwa zur gleichen Zeit malten persische Töpfer geometrische Muster auf Gefäße, die mit einem hellen Tonschlicker überzogen waren. Im 4. Jahrtausend v. Chr. verwendete man bereits die Töpferscheibe. Von Norden wanderten Völkergruppen nach Persien ein und brachten rote und graue einfarbige Keramik mit. Zur Blütezeit der Obeid-Periode (4. Jahrtausend v. Chr.) gab es in der Gegend um Susa eine Keramikindustrie, die zahlreiche Trinkgefäße und Schalen aus verfeinertem Ton herstellte. Sie waren mit einem grünlich gelben Tonschlicker überzogen und in einem freien Stil mit geometrischen Formen, Pflanzen, Vögeln, anderen Tieren und stabförmigen Personen bemalt. Glasierte Keramik wurde etwa ab 1500 v. Chr. hergestellt. Die schönsten mesopotamischen Keramiken waren keine Gebrauchsgegenstände, sondern glasierte Ziegel, die für Fassadenverkleidungen verwendet wurden. Diese Tradition existierte seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. in Uruk (heute Irak), wo man Säulen und Nischen mit einem geometrischen Mosaik aus farbigen, nagelähnlichen Keramikkegeln überzog. In Babylonien verzierte man während der Kassiten-Herrschaft (Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr.) Tempel und Paläste mit unglasierter Terrakotta-Keramik. In Khorsabad, der Hauptstadt des assyrischen Herrschers Sargon II. (Regierungszeit 722-705 v. Chr.), befindet sich ein Tempeleingang, der mit geformten glasierten Ziegeln verziert ist, die Tierprozessionen darstellen. Diese Technik erreichte ihren Höhepunkt in Babylon im 6. Jahrhundert v. Chr. Dort wurde der berühmte Prozessionsweg mit glasierten Ziegeln eingefasst, die mit Schnitzereien und Gussformen von über 700 Rindern, Drachen und Löwen verziert waren. Anschließend wurden sie farbig glasiert. Siehe mesopotamische Kunst und Architektur; iranische Kunst und Architektur
Im 5. Jahrtausend v. Chr. fertigten ägyptische Töpfer dünnwandige, dunkle, hochpolierte Keramik mit feiner Kordeldekoration an. Die bemalte Keramik aus dem 4. Jahrtausend mit geometrischen Figuren und Tierfiguren auf rotem, braunem und erdfarbenem Untergrund hatte ein weniger hohes Niveau. Zur Zeit der Dynastien war Ägypten für seine glasierten Keramiken berühmt. Sie wurden um 2000 v. Chr. zum ersten Mal hergestellt und zeigen eine dunkelgrüne oder dunkelblaue Glasur auf einem Ton, der viel pulveriges Quarz enthält. Ägyptische Kunsthandwerker fertigten Perlen und Schmuck, Schalen, Skarabäen und Ushabtis (kleine Dienerfiguren, die mit den Toten begraben wurden) aus glasierter Keramik an.
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