![]() |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse Seite 6 von 7
KeramikEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Arten und Verfahren; Stilgeschichte der Keramik (Töpferkunst); Präkolumbische Kulturen; Keramik in der westlichen Welt
Die Keramik von den Mittelmeerinseln und den Inseln in der Ägäis aus der späten Bronzezeit (1500-1050 v. Chr.) und der frühen Eisenzeit (1050-750 v. Chr.) und die Keramik von Kreta und Zypern zeugt von einer großen Vorstellungskraft der Künstler, die zweifarbige Keramik mit geometrischen, abstrakten und figürlichen Motiven bemalten. Bedeutend ist die Typenvielfalt der griechischen Keramik, die sich zum Teil bis in die Gegenwart erhalten hat.
Das Formen und Bemalen von Keramik war im antiken Griechenland ein bedeutendes Kunsthandwerk. Der Ton, der vor Ort vorhanden war, ließ sich ohne Schwierigkeiten auf der Töpferscheibe formen, und jede Gefäßform hatte in der griechischen Gesellschaft und bei den Zeremonien einen ganz bestimmten Namen und eine ganz bestimmte Funktion: unter einer amphora verstand man ein hohes Gefäß mit zwei Henkeln, in dem Wein-, Getreide-, Öl- oder Honigvorräte aufbewahrt wurden; die hydria war ein Wasserkrug mit drei Henkeln; der lecythus war eine Ölflasche mit einem langen, schmalen Hals für Opfergaben bei Bestattungen; unter einem kylix verstand man eine zweihenklige Trinkschale auf einem Fuß; die oinochoe war ein Weinkrug mit einem verengten Ausguss und der krater eine große Schale zum Mischen von Wein und Wasser. Nicht verzierte schwarze Keramik wurde in der gesamten griechischen und hellenistischen Epoche benutzt; die Formen ähnelten entweder der dekorierten Keramik oder den Gefäßen aus Metall. Beide Stile haben die römische Keramik beeinflusst. Auch in der Bronzezeit nutzten die Griechen die Möglichkeiten des Oxidations- und des Reduktionsofens aus und stellten Keramik mit glänzendem schwarzen Tonschlicker auf cremefarbenem, bräunlichem oder orangefarbenem Untergrund her; der Farbton hing von dem verwendeten Ton ab. Zu Beginn wurde die Keramik mit abstrakten Mustern verziert. In der mittleren Bronzezeit (2000-1500 v. Chr.) tauchten dann figürliche Darstellungen auf. In der späten Bronzezeit finden sich auf Gefäßen aus Mykene Darstellungen von Pflanzen, Lebewesen aus dem Meer und Fabelwesen; diese Töpfer hatten zu Beginn kretischen Einfluss erfahren. Um 1000 v. Chr. ersetzte der geometrische Stil den mykenischen Stil, erfuhr aber im 6. Jahrhundert v. Chr. seinen Niedergang. Auf der Dipylon-Begräbnisstätte in Athen hat man hohe Krater im geometrischen Stil gefunden, die Ornamentbänder, Krieger und Prozessionsfiguren aufweisen, die in waagerechten Reihen angeordnet sind; sie stammen aus der Zeit um 750 v. Chr. Attische Töpfer führten im frühen 6. Jahrhundert den schwarzfigurigen Stil ein. Aufgemalte schwarze Formen verzierten den polierten roten Tongrund, wobei Detailverzierungen mit dem Messer durch das Schwarz hindurch angebracht wurden. Weiß und Violett wurden zur Darstellung der Gewänder und für Hauttöne verwendet. Es fanden sich weiterhin Darstellungen von Prozessionen und Wagen, ebenso Tiere und androgyne Figuren, die manchmal von geometrischen oder pflanzlichen Motiven umrahmt wurden. Ab dem 6. Jahrhundert wurden bei der Dekoration die Menschen wesentlich mehr hervorgehoben als die Tiere. Oft wiederkehrende Motive waren Menschen und Götter bei der Arbeit, Schlachten und Tafelrunden, Musikanten, Hochzeiten und andere Zeremonien, sowie Frauen beim Spiel oder beim Ankleiden. Manchmal wurden auch die Namen von Ereignissen oder von heldenhaften Persönlichkeiten genannt. Szenen aus der Mythologie und aus der Literatur kamen immer häufiger vor. Man hat Namen und Stile von bestimmten Töpfern und Malern zuordnen können, auch wenn sie ihre Werke nicht signierten. Der rotfigurige Stil kam zum ersten Mal um etwa 530 v. Chr. auf; besonders weit verbreitet war er zwischen 510 und 430. Der Hintergrund wurde schwarz bemalt, wobei die Figuren auf dem rotbraunen Tongrund ausgespart wurden; Details auf den Figuren wurden in Schwarz aufgemalt, was dem Zeichner eine größere Freiheit ließ. Die Farbe wurde auch verdünnt, um Tonabstufungen zu erzielen. Abmischungen von Rot und Weiß kamen selten vor, manchmal wurde für Detaildarstellungen von Metall und Schmuck Gold aufgetragen. Anatomische Einzelheiten wurden realistischer wiedergegeben und ab 480 war dies auch bei Gestik und Ausdruck der Fall. Athen und Korinth waren die Zentren der rotfigurigen Keramik, der Stil breitete sich aber auf die griechischen Inseln aus. Im 4. Jahrhundert v. Chr. ging die Qualität jedoch zurück. Ein neuer griechischer Stil war das Zeichnen auf weißem Grund, Farben wurden dann wie bei der Monumentalmalerei hinzugefügt. Diese Gefäße waren jedoch für den häuslichen Gebrauch ungeeignet. Siehe griechische Kunst und Architektur
Bei den Römern war hochpoliertes rotes Steingut üblich. Der rote Hochglanzstil entstand im östlichen Mittelmeerraum in der späten hellenistischen Periode. Hierbei wurde das Gefäß in eine Lösung aus feinen, stark kieselsäurehaltigen Partikeln getaucht (die beim Polieren eine glänzendere Oberfläche ergab) und im Oxidationsverfahren gebrannt. Die Gefäße wurden in Tonformen geformt, in deren Ränder man mit einer Rolle sich wiederholende Muster eindrückte, oder in die andere Muster und Figuren eingestempelt waren. Deshalb bestand die Verzierung auf der Keramik dann aus Mustern, die sich aus der Oberfläche erhoben. Weitere Details wurden auch von Hand in die Form geschnitzt. Daher wird dieser Stil terra sigillata („gestempelte Erde”) genannt. Zahlreiche Muster und Formen waren von Metallarbeiten und der Glasschneidekunst beeinflusst. Arretium (heute Arezzo) war das Zentrum für rotglänzende Keramik mit Reliefdekor. In verschiedenen Gegenden des römischen Reiches wurde Arezzo-Keramik hergestellt, aber je weiter sich die Werkstatt von der Hauptstadt entfernte, desto geringer wurde die Qualität. Die schwarzglänzende Keramik der Griechen verbreitete sich ebenfalls im Römischen Reich. Auf manchen Stücken wurde der feuchte Ton eingedrückt, so dass ein punktartiges Muster entstand; andere Funde waren mit weißem Tonschlicker oder mit Pigmenten verziert. Die römischen Töpfer fertigten auch Bleiglasuren an, durch Zugabe von Metalloxiden konnten sie nun farbige Glasuren erzielen. Bleiglasiertes Steingut war dann auch die meistvertretene Keramikart im mittelalterlichen Europa.
Die ersten islamischen Töpfer der Omaijaden-Dynastie (661-750 n. Chr.) übernahmen die traditionellen Stile des Nahen und Mittleren Ostens: die blau- und grünglasierte Quarzkeramik, die in Ägypten schon seit der Römerzeit bekannt war; die alkalisch glasierte Keramik aus Syrien, Mesopotamien und dem Iran, die seit den Achämeniden (6. bis 4. Jahrhundert v. Chr.) bekannt war; und die römische, bleiglasierte Keramik, die von byzantinischen Töpfern fortgeführt wurde. Dazu führten drei aufeinander folgende Wellen chinesischen Einflusses zu Veränderungen in der islamischen Keramik: im 9. bis 11. Jahrhundert das Tang-Steinzeug, im 12. bis 14. Jahrhundert die weiße Sung-Keramik und im 15. bis 19. Jahrhundert die blauweiße Ming-Keramik.
Im 9. Jahrhundert hielten die Kalifen der Abbasiden-Dynastie ihre Kunsthandwerker dazu an, die importierte Tang-Keramik mit Hilfe von Ton und Glasuren aus dem eigenen Land nachzuahmen. Die arabischen Töpfer entwickelten bald ihren eigenen Stil: Zunächst wurde unglasierte Keramik mit geformten, gestanzten und aufgesetzten Reliefdekorationen hergestellt, dann mit Unterglasur-Sgraffito-Mustern und weißen bleiglasierten Schalen mit aufgemalten Blumen und schließlich die Lüstermalerei. Beim Lüsterstil handelt es sich um Steingut mit einer fast durchsichtigen weißen Bleiglasur, die zunächst vorgebrannt wird, dann mit metallenen Pigmenten bemalt und erneut im Reduktionsofen gebrannt wird. Die so erzielten Muster ergeben metallische rote, bronzene, kalkfarbige und gelbe Farbtöne. Als die Töpfer im 10. Jahrhundert vom Irak in die westliche islamische Welt zogen, nahmen sie die Lüstertechnik mit. Genau wie bei der Bleiglasur gelangte sie über das maurische Spanien nach Europa. Auch in Ägypten unter der Fatimiden-Dynastie (969-1171) und im Iran trifft man diese Technik an.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |