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KeramikEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Arten und Verfahren; Stilgeschichte der Keramik (Töpferkunst); Präkolumbische Kulturen; Keramik in der westlichen Welt
Während der Seldschuken-Dynastie, die Iran, Irak, Kleinasien und Syrien im 12. und 13. Jahrhundert regierte, wurde ein Ersatz für das Porzellan gefunden; die iranischen Städte Rayy und Kāshān wurden die Zentren der Herstellung weißer Keramik. Eine weitere schöne Seldschuken-Keramik war das Mina’i, eine Email-Aufglasur-Keramik, deren Feinheit der Buchmalerei gleichkam. Die Töpfer aus Kāshān verwendeten nach den Eroberungszügen durch die Mongolen im 13. Jahrhundert grüne Glasuren, die vom chinesischen Celadon beeinflusst waren. Im 9. Jahrhundert kamen im Iran kobaltblaue Glasuren auf. Vom 14. bis 18. Jahrhundert verwendete man sie erneut, da blauweiße Keramik bei chinesischen und europäischen Auftraggebern sehr beliebt war. Iznik war das Zentrum der türkischen Keramik. Bereits vor der Eroberung der Region durch die ottomanischen Türken stellte man dort mit Tonschlicker bemalte Keramik her, die von Persien und Afghanistan beeinflusst war. Später, zwischen 1490 und 1700, hatte die Iznik-Keramik ein Dekor, das unter eine dünne transparente Glasur auf einen lockeren weißen Untergrund aufgetragen wurde; die ersten Muster waren kobaltblau, dann türkis und violett und schließlich rot. Unter der Safawiden-Dynastie entstand zeitgleich mit der Iznik-Keramik die Kubachi-Keramik, wahrscheinlich aber im Nordwesten Irans und nicht in der Stadt Kubachi, in der sie gefunden wurde. Charakteristische Kubachi-Keramik waren große mehrfarbige Teller mit Bemalung unter der Craquelé-Glasur. Bei der Gombroon-Keramik, die im 16. und 17. Jahrhundert vom Persischen Golf nach Europa und nach dem Fernen Osten exportiert wurde, schnitt man Ornamente in den durchscheinenden weißen Steingut-Untergrund. Im Allgemeinen wurde islamische Keramik in Modellierformen angefertigt. Die Gestaltung ging entweder auf chinesische Vorbilder oder auf Formen der Metallarbeit zurück. Der kreativste Stil, abgesehen von der Lüsterkeramik, war die Herstellung von Kacheln zum Ausschmücken der Moscheen.
Bei den Majolika-Tonwaren wurde die Bemalung auf der weißen Glasur weiterentwickelt, die verwendeten Farben waren Gelb, Orange, Grün, Türkis, Blau, Violettbraun und Schwarz. Oft kamen noch eine transparente Aufglasur und eingeschnittene und modellierte Reliefdekorationen hinzu. Diese Tonwaren wurden im 15. und 16. Jahrhundert in vielen Städten Italiens hergestellt und hatten wenig Ähnlichkeit mit der spanischen Keramik, von der ihr Name herstammen soll (Majolika: aus Mallorca herkommend). Ab 1600 wurden die französische Ausführung dieser zinnglasierten Keramik und die französische und belgische Keramik des 16. und 17. Jahrhunderts, die von der Majolika beeinflusst war, als faience bezeichnet. In Deutschland hatte sie ihre Blütezeit bis zum 18. Jahrhundert und wurde Fayence genannt. Nachdem das Zentrum der Herstellung in der Mitte des 17. Jahrhunderts von Antwerpen nach Delft verlegt wurde, kam die Bezeichnung Delfter Fayencen auf. Englische „Delfter Fayencen” wurden in London, Liverpool, Bristol und Dublin hergestellt, bis sie um 1770 allmählich durch bleiglasiertes Steingut ersetzt wurden. Keramik mit Zinnglasur blieb in Europa bis zum frühen 19. Jahrhundert weit verbreitet. Nach dem Biskuitbrand wurde das Gefäß in eine basische Bleiglasur getaucht, der Zinnoxid (das die Glasur undurchlässig und weiß macht) zugesetzt wurde. So entstand ein dichtes Weiß, das die Farbe des Tongrundes vollkommen überdeckte und eine Oberfläche lieferte, auf die jede Glasurfarbe aufgetragen werden konnte, die mäßige bis hohe Steingut-Temperaturen aushielt. Silber und Gold wurden für spanische Lüstermalerei verwendet; sie wurden auf die gebrannte Glasur aufgetragen und in einem Niedrigtemperatur-Reduktionsofen erneut gebrannt. Im 18. Jahrhundert wurde die vorgebrannte Zinnglasur mit Aufglasurschmelz bemalt, und anschließend wurde die Keramik in einem Muffelofen fertig gebrannt. Die Versuche, chinesisches Ming-Porzellan zu imitieren, das seit der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts nach Europa ausgeführt wurde, führten zur Blütezeit der Delfter Fayencen (1630-1700). Die Keramik wurde dünnwandiger, die Bemalung feiner. Umrisse in Manganviolett wurden vor dem Biskuitbrand auf den Tongrund aufgezeichnet; danach wurden das Unterglasurblau und die abschließende Blei- und Zinnglasur aufgetragen. Auf diese Weise entstanden Kacheln, Teller, Krüge und Vasen; die verschiedenen Delfter Porzellanmarken wurden sogar von chinesischen Kunsthandwerkern nachgeahmt.
Das europäische Steinzeug wurde in Deutschland Ende des 14. Jahrhunderts entwickelt. Es hatte eine Salzglasur: Salz wurde in den Ofen gegeben, und das Soda des Salzes bildete eine glasige Schicht auf der Gefäßoberfläche. Die Hafnerkeramik, Tonwaren mit Bleiglasur, war im 16. und 17. Jahrhundert weit verbreitet; viele dieser Gefäße ahmten Metallkrüge und -kannen nach. Das traditionelle englische Steingut wurde mit Tonschlicker und Bleiglasuren verziert, wie die bäuerliche Keramik aus Mitteleuropa, die Auswanderer mit nach Amerika nahmen. Englisches Steinzeug wurde erst nach dem späten 17. Jahrhundert in großen Stückzahlen hergestellt. Das beste weiße Staffordshire-Steinzeug mit Salzglasur entstand zwischen 1720 und 1760. Staffordshire war ebenfalls das Zentrum für das beliebte bleiglasierte Steingut, das aus einer Mischung von weißem Ton aus Devonshire hergestellt wurde. 1754 begann der englische Keramiker Josiah Wedgwood, Versuche mit farbigem Steingut anzustellen. Er gründete seine eigene Fabrik, arbeitete aber häufig mit anderen Keramikern zusammen, die den Transferdruck anwendeten (um 1750 von der Worcester Porcelain Company eingeführt). Er stellte auch andere Keramiktypen her: rotes Steinzeug; Basaltware, ein unglasiertes schwarzes Steinzeug; sowie Jasperware aus weißem Steingut-Ton, der durch Zugabe von Metalloxiden gefärbt war. Jasperware wurde meistens mit weißen Reliefporträts oder mit griechischen Szenen aus der Klassik dekoriert. Der wichtigste Beitrag von Wedgwood zur europäischen Keramik war jedoch seine feine Perlware, ein äußerst blasses Steingut, dessen Glasur einen leicht bläulichen Schimmer hatte.
Im 19. Jahrhundert waren Transferdruck-Keramik aus Serienfertigung und reliefverzierte Keramik in England und auf dem europäischen Festland weit verbreitet. Diese Stile dehnten sich auch in die Vereinigten Staaten aus, ebenso wie die manganbraunen Rockingham-Glasuren, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts in England entstanden. Diese Glasuren waren in den Töpfereien von New Jersey und Ohio sehr beliebt. Keramik aus Serienfertigung ersetzte allmählich die bis dahin vorherrschende amerikanische volkstümliche Töpferei, das robuste Steinzeug mit Salzglasur. Obwohl ab circa 1860 auch die industriell hergestellte Keramik eine gute Qualität aufwies, kam es gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einer Rückbesinnung auf handwerkliche Qualitäten, woran die englische Arts-and-Crafts-Bewegung maßgeblichen Anteil hatte. Sie beeinflusste Werkstätten in ganz Europa, die Jugendstilkeramik herstellten. In Frankreich war Edmond Lachenal bedeutend, der auch Keramik im japanischen Stil schuf. Keramiker, die mit Schulen wie dem Bauhaus, an dem auch Keramik gelehrt wurde, verbunden waren, wirken bis heute gestalterisch auf die Herstellung von Industriekeramik. Bedeutend für die sachliche handwerkliche zeitgenössische Keramik, die ihre Ursprünge in den zwanziger Jahren hat, sind das Geschirr und die Vasen von Hedwig Bollmann in Dessau. Dabei war die Ausbildung von Keramikern an der heute noch existierenden Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein bei Halle bedeutend. Dort wurde auch Wilfriede Maass ausgebildet, die seit den siebziger Jahren eine bedeutende Keramikwerkstatt in Ostberlin führt, die berühmt geworden ist für die Vasen und Schalen, die von zeitgenössischen Künstlern bemalt werden. Eine süddeutsche Keramikerfamilie, die besonders durch ihrer Glasuren aus Metalloxiden bekannt geworden ist, ist die Werkstatt Hohlt bei Wasserburg, die heute von Görge Hohlt geleitet wird.
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