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Artikelgliederung
Einleitung; Entwicklung des Bereichs; Theorien der pädagogischen Psychologie; Anwendungsgebiete; Aktuelle Entwicklungen
Pädagogische Psychologie, Anwendung wissenschaftlicher Methoden, um das Verhalten von Menschen in Lehr- und Lernsituationen zu untersuchen. Obwohl in diesem Zusammenhang besonders das Verhalten von Lehrern und Schülern bzw. Studenten interessiert, untersuchen pädagogische Psychologen auch andere Gruppen, wie Lehrassistenten, Kleinkinder, Arbeitnehmer und alte Menschen. Die Bereiche, die von der pädagogischen Psychologie abgedeckt werden, überschneiden sich dabei zwangsläufig mit anderen psychologischen Forschungsbereichen, z. B. der Entwicklungspsychologie von Kindern und Jugendlichen, der Sozialpsychologie, psychologischen Tests und der Erziehungsberatung.
Früher ging man bei der Erforschung von Lernprozessen und anderen geistigen Vorgängen weniger wissenschaftlich als vielmehr philosophisch vor, bis schließlich 1879 der deutsche Psychologe Wilhelm Wundt in Leipzig ein Labor für wissenschaftliche psychologische Studien gründete. Ein anderer deutscher Psychologe jener Zeit, Hermann Ebbinghaus, entwickelte Methoden zur experimentellen Untersuchung von Erinnern und Vergessen (siehe Gedächtnis). Vor Ebbinghaus waren diese komplizierteren geistigen Prozesse noch nie wissenschaftlich untersucht worden, und man erkannte sofort, wie bedeutend seine Arbeit für die Unterrichtspraxis war. Zur selben Zeit richtete der amerikanische Philosoph und Psychologe William James an der Harvard University ein Labor für experimentelle Psychologie ein. James, der von Charles Darwin beeinflusst war, wollte herausfinden, wie sich Verhalten an verschiedene Umgebungen anpasst. Dieser funktionalistische Ansatz der Verhaltensforschung brachte James schließlich dazu, seine Untersuchungen in praktische Bereiche zu verlagern, z. B. in die Pädagogik. 1899 veröffentlichte er seine Abhandlung Talks to Teachers, in der er das Verhältnis von Psychologie und Pädagogik erörterte. Edward Lee Thorndike, ein Schüler James’, gilt allgemein als der erste pädagogische Psychologe. Sein Buch Educational Psychology (1903) enthielt laut Thorndike nur wissenschaftliches und nachvollziehbares Forschungsmaterial. Zwischen 1913 und 1914 veröffentlichte er drei Bände, die Berichte praktisch all jener wissenschaftlicher psychologischer Untersuchungen enthielten, die für die Pädagogik von Bedeutung waren. Thorndike leistete einen wichtigen Beitrag zu den Themen Intelligenz- und Eignungstests, Mathematik- und Leseunterricht. Er erforschte auch die Art und Weise, in der sich Lernvorgänge an veränderte Lernsituationen anpassen. Daneben entwickelte er eine wichtige Lerntheorie, die beschreibt, wie Reize und Reaktionen miteinander verbunden sind. Ihre Blüte erlebte die pädagogische Psychologie während der progressiven Entwicklungsphase der Erziehung zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Die Wirtschaftskrise in den dreißiger Jahren veranlasste die Psychologen jedoch, ihre Möglichkeiten, das Erziehungswesen zu verbessern, nüchterner einzuschätzen. Von Beginn bis Mitte der vierziger Jahre betrieben nur wenige Leute empirische Studien. Vier Ereignisse veränderten abermals das Wesen der pädagogischen Psychologie: der 2. Weltkrieg, der Babyboom nach dem Ende des Krieges, die Bewegung zur Reformierung der Lehrpläne und die wachsende Berücksichtigung benachteiligter Kinder. Während des 2. Weltkrieges wurden Psychologen von den amerikanischen Streitkräften rekrutiert, um praktische pädagogische Probleme zu lösen. Sie lernten z. B. vorauszusagen, wer ein guter Pilot oder ein guter Funktechniker werden würde. Sie lernten auch, Fähigkeiten wie Schießen aus einem Flugzeug oder schnelles Kochen zu vermitteln. Nach dem Ende des Krieges wandten sich viele dieser Psychologen der Durchführung von Tests und der Ausbildung von Pädagogen zu. Gleichzeitig brauchte man, als sich die Schulen mit den Kindern des Babybooms zu füllen begannen, pädagogische Psychologen, die Lehrmaterial, Lernprogramme und Tests entwarfen und bewerteten. Gegen Ende der fünfziger Jahre, als sich die USA in einem technologischen Wettrennen mit der damaligen Sowjetunion befanden, verstärkten sich die Bemühungen, den Lehrplan an amerikanischen Schulen zu modernisieren. Zusammen mit führenden Naturwissenschaftlern und Mathematikern arbeiteten pädagogische Psychologen an der Entwicklung neuer Lehrpläne und neuer Programme für die Ausbildung von Lehrern. Später wurden Staatsgelder in Millionenhöhe darauf verwendet, die akademischen Leistungen benachteiligter Schüler zu verbessern. Pädagogische Psychologen beschäftigten sich intensiv mit der Zusammenstellung und der Bewertung von Programmen, mit denen dieses Ziel erreicht werden sollte.
Aufgrund der Verschiedenheit menschlicher Charaktere und der großen Vielfalt der Lehreinrichtungen und Studiengebiete gibt es keine allgemeine Theorie, die sich auf die gesamte pädagogische Psychologie anwenden ließe. Statt dessen arbeiten pädagogische Psychologen an der Entwicklung von Theorien über bestimmte Phänomene, die beim Lernen, bei der Lernmotivation, bei der Entwicklung, beim Lehren und im Unterricht auftreten können.
Verschiedene Lerntheorien helfen pädagogischen Psychologen, menschliches Verhalten besser zu verstehen, vorauszusagen und zu kontrollieren. Die pädagogische Psychologie hat beispielsweise mathematische Lernmodelle ausgearbeitet, die die Wahrscheinlichkeit berechnen, mit der eine Person richtig reagiert. Anhand dieser mathematischen Theorien werden Computerprogramme für den Lese-, Mathematik- und den Fremdsprachenunterricht erstellt. Um die emotionale Aversion eines Kindes gegenüber der Schule zu verstehen, kann die reaktive (oder klassische) Theorie der Konditionierung des russischen Physiologen Iwan Pawlow herangezogen werden. Pawlows Theorie beschreibt, wie gleichzeitig auftretende Reize eventuell ähnliche Reaktionen hervorrufen. Die Hintergründe des Verhaltens eines Kindes, das ständig den Unterricht stört, können möglicherweise anhand der Konditionierungstheorie Thorndikes und des amerikanischen Psychologen B. F. Skinner geklärt werden. Diese Theorie beschreibt, wie Belohnungen Verhaltensweisen formen und festigen können. Gewalt in der Schule und Vandalismus können teilweise durch die Theorie des sozialen Lernens des kanadisch-amerikanischen Psychologen Albert Bandura nachvollzogen werden, in der Bedingungen beschrieben werden, unter denen Menschen lernen, Vorbilder zu imitieren. Anhand der Theorie über die Verarbeitung von Informationen versucht man zu verstehen, wie Menschen Probleme durch Analogien lösen.
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