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    Volksbuch ist eine von Joseph Görres und Johann Gottfried von Herder Ende des 18. Jahrhunderts eingeführte Bezeichnung für volkstümliche Schriften, in der Regel in Prosa ...

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Volksbuch

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Faustbuch des Johann SpiesFaustbuch des Johann Spies

Volksbuch, von J. G. von Herder und J. Görres (Die teutschen Volksbücher, 1807) eingeführte Bezeichnung volkstümlicher Schriften meist erbaulichen und lehrhaften Charakters, in der Regel in Prosa, mitunter aber auch gereimt oder dramatisiert. Volksbücher waren in England und Frankreich seit dem 15. Jahrhundert verbreitet, später auch in Deutschland, zunächst als Übersetzungen aus dem Englischen und Französischen. Das Spektrum der Stoffe und Textgattungen war weit gespannt: Balladen und Gedichte, Märchen und Heiligenlegenden, Heldensagen, Fabeln, Novellen, Geister- und Hexengeschichten usw. Nach dem Prinzip des delectare ed prodesse verbanden die Volksbücher das Lehrreiche mit dem Unterhaltsamen und waren häufig mit Holzschnitten illustriert. Die von Romantikern wie Görres vertretene Auffassung, in den Volksbüchern manifestiere sich ein kreativer, anonymer Volksgeist, ähnlich wie in den Volksliedern (Sammlung Des Knaben Wunderhorn von Achim von Arnim und Clemens Brentano, 1805), ist angesichts der Fülle prominenter Verfasser (z. B. Jörg Wickram) nicht haltbar. Außerdem bestand das Lesepublikum, zumindest anfänglich, aus Vertretern der gebildeten Oberschicht. Erst später wurden die Volksbücher in kleinen Buchläden oder von Händlern und Hausierern verkauft. Mit wachsender Volkstümlichkeit dieser Lektüren änderten sich auch die Präferenzen der Konsumenten: Das unterhaltende, oft sensationelle Element rückte gegenüber dem moralisierenden Charakter in den Vordergrund. So erfreuten sich Schwanksammlungen vom Typ des Eulenspiegel (1511/12) enormer Popularität, auch Legenden wie die Historia von D. Johann Fausten (1587) oder der eher märchenhafte Fortunatus (1509). Angesichts des heterogenen Erscheinungsbildes kann man nicht von einer eigenständigen literarischen Gattung des Volksbuches sprechen, doch verweisen die eher romanhaften Exemplare wie der Faust (der allerdings auch auf andere Vorbilder wie den Schelmenroman zurückgeht) bereits auf die Kolportageliteratur des Barock mit ihren Ritter-, Abenteuer- und Schauerromanen. Von der Beliebtheit der Gattung noch im 18. Jahrhundert zeugt Goethes Bemerkung im ersten Buch seiner Autobiographie „Dichtung und Wahrheit”: „Der Verlag oder vielmehr die Fabrik jener Bücher, welche in der folgenden Zeit unter dem Titel Volksschriften, Volksbücher bekannt und sogar berühmt, war in Frankfurt selbst ... Wir Kinder hatten also das Glück, diese schätzbaren Überrreste des Mittelalters auf einem Tischchen vor der Haustüre eines Büchertrödlers täglich zu finden und sie uns für ein paar Kreuzer anzueignen. Der Eulenspiegel, Die vier Haimonskinder, Die schöne Melusine (...), Die schöne Magelone (...), alles stand uns zu Diensten.” Die Versuche Christoph von Schmids und anderer Autoren zu Beginn des 19. Jahrhunderts, die Volksbücher als Jugendbücher etc. Wieder zu beleben, war durch die inzwischen erwachsene Konkurrenz der Taschenbücher, Almanache und Zeitschriften zum Scheitern verurteilt. Trotzdem können die Volksbücher im weitesten Sinne als Vorläufer heutiger Heftromane gelten.

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