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Haare

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HaarwachstumHaarwachstum
Artikelgliederung
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Einleitung

Haare, dünne, fadenförmige Bildungen der Epidermis (Oberhaut).

Unter den Wirbeltieren besitzen nur die Säugetiere Haare. Die Verteilung der Haare über den Körper ist unterschiedlich. Die weitaus meisten Säugetiere sind als Schutz gegen Kälte und andere Witterungseinflüsse am ganzen Körper behaart. Die Farbe des Haarkleides dient meist der Tarnung, bei manchen Tieren (etwa Skunks) auch der Warnung. Elefanten, Nashörner und Gürteltiere tragen nur noch spärliche Rudimente eines Haarkleides, Elefanten etwa in Form von Wimpern und als Schwanzquaste. Wale und Seekühe bilden das embryonal angelegte Haarkleid im Lauf der Entwicklung wieder zurück. Manche Säugetiere wie Katzen haben steife Borsten als Sinneshaare (Vibrissen); Igel und Stachelschweine schützen sich durch spitze Stacheln (umgewandelte Haare) gegen Feinde. Der Mensch verlor sein Haarkleid offenbar deswegen, weil die weitgehende Haarlosigkeit mit einer geringeren Anfälligkeit für Parasiten einhergeht (Proceedings of the Royal Society, 2003). Der Verlust des Wärmeschutzes wurde durch kulturelle Errungenschaften wie die Nutzung von Feuer, Kleidung und Schutzbauten ausgeglichen.

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Aufbau von Haaren

Haare bestehen im Wesentlichen aus einem verhornten Skleroprotein (Gerüstprotein), dem Keratin, und enthalten weder Blutgefäße noch Nerven. Außer bei Albinos ist das Haar durch Melanin pigmentiert und kann kleinste Lufteinschlüsse enthalten, die ebenfalls für die Haarfarbe eine Rolle spielen. Nach ihrer Form lassen sich mehrere Haartypen unterscheiden: Bei Tieren bilden lange, kräftige Haare das Deckhaar des Felles, weiche, gewellte Haare das Wollhaar.

Das Haar ist in den über die Haut ragenden Haarschaft und die tief in der Haut verankerte Haarwurzel gegliedert. Der Haarschaft besteht aus blasenförmigen Zellen des Haarmarkes (der Medulla), die von den mit Pigmentkörpern versehenen Zellen der Haarrinde umgeben sind. Nach außen folgt das verhornte Plattenepithel der Haarcuticula (die aus Hornplatten und Hornschuppen besteht). Die Haarwurzel befindet sich in einer Einbuchtung der Epidermis, dem Follikel. Der Haarfollikel bildet ständig neue Haarzellen und ermöglicht so das Wachstum. Er wird über ein Blutgefäßnetz der bindegewebigen Haarpapille ernährt. Im Follikel befinden sich auch die Pigmentzellen (Melanozyten), die ihre Farbstoffe an das wachsende Haar abgeben. Am Haarschaft setzt der Haarbalgmuskel (arrector pili) an. Dieser wird durch das autonome Nervensystem innerviert und bewirkt bei Kontraktion das Aufstellen der Haare und eine „Gänsehaut”. Die meisten Tiere besitzen Tasthaare an der Oberlippe oder den Augenbrauen.

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Haarwuchs beim Menschen

Beim Menschen beginnt die Bildung des Haarkleides während der Embryogenese. Im sechsten Monat ist der ganze Fetus mit einem Haarkleid, Lanugo genannt, bedeckt. Dieses Flaumhaar wird noch vor der Geburt wieder abgestoßen und durch stärkeres Haar an Kopf und Augenbrauen sowie feines Haar am übrigen Körper ersetzt. Während der Pubertät kommt es zur Ausbildung der Schambehaarung sowie zum Bartwuchs. Die Wachstumsgeschwindigkeit der Haare variiert in Abhängigkeit von der Haarlänge und dem Alter der Person. Normalerweise fällt ein Haar nach sechs bis sieben Jahren aus. Haarfarbe und Haarform sind genetisch bedingt. Die Haarfarbe wird durch den Gehalt eingelagerten Melanins, durch Lufteinschlüsse und den Fettgehalt der Cuticula bestimmt. Mit zunehmendem Alter sterben im Follikel diejenigen Stammzellen ab, die sich in Melanozyten verwandeln. Die Folge ist das Ergrauen der Haare. Vorzeitiges Ergrauen kann auf Vererbung beruhen oder durch psychische Faktoren wie Angst- oder Schockzustände ausgelöst werden.

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Störungen des Haarwuchses

Erkrankungen des Haarbalges oder des Follikels können Ursachen für Haarausfall oder übermäßigen Haarwuchs sein. Sprödes und trockenes Haar entsteht meist durch chemische oder mechanische Einflüsse wie häufigen Gebrauch von Dauerwellenpräparaten oder Färbesubstanzen sowie häufiges Waschen mit Alkalien. Überbehaarung ist meist die Folge endokriner Störungen, kann aber auch auf einen Tumor der Nebennierenrinde sowie Erkrankungen der Hypophyse, Schilddrüse oder der Eierstöcke zurückgeführt werden.

In Deutschland leiden jeder dritte Mann und jede zehnte Frau unter Haarausfall; als noch normal gilt ein täglicher Verlust von 80 bis 100 Haaren. Die so genannte androgenetische Alopezie des Mannes, der Haarausfall und die Bildung einer Glatze unter dem Einfluss von Androgenen, ist erblich bedingt. Einer der zugrunde liegenden Gendefekte ist auf dem X-Chromosom lokalisiert, wird also von der Mutter vererbt; eine Glatzenbildung tritt deshalb häufig zugleich beim Großvater mütterlicherseits auf (American Journal of Human Genetics, 2005). Dieser Gendefekt beeinflusst ein Rezeptorprotein und hat zur Folge, dass mehr Testosteron in die Zelle aufgenommen wird. Dadurch wird mehr Dihydrotestosteron (DHT) gebildet, ein Abbauprodukt des Testosterons. Letzteres wird unter dem Einfluss eines Enzyms (5a-Reduktase), das in der Kopfhaut vor allem im Scheitelbereich und am Haaransatz vorkommt, zu DHT umgewandelt. DHT greift die Haarfollikel an, und es wird nur noch Flaumhaar produziert, das schließlich ausfällt. Da Haarausfall auch direkt vom Vater auf den Sohn vererbt werden kann, gibt es offensichtlich noch andere Erbanlagen, die zur androgenetischen Alopezie führen.

Haarausfall kann zudem durch Seborrhö verursacht werden. Andere Ursachen des Haarverlustes sind auf Stress, Entzündungen, Nervenerkrankungen oder lokale Infektionen zurückzuführen. Der relativ seltene kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata), bei dem deutlich begrenzte kahle Stellen entstehen, basiert auf einer Fehlsteuerung des Immunsystems. Bei Frauen tritt häufig diffuse Alopezie auf, wobei Haare entlang des Scheitels ausgehen. Ursache ist zumeist ein verringerter Östrogenspiegel, wie er nach Absetzen der „Antibabypille”, nach einer Schwangerschaft oder während des Klimakteriums auftritt. In diesem Fall kann die Anwendung östrogenhaltiger Mittel (Haarwasser oder Tabletten) Wirkung zeigen.

Infektionen des Haarfollikels – Haarbalgentzündungen – können ebenfalls Haarkrankheiten hervorrufen. Es handelt sich dabei um Entzündungen des Haarbalges oder dessen unmittelbarer Umgebung, etwa der Talgdrüse. Haarbalgentzündungen gehen mit einer schmerzhaften, oft eitrigen Knotenbildung am Haar einher (siehe Furunkel). Sie werden meist durch Bakterien verursacht und können überall an behaarten Körperregionen auftreten. Man kann derartige Infektionen durch regelmäßiges Waschen vermeiden sowie durch gründliche Reinigung aller Stoffe (auch Waschlappen und Handtücher), die mit der Haut in Berührung kommen. Bei schweren Infektionen des Haarfollikels werden Antibiotika verabreicht. Tinea favosa oder Favus ist eine ansteckende Pilzkrankheit, die durch eine Infektion mit dem Erreger Trichophyton schoenleinii hervorgerufen wird. Sie äußert sich durch trockene, nach Schimmel riechende Schuppenkrusten.

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