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BildhauerkunstEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
In der Gotik entstanden vor allem in Frankreich, Deutschland und Italien bemerkenswerte Bildhauerarbeiten. Wie in der Romanik waren diese eng an die Architektur gebunden, obwohl man auch eigenständige Plastiken für Sarkophage, Kanzeln und andere Teile von Kircheneinrichtungen schuf.
Die Kathedrale von Chartres veranschaulicht beispielhaft die Entwicklung des gotischen Stiles. Das Westportal, das als Erstes erbaut wurde (Mitte des 12. Jahrhunderts), beherbergt Säulenfiguren mit schematisierten Gewändern und gleichförmigen Gesichtszügen. Die späteren Portale am Nord- und Südquerschiff zeigen eine differenzierte Gestaltung von Gesichtern und Gewändern. Zu den Werken des flämischen Bildhauers Claus Sluter, der in Dijon für den Herzog von Burgund tätig war, gehört der Mosesbrunnen aus Stein (1395-1403; Kartause von Champmol, bei Dijon), der Moses und andere Propheten darstellt. Er ist einzigartig wegen der realistischen Darstellung von anatomischen Details und von unterschiedlichen Geweben von Gewändern.
Für die gotische Skulptur in Deutschland ist die besondere emotionale Intensität charakteristisch. Dieses Pathos kommt z. B. im Lettner (Schranke oder Trennwand zwischen Chor und Mittelschiff) des Naumburger Doms zum Ausdruck, der die Kreuzigung Christi und den Judaskuss darstellt.
In der italienischen Gotik hatten sich Einflüsse der römischen Antike erhalten. Mitte des 13. Jahrhunderts etwa schuf Nicola Pisano eine Marmorkanzel für das Baptisterium des Domes von Pisa, mit der er über das Vorbild antiker Sarkophage zu einem eigenen Stil fand.
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts erwachte sowohl bei Gelehrten als auch bei Künstlern in Italien das Interesse für die klassische Vergangenheit. Dies leitete die Epoche der Renaissance ein, der Wiedergeburt der klassischen Kultur (siehe Kunst und Architektur der Renaissance). Lorenzo Ghiberti goss zwei Flügel der heutigen Nordtüre des Baptisteriums in Florenz in Bronze. Die so genannte Paradiestür (1425-1452) zeugt von einer meisterhaften Beherrschung der Gesetze der Perspektive, die erst kurz zuvor mathematisch definiert worden waren. Es bestand auch eine große Nachfrage nach monumentalen, frei stehenden Skulpturen, und Ghiberti, Nanni di Banco und Donatello schufen Monumentalskulpturen von Heiligen, welche die Nischen im Mauerwerk von Or San Michele, dem Oratorium der Zünfte in Florenz, ausfüllten. Außerhalb von Florenz war der bemerkenswerteste Bildhauer der frühen Renaissance Jacopo della Quercia aus Siena. In die Gestaltung der marmornen Relieftafeln Erschaffung Adams, Versuchung Christi und Vertreibung aus dem Paradies (1425-1438) für das Hauptportal von San Petronio in Bologna flossen seine genauen Kenntnisse der antiken Kunst ein. Der Körper Adams ist athletisch idealisiert, Körper und Pose Evas basieren auf dem Typus der Venus pudica, der schamhaften Venus. Als überragendes Genie der Bildhauerkunst nicht nur im Italien des 16. Jahrhunderts, sondern vielleicht aller Zeiten gilt Michelangelo. Seine Begabung zeigte sich schon früh, als er mit knapp 20 Jahren seine Pieta (1498-1500, Peterskirche in Rom) und den heroischen, überlebensgroßen David schuf, eine der bedeutendsten Monumentalskulpturen der Hochrenaissance.
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