Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Bildhauerkunst", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren. Verwandte Elemente
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Bildhauerkunst |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse Seite 6 von 9
BildhauerkunstEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Die führenden Barockbildhauer Frankreichs waren François Girardon, der zahlreiche Gartenskulpturen für das Schloss von Versailles schuf, sowie Antoine Coysevox und Pierre Puget, die beide von Bernini beeinflusst waren. Pugets wichtigste Werke waren ein Portal für das Rathaus in Toulon (1656) und die Marmorskulptur Milon von Kroton (1671-1683, Louvre, Paris). Puget wiederum inspirierte die französischen Rokoko-Bildhauer des 18. Jahrhunderts Étienne Maurice Falconet, Jean Baptiste Pigalle und Clodion (Claude Michel). In Deutschland spiegelten besonders die farbenprächtigen Werke der Gebrüder Egid Quirin und Cosmas Damian Asam den theatralischen Gestus des Rokoko wider. Die Gestaltung der Kirche Johann Nepomuk in München („Asamkirche”, 1733-1746) gilt als ihre bedeutendste Arbeit.
Der Klassizismus des 18. Jahrhunderts wurde durch das Interesse an archäologischen Ausgrabungen in Italien und anderen Regionen des Mittelmeerraumes genährt. Eine wichtige Rolle spielte auch der Essay Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst des deutschen Archäologen und Kunstschriftstellers Johann Joachim Winckelmann, der darin die Bildhauer des griechischen Altertums rühmte. Ein im 18. Jahrhundert beliebtes antikes Werk war der Apollo Belvedere (römische Kopie des griechischen Originals, spätes 4. Jahrhundert v. Chr., Vatikanische Museen, Rom), der Antonio Canova für seine Marmorskulptur Perseus mit dem Haupt der Medusa (1801, Metropolitan Museum of Art, New York) als Vorbild diente. Bertel Thorvaldsen, ein in Rom ansässiger dänischer Bildhauer, schulte seinen Stil an römischen Kopien antiker griechischer Skulpturen. Obwohl der Name des Schweden Johan Tobias Sergel jenseits der Grenzen seines Heimatlandes kaum bekannt ist, gilt er als exzellenter Bildhauer des späten 18. Jahrhunderts, der klassizistische Inhalte mit barocker Dynamik verschmolz, etwa in seinen Skulpturen Faun (1770-1774) und Mars und Venus (1804), beide im Nationalmuseum in Stockholm zu sehen. Der bedeutendste Vertreter des englischen Klassizismus ist John Flaxman, der neben monumentalen Grabmalen fein modellierte Plastiken und Reliefs schuf. Auch der französische Bildhauer Jean Antoine Houdon ließ in seine Werke, wie die lebensgroße Marmorstatue George Washington (1788-1792, State Capitol, Richmond, Virginia) und seine Diana (1777, Louvre, Paris), klassizistische Elemente einfließen, obgleich sie in ihrer Naturnähe und Lebendigkeit häufig über deren Grenzen hinausgehen.
In der Romantik, einer Hauptströmung der Kunst des 19. Jahrhunderts, lösten sich die Bildhauer von den Modellen der Vergangenheit. Vertreter der romantischen Plastik in Frankreich waren François Rude, Antoine-Louis Barye und Jean Baptiste Carpeaux. Rude ist für seine bewegenden Monumentalskulpturen auf dem Pariser Arc de Triomphe berühmt, besonders für den Auszug der Freiwilligen 1792, auch La Marseillaise genannt, geschaffen 1833 bis 1836. Der wichtigste Bildhauer des 19. Jahrhunderts, dessen Werk am Beginn der modernen Plastik steht, der bedeutendste seit Bernini, war der französische Impressionist Auguste Rodin. Zu seinen bedeutenden Werken, die häufig fragmentarisch belassen und durch ein virtuoses Spiel von Licht und Schatten auf der Oberfläche gekennzeichnet sind, gehören Der Denker (1880), Der Kuß (1886) und das monumentale, vom französischen Staat in Auftrag gegebene Höllentor (begonnen 1880), das unvollendet blieb. Rodins Schüler und Assistent Antoine Bourdelle verstand es in seinen Bronzeskulpturen, wie dem Großen Krieger von Montauban (1888, Hirshhorn Museum, Washington D.C.), einen Eindruck von Kraft und Masse zu vermitteln. In den USA benutzten Bildhauer wie William Rimmer, Augustus Saint-Gaudens und Daniel Chester French Stilelemente der Romantik für ihre allegorischen Skulpturen. Rimmers Sterbender Zentaur (1871, Museum of Fine Arts, Boston, Massachusetts), Saint-Gaudens’ Adams-Memorial (1886-1891, Rock Creek Cemetery, Washington D.C.) und Frenchs Der Engel des Todes und der Bildhauer (1891/92, Forest Hills Cemetery, Roxbury, Massachusetts) sind die wichtigsten Zeugnisse der amerikanischen Romantik.
Der Großteil der Bildhauerei des 20. Jahrhunderts unterscheidet sich in Inhalt und Form drastisch von ihren Vorläufern. Oft verlief die Entwicklung parallel zur Malerei, so etwa im Kubismus, Futurismus, Konstruktivismus, Dadaismus und Surrealismus. Starken Einfluss auf die europäische Bildhauerei des beginnenden 20. Jahrhunderts übte neben der Kunst der Antike die Plastik Afrikas und Ozeaniens aus, die damals erstmals in den Völkerkundemuseen Deutschlands und Frankreichs ausgestellt wurde.
Constantin Brancusi, ein gebürtiger Rumäne, kam 1902 nach Paris. Werke wie Ancient Figure (1908, Art Institute of Chicago, Illinois) und Der Kuß (1908, Philadelphia Museum of Art, Pennsylvania) bezeugen seine Bewunderung für die antike und die „primitive Kunst”. Brancusis Reduzierung der Formen auf das Wesentliche und seine Fähigkeit, die inhärente Schönheit aller Materialien zur Geltung zu bringen, sei es Holz, Stein oder Metall, hatte einen starken Einfluss auf die Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Auch der Italiener Amedeo Modigliani kam nach Paris und studierte hier, inspiriert von Brancusi, kykladische und „primitive Kunst”. Zwischen 1909 und 1914 schuf er verschiedene Kalksteinfiguren, etwa den Frauenkopf (1912, Centre Georges Pompidou, Paris), der von der kykladischen Bildhauerei inspiriert war und wiederum den Stil seiner Malerei prägte.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |