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Windows Live® Suchergebnisse WaldenserEnzyklopädieartikel
Waldenser, christliche Laienbruderschaft, die der französische Kaufmann Petrus Waldes in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts in Lyon gründete. Petrus (auch Peter) Waldes (auch Waldensis, Vales, Valdus, Valdesius) bekannte sich um 1170 zum apostolischen Glauben und gründete ein paar Jahre später eine Bruderschaft, die streng nach dem Evangelium, insbesondere nach der Bibelstelle vom reichen Jüngling (Matthäus 19, 16-26), ein Leben nach dem Vorbild Jesu in Armut führen und das Evangelium verkünden sollte. Waldes, der Teile der Bibel ins Provenzalische übersetzt hatte, verschenkte sein Vermögen und zog mit seinen Anhängern als Wanderprediger durch Südfrankreich. Da sie als Laien predigten, wurden sie zunächst vom Lyoner Bischof verboten und 1184 von Papst Lucius III. exkommuniziert. Petrus Waldes verstarb um 1205. Die Vertreibung der Waldenser aus Lyon führte zur Vereinigung mit anderen religiösen Laienbruderschaften wie den Katharern, Albigensern und Humiliaten, aber auch zur Spaltung in einen französischen und einen lombardischen Teil. Die französischen Waldenser weigerten sich u. a., für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten; sie wurden kurze Zeit später von Papst Innozenz III. und der mächtigen Inquisition gezwungen, der Kirche wieder beizutreten. Damit hörte der französische Zweig dieser Laienbruderschaft auf zu existieren. Die lombardischen Waldenser, die nicht weniger radikal ein Leben in Armut propagierten, fanden trotz massiver Verfolgungen immer mehr Zulauf im Norden Spaniens, in Italien, Österreich und Deutschland, Ungarn, Böhmen und Polen. Um sich vor den Verfolgungen zu schützen, schlossen sich die Waldenser in der Schweiz der Reformation an; die Waldenser Norditaliens, Kalabriens und Apuliens traten dann aber im Zuge der Gegenreformation im 17. Jahrhundert wieder zum katholischen Glauben über. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts reformierten sich in der Schweiz unter dem Einfluss der calvinistischen Erweckungsbewegung in Genf die Waldenser in der Chiesa Evangelica Valdese. Viele ihrer Mitglieder wanderten auch nach Übersee aus und gründeten vornehmlich in Südamerika (z. B. in Argentinien und Uruguay) neue Gemeinden. Erst 1848 wurde den Waldensern unter dem sardinischen König Karl Albert die volle bürgerliche und religiöse Freiheit in Italien zugestanden. 1855 gründeten sie eine theologische Fakultät in Torre Pellice in der Provinz Turin. 1860 wurde diese nach Florenz und 1922 nach Rom verlegt. Die italienische Waldenser-Kirche ist Mitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen und des Bundes der Evangelischen Kirchen, hat etwa 29 000 Gläubige und besitzt 120 Gotteshäuser. In Argentinien und Uruguay leben etwa 14 000 Waldenser.
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