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Ananasgewächse

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Tillandsien im GewächshausTillandsien im Gewächshaus
Artikelgliederung
1

Einleitung

Ananasgewächse oder Bromelien oder Bromelien, fast ausschließlich im tropischen und subtropischen Amerika beheimatete einzige Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Ananasartigen mit etwa 2 000 Arten und 50 Gattungen.

Als monokotyle (einkeimblättrige) Pflanzen besitzen die Ananasgewächse zumeist etwa zehn Zentimeter bis einen Meter lange schmale, linealische oder riemenförmige Blätter, in denen die Leitungsbahnen parallel zum Blattrand verlaufen. Die Blätter sind spiralig in einer gedrängten Rosette am kurzen Spross angeordnet; am Rand tragen sie meist eine Reihe gekrümmter, scharfer Dornen. Oftmals bildet diese Rosette einen Trichter, in dem sich Regen und Tropfwasser sammeln können.

2

Lebensweise

Trotz ihrer Verbreitung in den Tropen sind die Ananasgewächse relativ trockenresistent: Die meisten Vertreter wachsen epiphytisch auf den Ästen von Bäumen ohne direkten Kontakt zum Boden, so dass ihnen der Erdboden als Wasserspeicher nicht verfügbar ist; zudem treten auch in den Tropen regelmäßige Trockenzeiten auf. Die Wurzeln der Ananasgewächse haben meist nur noch die Aufgabe, die Pflanze auf ihrem Substrat in der Baumkrone zu verankern. Wasser mit aus der Luft eingetragenen Nährstoffen wird entweder im Blatttrichter oder über eigene Schuppen am Blattgrund aufgenommen; oder die ganze Oberfläche der Blätter ist mit silbrigen Saugschuppen bedeckt, die jegliche Feuchtigkeit sofort aufgrund der Kapillarwirkung absorbieren. Ananasgewächse verfügen zudem über einen speziellen Photosynthesemechanismus, der extrem wassersparend ist (derselbe Mechanismus wird bei Kakteen als Crassulaceen-Säurestoffwechsel bezeichnet und hilft diesen Xerophyten in der Wüste zu überleben). Die oft mehrere Liter Wasser fassenden Blatttrichter mancher epiphytischer Ananasgewächse bilden eigene Ökosysteme, deren Wasser durch einzellige Grünalgen mit Sauerstoff angereichert wird. Die Trichter sind u. a. das Biotop der Farbfrösche (oder Pfeilgiftfrösche), auch die Larven von Malariamücken entwickeln sich in ihnen.

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Gliederung der Ananasgewächse

Die Familie der Ananasgewächse wird in drei Unterfamilien eingeteilt. Die Pitcairnioideae umfassen etwa 13 Gattungen. Meist sind es keine epiphytischen, sondern bodenbewohnende Pflanzen, die aber ebenfalls trockenresistent sind. Ihre Wurzeln haben teilweise noch die ursprüngliche Funktion und dienen der Wasser- und Nährstoffaufnahme. In dieser Gruppe findet sich die einzige außeramerikanische Art Pitcairnia feliciana, die auf der Insel Bioko vor der Küste Kameruns vorkommt. Zu den Pitcairnioideae gehört auch das größte Ananasgewächs, Puya raimondii. Man findet es in den Anden Boliviens und Perus in Höhen zwischen 3 500 und 4 000 Metern. Diese Pflanze bildet einen bis zu drei Meter hohen Stamm, an dessen Spitze die büschelartige Rosette der schmalen, mit einem Dornenrand ausgestatteten Blätter sitzt. Wenn die Pflanze mit 30 oder mehr Jahren blüht, entwickelt sie einen bis zu zehn Meter hohen Blütenstand aus etwa 20 000 Blüten. Auf den Ebenen des Altiplano entsteht dann der Eindruck einer italienischen Landschaft mit Säulenzypressen.

Die zweite Unterfamilie wird von den Bromelioideae gebildet. Hier finden sich terrestrische wie epiphytische Arten aus etwa 30 Gattungen mit den Hauptvertretern Ananas, Bromelia, Bilbergia und Aechmea. Viele der Arten werden als sehr dekorative Zimmerpflanzen gehalten; sie besitzen nicht nur gestreifte Blätter, sondern entwickeln auch prächtig gefärbte, schwertartige Blütenstände.

Die dritte Unterfamilie der Tillandsioideae umfasst nur epiphytische Arten, die in den meisten Fällen silbrig beschuppte Blätter besitzen. Die wichtigste Gattung in dieser Familie heißt Tillandsia. An Pflanzen dieser Gattung wird besonders deutlich, dass die wenigen ausgebildeten Wurzeln nur zum Festhalten am Substrat dienen. Im Handel werden oft auf dekorativen Steinen aufgeklebte schmalblättrige, silbrige Tillandsia-Arten angeboten, die durch regelmäßiges Besprühen mit Wasser versorgt werden. Ein extremes Beispiel aus dieser Gruppe ist die als Spanish moss bezeichnete Tillandsia usneoides. Diese Pflanze hängt u. a. im feuchten Klima der Everglades und der Golfküste wie lange graue Bärte, die im Wind wehen, von Ästen. Wurzeln besitzt diese Tillandsia nicht, sondern nur krallenartig gekrümmte dünne kurze Blättchen und zarte Sprosse, die sich zu den „Bärten” verweben. Werden Teile der Pflanze vom Wind zerzaust und verweht, können sie andernorts, z. B. auf einer Stromleitung, weiterwachsen.

4

Wirtschaftliche Bedeutung

Die wirtschaftlich bedeutendste Art der Ananasgewächse ist die Ananas, die Christoph Kolumbus auf seiner ersten Amerikareise nach Europa brachte. Diese Frucht wird inzwischen in allen Tropengebieten kultiviert, wobei Thailand und die Philippinen die Hauptanbaugebiete sind. Während die Wildform der Ananas Samen ausbildet, entwickelt die Plantagenananas keine Samen mehr und muss deshalb wie die Banane vegetativ über Schösslinge vermehrt werden. Der fleischige Fruchtstand der Ananas wird zumeist zu Konservenobst oder Saft verarbeitet, bzw. es wird die ganze Frucht im Handel angeboten. Außerdem wird daraus Bromelain gewonnen, ein proteinspaltendes Enzym, das vorwiegend in der Lebensmittelindustrie und der pharmazeutischen Industrie Verwendung findet.

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