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PflanzenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Abgrenzung von anderen Reichen; Abteilungen des Pflanzenreiches; Aufbau und Funktion der Zellen; Gewebearten; Organe der Pflanzen; Steuerung von Wachstum und Differenzierung; Ökologie; Pflanzen und Menschen
Da Pflanzen ihre Nahrung selbst produzieren können – sie sind autotroph –, bilden sie die Grundlage jedes Nahrungsnetzes. Heterotrophe Organismen, die ihre Nahrung nicht selbst herstellen können, sind zwar in der Regel mobiler als Pflanzen, aber letztlich immer auf autotrophe Organismen als Nahrungsquelle angewiesen. Pflanzen werden zunächst von den Primärkonsumenten gefressen, den Pflanzenfressern, die wiederum von den Sekundärkonsumenten, den Fleischfressern, verzehrt werden. Zersetzer wie Bakterien und Pilze sind auf allen Ebenen des Nahrungsnetzes aktiv. Bei jedem Schritt im Nahrungsnetz geht ein großer Energieanteil verloren; nur rund 10 Prozent der Energie einer Ebene werden auf der nächsthöheren Ebene gespeichert. Daher umfassen die meisten Nahrungsnetze nur wenige Ebenen, denn deren Anzahl wird durch die vorhandene Energie begrenzt.
Von den Ursprüngen der Landwirtschaft in prähistorischer Zeit bis heute wurde nur ein geringer Anteil der bekannten Pflanzenarten (etwa 15 000 Arten) kultiviert. Diese relativ wenigen Arten stellen für den Menschen jedoch die Hauptquellen dar für Nahrung, pflanzliche Fasern für Kleidung, Flechtwaren, Seile, Hausbau und Dachdeckmaterialien sowie für Heilmittel und technische Spezialprodukte (Kautschuk, Wachse, Öle). Der Prozess der Kultivierung von Pflanzen begann wohl überwiegend zufällig. Vermutlich sammelten die damaligen Menschen Samen und Früchte von Wildpflanzen, die sie in der Nähe ihre Behausungen keimen ließen oder bewusst aussäten und anschließend weiter betreuten. Allmählich entwickelten unsere Vorfahren einen Blick dafür, dass bestimmte Exemplare der ausgesäten Pflanzen besonders wüchsig waren oder besonders schmackhafte oder viele Früchte produzierten; der entscheidende Schritt lag nun darin, diese Einzelindividuen gezielt zu vermehren. Damit blieb deren spezifisches Erbgut erhalten und konnte nun weitergegeben werden. Erst sehr viel später wurden spezielle Techniken der Saatzucht oder der vegetativen Vermehrung entwickelt. Dieser Auswahlprozess fand ohne Wissen über die Grundlagen der Pflanzenzucht statt; er wurde vielmehr von der Erfahrung und engen Vertrautheit des Menschen mit den Pflanzen geleitet. Ein Beispiel dafür ist der Weizen, der in seiner Urform bereits vor mindestens 7 800 Jahren im östlichen Mittelmeerraum kultiviert wurde. Noch heute kann man manche Nutzpflanzen auf eine Wildform zurückführen oder feststellen, aus welchen Pflanzengesellschaften sie ursprünglich stammten, während dies bei anderen, durch die langjährige menschliche Züchtung und Kultivierung stark veränderten Arten, wie etwa dem Mais oder der Banane, nur annähernd möglich ist. Heute hängt die menschliche Ernährung im Gegensatz zu früheren Zeiten nur noch von einer Handvoll Pflanzenarten ab, wovon Weizen, Mais, Reis, Gerste und Mohrenhirse die wichtigsten sind. Der Prozess der Pflanzenzucht beschleunigte sich in den letzten Jahren dank der Fortschritte in der modernen Genetik und insbesondere der Gentechnik erheblich. Pflanzengenetiker können heute in nur wenigen Jahren beispielsweise an örtliche Gegebenheiten angepassten Mais entwickeln und damit die Erträge deutlich erhöhen. Gleichzeitig hat sich die menschliche Nachfrage nach Nahrung und Energie so stark erhöht, dass zunehmend Pflanzenarten ausgerottet und ihre Lebensräume zerstört werden, bevor sie überhaupt wissenschaftlich erfasst und beschrieben wurden und ehe ihr möglicher Nutzen für den Menschen erkannt ist. Da insbesondere in den Tropen die Lebensraumvernichtung am schnellsten fortschreitet, dort andererseits aber weltweit die größte Zahl an Pflanzenarten – darunter die meisten noch unentdeckten – vorkommt, ist rasches Handeln notwendig, um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten und das genetische Potential der noch wenig bekannten oder nicht entdeckten Pflanzenarten für die gesamte Menschheit zu bewahren. Der Artenschwund ist jedoch keineswegs auf tropische Regionen beschränkt. So gelten in Deutschland etwa 49 Prozent der Farnpflanzen und 31 Prozent der Blütenpflanzen als gefährdet.
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