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Ägyptische Literatur

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1

Einleitung

Ägyptische Literatur, Literatur in ägyptischer Sprache, die in Inschriften oder auf Papyrusrollen überliefert ist. Zur neueren ägyptischen Literatur siehe arabische Literatur.

Die Literatur Altägyptens zeichnet sich durch eine Vielfalt an Formen und Inhalten aus. Sie datiert aus der Zeit des Alten Reiches (um 2660 bis 2160 v. Chr.) bis zur griechischen und römischen Zeit (ab 332 v. Chr.) und ist durch literarische Tropen und rhetorische Figuren, wie Gleichnisse, Metaphern, Alliterationen und Wortspiele, gekennzeichnet. Die religiöse Literatur Altägyptens reicht von Hymnen an die Götter über mythologische und magische Texte bis zu einer umfangreichen Sammlung an Totenliteratur. Die weltliche Literatur umfasst Erzählungen, didaktische Schriften wie Weisheits- und Schulliteratur, Gedichte, biographische und historische Texte sowie wissenschaftliche Abhandlungen, darunter medizinische und mathematische Texte. Neben den literarischen Schriften finden sich auch zahlreiche Gesetzes-, Verwaltungs- und Handelstexte sowie private Aufzeichnungen. Die Verfasser dieser Schriften, die in der Zeit des Alten und des Mittleren Reiches (2040-1785 v. Chr.) lebten, wurden noch in den folgenden Epochen verehrt. Sie kamen aus der gebildeten Klasse der oberen Regierungsschicht, ihr Publikum wies im Allgemeinen ein vergleichbares Bildungsniveau auf. Tatsächlich dienten viele literarische Schriften des Mittleren Reiches Propagandazwecken, um die Schüler, die durch die Abschrift der Originale (auf Tafeln und Tonwaren) das Lesen und Schreiben lernten, zu loyalen Untertanen der herrschenden Dynastie zu formen. Viele dieser frühen Weisheitstexte wurden neben neueren Texten noch 500 Jahre später im Neuen Reich (1552-1070 v. Chr.) kopiert. Einige der Geschichten weisen mythologische Elemente auf und haben der mündlichen Tradition des Geschichtenerzählens viel zu verdanken.

2

Altes Reich

Die ältesten überlieferten Schriften, die Pyramidentexte, sind Totenschriften, die im Inneren der Grabkammern der Könige und Königinnen der zweiten Hälfte des Alten Reiches eingraviert wurden. Sie sollten dem verstorbenen Herrscher den Weg ins Totenreich weisen und ihm seinen rechtmäßigen Platz in der Nachwelt sichern. Diese Texte vereinigen mythologische Elemente, Hymnen an die Götter und tägliche Opferrituale. Zahlreiche autobiographische Inschriften privater Grabstätten berichten von der Teilnahme des Verstorbenen an historisch bedeutsamen Ereignissen. Obwohl aus dem Alten Reich keine Erzählungen oder Weisheitstexte überliefert sind, dürfte es sich bei einigen Handschriften aus dem Mittleren Reich um Kopien von Originalen aus der Zeit des Alten Reiches handeln. Ein Beispiel ist Die Unterrichtung des Wesirs Ptahhotep, eine Sammlung von Leitsprüchen, die Grundtugenden schildern, die das Verhältnis der Menschen zueinander bestimmen sollten (wie Bescheidenheit, Wahrheitsliebe und Güte) und den idealen Menschen als gerechten Verwalter beschreiben.

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Erste Zwischenzeit

Nach dem Zusammenbruch des Alten Reiches wurden die Pyramidentexte von Privatpersonen übernommen. Mit neuen magischen Formeln versehen, wurden diese Texte auf Särge aufgezeichnet (daher die Bezeichnung Sargtexte). Darüber ließen Privatleute ihre Grabstätten weiterhin mit autobiographischen Texten ausstatten, die von den Taten der betreffenden Person während dieser Zeit berichten. Diverse Klagelieder über die Unsicherheit der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse entstanden in der Ersten Zwischenzeit (um 2160 bis 2040 v. Chr.). Eine dieser Schriften, Das Gespräch eines Menschen mit seiner Seele (ägyptisch ba: Seele), ist ein Streitgespräch über den Selbstmord, eine andere enthält die frühesten Beispiele der Lieder, die von Harfenspielern während des Totenmahles gesungen wurden.

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Mittleres Reich

Neben den Sargtexten umfasst die Literatur des Mittleren Reiches zahlreiche Hymnen an den König und verschiedene Gottheiten – darunter eine lange Hymne an den Nil – sowie rituelle Texte. Private Autobiographien, die historische Informationen enthielten, gehörten nach wie vor zum traditionellen Schrifttum. Die Herrscher begannen Stelen (frei stehende Steinplatten oder Säulen) aufzustellen, auf denen ihre bedeutenden Taten verzeichnet wurden. Sowohl aus der Ersten Zwischenzeit als auch aus dem Mittleren Reich stammen Unterrichtstexte, die im Namen des jeweils herrschenden Königs verfasst wurden und seinem Sohn und Nachfolger schildern, wie verschiedene historische Ereignisse das Königtum beeinflussten und wie der Sohn aus den Fehlern seines Vaters lernen sollte. Die Lehre des Cheti, eine Satire der Berufe, betont die negativen Seiten sämtlicher möglicher Berufe und stellt ihnen das angenehme Leben eines Schreibers gegenüber. Herausragend unter den Erzählungen, die im Mittleren Reich verfasst wurden, sind die Geschichte des Sinuhe (um 1800 v. Chr.), eines Palastbeamten, der nach dem Tod von König Amenemhet I. nach Syrien floh und dort ein reicher und angesehener Mann wurde, Die Geschichte vom redegewandten Bauern, einem Mann, der so eloquent um die Rückgabe seiner gestohlenen Esel bat, dass er für einige Zeit in Haft genommen wurde, damit sich die verantwortlichen Offiziere an seiner Redekunst erfreuen konnten, Die Geschichte vom schiffbrüchigen Segler, die von einer legendären Begegnung eines Schiffbrüchigen mit einer riesigen Schlange auf einer üppig bewachsenen Insel berichtet, und Die Geschichte vom König Khufu und den Zauberern. Die frühesten erhaltenen Papyrusschriften medizinischen und mathematischen Inhalts stammen ebenfalls aus dieser Zeit.

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