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  • Lein – Wikipedia

    Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Pflanzengattung Lein. Zu weiteren Bedeutungen siehe Lein (Begriffsklärung).

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Lein

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LeinLein
Artikelgliederung
1

Einleitung

Lein, Pflanzengattung aus der Familie der Leingewächse mit etwa 200 Arten, die neben einigen Zierpflanzen auch die als Flachs oder Lein bekannte, einjährige Art enthält, die zur Gewinnung von Fasern und der ölhaltigen Samen wegen angebaut wird. Die Gattung Lein ist in gemäßigten und subtropischen Gebieten sowie mit besonders vielen Arten im Mittelmeer verbreitet; die Leingewächse kommen dagegen weltweit vor und umfassen etwa 15 Gattungen und 300 Arten. Aus den Fasern des Leins werden u. a. Garne und Stoffe (Leinen) hergestellt; aus den Samen gewinnt man Leinöl, ein für die menschliche Ernährung wertvolles Öl, sowie den Leinkuchen, der als Futtermittel Verwendung findet. Die Samen werden auch direkt als Leinsamen wegen ihres nussigen Geschmacks und des hohen Gehalts an Ballaststoffen verzehrt.

Die Höhe der Leinpflanzen variiert zwischen 30 und 100 Zentimetern. Ihre Pfahlwurzeln sind flach. Da die Stängel die Fasern enthalten, dienen die Sorten, die höher wachsen und weniger verzweigt sind, der Fasergewinnung (so genannter Faser-Lein). Andere Sorten, die wegen ihrer Samen angebaut werden (Öl-Lein), haben kürzere Stängel und sind stärker verzweigt. Generell besitzen die Leinpflanze wie auch die anderen Leinarten schmale, lanzettförmige, wechselständige Blätter. Die Blüten haben fünf unverwachsene Kelchblätter, fünf Kronblätter und zehn Staubblätter. Die Samen befinden sich in fünf doppelkammerigen Fruchtblättern. Bei den meisten kultivierten Leinpflanzen sind die Blüten dunkel- bis blassblau. Andere Arten mit weißen, violetten, rosafarbenen oder roten Blüten sind attraktive Zierpflanzen. Leinsamen sind glänzend und dunkelbraun, gelb oder gesprenkelt. Der Lein ist eine uralte Kulturpflanze, deren Anbau schon zur Zeit der Pfahlbaukulturen in der Jungsteinzeit sowie bei Sumerern und Ägyptern vor etwa 8 000 bis 6 000 Jahren nachgewiesen ist. Wahrscheinlich ist er die bereits am längsten zur Gewinnung von Fasern für Kleidungszwecke kultivierte Pflanze.

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Geschichte

Bereits vor über 10 000 Jahren wurden Stoffe aus Leinfasern hergestellt. In der Schweiz hat man bei Funden steinzeitlicher Pfahlbauten neben Kleidungsstücken auch Überreste leinerner Fischernetze und nicht verarbeitete Leinpflanzen gefunden. Die Ägypter des Altertums webten leinerne Leichentücher, die teilweise noch an den Mumien erhalten sind. Darstellungen des Leinanbaus zieren die Wände zahlreicher ägyptischer Gräber. Auch in der Bibel wird die Herstellung von Leinen erwähnt. Vermutlich stammt die einjährige Leinpflanze von einer zweijährigen Wildpflanze ab, die von Westeuropa über das Mittelmeergebiet bis zum Kaukasus verbreitet ist.

In Nordamerika wurde Lein bereits 1626 angebaut; bis zum Beginn der industriellen Revolution war die Leinfaser dort die bedeutendste Textilfaser. Das änderte sich mit Erfindung des Cotton Gin (Baumwollentkörnungsmaschine) 1793. Jetzt wurde die Baumwolle zu einem äußerst billigen Rohmaterial für die Fasergewinnung und verdrängte in Nordamerika sowie später auch in anderen Ländern die Leinpflanze als Faserlieferanten weitgehend. In der Folge wurde Lein in den Vereinigten Staaten hauptsächlich nur noch wegen seiner Samen als Öl-Lein angebaut.

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Faser-Lein

Lein ist in erster Linie eine Pflanze der gemäßigten Zonen, gedeiht jedoch unter sehr vielen Temperatur- und Feuchtigkeitsbedingungen. Hohe Temperaturen und Niederschläge wirken sich auf die Produktion von Fasern und Samen ungünstig aus. Mäßig fruchtbare Sand oder Lehmböden eignen sich am besten zum Anbau.

Faser-Lein wird geerntet, indem man die Pflanzen ausreißt („Raufen”); anschließend werden sie zum Trocknen auf Feldern aufgeschichtet. Man entfernt die Kapseln („Riffeln”), die zu Nahrungs- oder Futtermitteln oder zu Öl weiterverarbeitet oder für die nächste Aussaat zurückbehalten werden. Das Stroh wird dann „geröstet” – ein Verfahren, bei dem sich der Stängel zum Teil zersetzt, damit sich die Fasern von den holzigen Anteilen trennen lassen. Das Stroh wird dabei auf der Erde ausgelegt, damit es Regen, Tau und der Tätigkeit von Pilzen ausgesetzt ist (so genannte Tauröste). In manchen Ländern wird auch die Methode der Wasserröste praktiziert, bei der das Stroh in Teiche, Bäche oder spezielle Bottiche eingebracht wird, wo Wasser und Bakterien für die Zersetzung sorgen.

Die gerösteten Stängel werden getrocknet, gebrochen und geknickt, dann wird die Faser von holzigen Anteilen, den so genannten Schäben, befreit. Danach zieht man die Flachsfasern über ein mit herausstehenden Nägeln versehenes Brett, um sie parallel auszurichten. Mit diesem Verfahren ergeben sich relativ lange und gerade Fasern, die Langfasern oder der gehechelte Flachs, und kurze, beschädigte oder verknotete Fasern, der Werg. Dieser wird überwiegend zum Polstern benutzt. Langfasern haben eine hohe Zugfestigkeit; deshalb spinnt man verschiedene Garne aus ihnen, die in der Buchbinderei und der Schuhindustrie benötigt werden; weiter werden daraus Zwirn, Fischernetze und Schnürbänder hergestellt; aus gehecheltem Flachs webt man außerdem verschiedene Arten von Leinen und andere Gewebe.

In Frankreich und Belgien werden Fasern hoher Qualität produziert. Auch in Osteuropa und in begrenztem Umfang in Irland und Kanada wird Lein angebaut, in geringem Umfang auch in den Vereinigten Staaten, überwiegend in Michigan und Oregon, aber seit 1950 kaum noch in kommerziellem Umfang. In der Sowjetunion wurde Lein extensiv angebaut; zwar war der Gesamtertrag hoch, die Faserqualität war jedoch schlechter als die der westeuropäischen Fasern.

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Öl-Lein

Der Ertrag von Öl-Lein ist auf mäßig bis sehr fruchtbaren Lehmböden am größten. In Kalifornien, Indien und Argentinien wird Öl-Lein im Herbst gesät und reift dann in rund 150 Tagen. Im nördlichen Europa sowie im Norden der Vereinigten Staaten und in Kanada wird im Frühjahr ausgesät, dort reifen die Pflanzen innerhalb von 100 bis 120 Tagen. In relativ kühlem Klima ist der Ertrag am höchsten und die Qualität am besten. Hohe Temperaturen und Dürre während der Samenreife führen häufig zu verringerten Erträgen und geringerem Ölgehalt.

Öl-Lein hat gegenüber Unkräutern nur geringe Konkurrenzkraft; deshalb pflanzt man ihn auf unkrautfreie, feste Saatbeete, in der Regel auf Böden, auf denen zuvor Mais und vergleichbare Nutzpflanzen angebaut wurden, für die eine Unkrautvernichtung durch Herbizide erfolgte. Die Unfähigkeit des Leins, sich gegen Unkraut oder andere Pflanzen durchzusetzen, machen ihn als so genannte Untersaat oder Zwischenfrucht in Anpflanzungen von Luzerne, Klee und anderen, als Futterpflanzen dienenden Hülsenfrüchtlern, gut geeignet.

Leinsamen haben einen Ölgehalt von 38 bis 44 Prozent. Das goldgelbe Leinöl dient zur Herstellung von Farben und Lacken, Linoleum, Ölzeug, Druckfarbe, Seife und vieler anderer Produkte. Seit 1959 wird es auch in Belägen für Straßendecken aus Beton und Brückenoberflächen verwendet; es soll Straßenschäden durch starke Verkehrsbelastung, Frost und Streusalze verhindern. Der Ölkuchen, auch Leinkuchen genannt, der nach der Extraktion des Öls verbleibt, enthält 30 bis 40 Prozent Rohprotein; er ist ein wertvolles Viehfutter.

Neuerdings dienen die Fasern des Öl-Leins zur Herstellung von hochwertigen Papieren und von Papieren für besondere Zwecke. Beispielsweise stellt man in den Vereinigten Staaten einen Großteil des Zigarettenpapiers aus Fasern dort angepflanzten Öl-Leins her.

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