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Moderne Kunst und Architektur

Enzyklopädieartikel
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Joseph Maria Olbrich: Secessionsgebäude in WienJoseph Maria Olbrich: Secessionsgebäude in Wien
Artikelgliederung
2.3

Erweiterung des Kunstbegriffs

Die Moderne hat nicht nur die traditionellen Gattungen Malerei, Graphik und Bildhauerei extrem erweitert und auf neue Weisen miteinander kombiniert, sondern auch ihre Grenzen zu außerkünstlerischen Bereichen geöffnet. Darüber hinaus hat sie eine Vielzahl neuer Techniken, Medien und Ausdrucks- wie Darstellungsformen erfunden oder in die Kunst integriert: neben dem erwähnten Ready-made zum Beispiel Collage und Assemblage, Rauminstallation und Environment, Photographie, Film und Video; in der Aktionskunst, in der Performance und im Happening finden sich Elemente des Theaters; die Land-Art bezieht die Landschaft und Natur mit ein, die Body-Art den menschlichen Körper. Es bestehen Verbindungen zur Architektur. Besonders vielgestaltig sind die Beziehungen zur Musik.

2.4

Ursprünge der modernen Kunst

Die Wurzeln der modernen Kunst liegen in der Malerei französischer Künstler des 19. Jahrhunderts. Für sie wurden formale Aspekte (die künstlerische Umsetzung) immer wichtiger. Édouard Manet etwa reduzierte seine Figuren und abstrahierte sie so vom abgebildeten Gegenstand. Impressionisten wie Camille Pissarro, Claude Monet, Pierre Auguste Renoir und Alfred Sisley waren mehr an der Wiedergabe von Lichtwirkungen interessiert als an der getreuen Abbildung der Realität (siehe Impressionismus). Trotzdem behielten die Impressionisten den illusionistischen Charakter traditionellerer Schulen bei. Später entwickelten andere Künstler die Modelle der Impressionisten weiter. Georges Seurat etwa verwandelte den lockeren impressionistischen Pinselstrich in präzise nebeneinander gesetzte Tupfer und schuf so den Pointillismus. Paul Gauguin verwendete ungewöhnliche Farben mit stark dekorativer Wirkung. Die expressive Verzerrung in Linienführung und Farbgebung im Werk von Vincent van Gogh beeinflusste den Norweger Edvard Munch und die deutschen Expressionisten. Für die Emanzipation der Kunst von ihrem reinen Abbildcharakter war zweifellos Paul Cézanne am wichtigsten. Cézanne entwickelte ein System der Farbabstufungen und Farbebenen, das es ihm erlaubte, den dargestellten Gegenständen eine abstrakte Form zu verleihen. Bereits Cézanne war mehr an strukturellen Prinzipien der Darstellung als am illusionistischen Perspektiveverfahren interessiert. Ähnliches versuchten Pablo Picasso und Georges Braque in ihren kubistischen Landschaften und Still-Leben.

2.5

Malerei

Gemeinsam war der Avantgarde seit Ende des 19. Jahrhunderts ihr wachsendes Bedürfnis nach einer subjektiven Freiheit des Ausdrucks einerseits und nach größtmöglicher Objektivität andererseits. Erst um die Jahrhundertwende fand das Werk der ersten modernen Maler Beachtung, vor allem bei jener jungen Künstlergeneration, die die Qualität von Linie, Farbe und Bildfläche noch mehr betonen wollte. Zu diesen auf Gauguin zurückgreifenden Künstlern gehörten Henri Matisse, André Derain, Maurice de Vlaminck, der Holländer Kees van Dongen und Georges Braque. Der von Kritikern zunächst abfällig so bezeichnete Fauvismus wirkte von 1898 bis 1908 und hatte einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der modernen Kunst.

2.5. 1

Expressionismus

Sowohl die französischen als auch die deutschen Künstler entwickelten großes Interesse an der Kunst so genannter „primitiver” Völker, vor allem Afrikas und Ozeaniens, in welcher sie ihre Forderung nach Flächigkeit und Abstraktheit bereits verwirklicht sahen. Gauguin zog es in die Südsee, Vlaminck behauptete von sich, die afrikanische Skulptur für Europa entdeckt zu haben. Die jungen Künstler der deutschen Expressionistengruppe Die Brücke, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Emil Nolde, besuchten häufig das Dresdener Völkerkundemuseum. Die Münchner Künstlervereinigung Der Blaue Reiter, die 1911 von Wassily Kandinsky und Franz Marc ins Leben gerufen wurde, ließ sich ebenfalls von primitiver Kunst inspirieren. Wassily Kandinsky und Gabriele Münter entdeckten im oberbayerischen Murnau, wo sie 1908 ein Haus bezogen hatten, die volkstümliche Hinterglasmalerei und verarbeiteten diese Entdeckung in ihren Bildern. Aus dem Expressionismus ging in den zwanziger Jahren die Neue Sachlichkeit hervor. Vertreter dieser Richtung waren u. a. Alexander Kanoldt, Georg Schrimpf und Christian Schad.

2.5. 2

Kubismus

Der Kubismus versuchte noch radikaler als die avantgardistischen Strömungen zuvor, eine Abstraktion von der äußeren Wirklichkeit zu erreichen. Picassos Gemälde Les Demoiselles d’Avignon (1907, Museum of Modern Art, New York) ist hierfür das viel zitierte Musterbeispiel (siehe oben). Im Kubismus etwa Picassos und Braques (zwischen 1907 und 1914) wird der zweidimensionale Charakter des Bildes hervorgehoben und der illusionistische Chiaroscuro (die Helldunkeltechnik) aufgegeben. In der ersten Phase des Kubismus versuchten die Künstler, die Formen in der Flächigkeit des Bildes aufzulösen. Auf diese Weise sollten alle Seiten des dargestellten – dreidimensionalen – Objekts anschaulich werden (analytischer Kubismus). Dieses Verfahren führte zur Verwendung kuben- bzw. würfelförmiger Elemente, wobei eine Reduktion der Farbigkeit die Abstraktion noch verstärkte. Dem analytischen Kubismus folgte der synthetische Kubismus, welcher das Prinzip der Collage miteinbezog. Materialien wie Holz, Zeitungsausschnitte, Photographien oder Federn wurden auf das Bild geklebt und so in Verbindung (Synthese) mit der bemalten Oberfläche gebracht. Die Formen blieben fragmentiert und flach, doch spielte die Farbe wieder eine bedeutendere Rolle. Wichtige Kubisten waren Fernand Léger, Robert und Sonia Delaunay, Marcel Duchamp, Juan Gris und František Kupka. Die italienischen Futuristen Gino Severini, Umberto Boccioni, Carlo Carrà und Giacomo Balla arbeiteten in kubistischer Manier (siehe Futurismus). Doch war es ihr Hauptanliegen, Bewegung und Gleichzeitigkeit im dynamisierten Bildaufbau festzuhalten.

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