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Moderne Kunst und ArchitekturEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Vom gegenständlich-abstrakten Kubismus führt eine direkte Verbindung zur abstrakten Kunst, die diesen Gegenstandsbezug aufgegeben hat. In Deutschland malte Kandinsky seit 1910 ungegenständliche Gemälde, deren Bezüge zur Musik und dem Bereich des „Geistigen” er auch in theoretischen Schriften reflektierte. Paul Klee schuf nach seiner ersten Begegnung mit dem Kubismus abstrakte Aquarelle. Russische Künstler lernten den Kubismus durch einige herausragende Privatsammlungen in Moskau kennen. Kasimir Malewitsch malte 1913 ein Schwarzes Quadrat auf weißem Grund. Er nannte seinen Stil Suprematismus. Das Wort leitet sich vom lateinischen suprematia oder dem französischen suprématie ab, was Überlegenheit, Herrschaft oder Oberhoheit bedeutet, nämlich der Kunst über die Wirklichkeit. Die russischen Konstruktivisten (siehe Konstruktivismus), so Aleksandr Rodtschenko, Ljubow Popowa, El Lissitzky, Naum Gabo, Antoine Pevsner und Wladimir Tatlin, waren ebenfalls vom Kubismus inspiriert. Auch die in Holland auftretenden Avantgardisten versuchten, einen Stil zu entwickeln, der den Aspekten des modernen Lebens angemessen war. Die Grundlagen der Künstlergruppe De Stijl wurden in erster Linie von Theo van Doesburg und Piet Mondrian in ihrer gleichnamigen Zeitschrift formuliert. Mondrian, der den Kubismus von seinem ersten Pariser Aufenthalt her kannte, veröffentlichte 1920 seinen bedeutenden kunsttheoretischen Essay Le Néo-Plasticisme. Darin begriff er den Kubismus als Ausdruck reiner Plastik (Gestalt, Form). In seiner Malerei beschränkte sich Mondrian auf den Gebrauch von Primärfarben, die er in geometrischen Gitterkonstruktionen aus waagerechten und senkrechten Linien einband. Die Zweidimensionalität der Leinwand (des Materials) wurde so betont.
Dada entstand während des 1. Weltkrieges in Europa und Amerika. Mit dem Rationalismus Mondrians hatte es nichts gemein. Von den bürgerlichen Wertvorstellungen abgestoßen, die sie für die Inhumanität des Krieges verantwortlich machten, wählten die Dadaisten das Kinderwort dada (französisch für: Steckenpferd), um ihren Protest gegen traditionelle Kunstformen und deren Maximen auszudrücken. Zu den Dadaisten wird auch Marcel Duchamp gezählt, der industriell gefertigte Alltagsgegenstände (Ready-mades) in den Kontext der Kunst stellte und so den Begriff der Kunst selbst fragwürdig machte. Duchamps’ unter dem Titel Fontaine 1917 in New York ausgestelltes Pissoir löste Empörung aus. Zentren des Dadaismus waren Zürich, Berlin und Paris. Den Dadaisten werden die Franzosen Hans Arp und Francis Picabia, der Amerikaner Man Ray sowie die deutschen Künstler George Grosz, Max Ernst und Kurt Schwitters zumindest in Phasen ihres Schaffens zugeordnet. Dada verband die künstlerische und literarische Avantgarde.
Aus dem Dadaismus ging um 1922 der Surrealismus hervor. Die traumähnlich-melancholischen Gemälde von Giorgio De Chirico mit ihren menschenleeren, von rätselhaften Figuren gesäumten Plätzen nahmen den Surrealismus um mehrere Jahre vorweg. Es war der französische Schriftsteller André Breton, der der Bewegung mit seinem Manifest 1924 den Namen gab. Von der Psychoanalyse Sigmund Freuds beeinflusst, stellte er darin die Bedeutung des Unterbewusstseins und der spontanen Inspiration für den künstlerischen Schaffensprozess heraus. Zu den gegenständlich malenden Surrealisten gehören Max Ernst, Salvador Dalí, René Magritte, Paul Delvaux und Man Ray. Hingegen sind Hans Arp, André Masson, Yves Tanguy und Joan Miró einer abstrakten Form des Surrealismus zuzurechnen.
Seit etwa 1850 beeinflusste die Malerei Europas auch Künstler in den Vereinigten Staaten. Der französische Impressionismus etwa prägte die Arbeiten von Childe Hassam und Mary Cassatt. Robert Henri überwand deren zumeist süßlich-epigonalen Stil. Die so genannte Ashcan School widmete sich der Hässlichkeit gewöhnlicher Stadtszenerien, die sie in unprätentiöser Form darzustellen suchen. Fauvismus und Kubismus wurden in Amerika erst durch die Armory Show bekannt, eine 1913 in New York veranstaltete Kunstausstellung. Einige amerikanische Künstler wie Max Weber, Arthur Dove und Marsden Hartley arbeiteten in Europa, wurden hier geprägt und machten die Amerikaner in Alfred Stieglitz’ berühmter New Yorker Gallerie 291 mit ihrem Werk bekannt. Die bevorzugten Bildgegenstände von Charles Demuth, Georgia O’Keeffe und Charles Sheeler waren Wolkenkratzer, Schuppen und Industrielandschaften. Im Bereich der abstrakten Malerei in den USA schuf Stuart Davis auf seinen Gemälden eine rhythmische Verbindung von Schrift und farbigen Flächen. Die Eröffnung des New Yorker Museum of Modern Art (1929) machte die moderne Kunst einer breiten Öffentlichkeit bekannt.
In den dreißiger Jahren entwickelte sich in den USA eine realistische Schule, die in Opposition zur europäischen Malerei einen eigenen Weg in die Moderne suchte. Zu diesen Künstlern gehörten Ben Shahn, Reginald Marsh und William Gropper, die u. a. politische, soziale und wirtschaftliche Probleme während der Weltwirtschaftskrise thematisierten. Die Regionalisten Grant Wood, Thomas Hart Benton und John Steuart Curry hingegen stellten das amerikanische Landleben ins Zentrum ihrer Bilder. Einer der eindrucksvollsten Realisten war Edward Hopper, der die Einsamkeit und Isolation von Menschen in Großstadthotels und Vorstädten darstellte, obwohl er erklärte, sein einziges Interesse sei die Darstellung von Licht. Andrew Wyeth hielt in düsteren Farben das Landleben in Bildern fest, die in ihrer Traumverlorenheit an den Magischen Realismus gemahnen.
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