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Moderne Kunst und ArchitekturEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Eine Reihe von amerikanischen Künstlern begründete später den Abstrakten Expressionismus. Dabei war die Tatsache bedeutend, dass sich zahlreiche Surrealisten während des 2. Weltkrieges als Exilanten in den USA befanden, z. B. Max Ernst und André Breton. Von der surrealistischen Theorie des unbewussten, quasi „automatischen” Schöpfungsprozesses beeinflusst, versuchten diese Maler, vollkommen spontane Bilder ohne jeden Gegenstandsbezug herzustellen. Der Prozess des Malens selbst wurde zum wichtigsten Anliegen, vor allem in den Drip Paintings von Jackson Pollock, bei denen Farbe auf eine Leinwand am Boden getropft wurde. Um das Prozessuale dieser Kunstwerke zu betonen, prägte der Kunstkritiker Harold Rosenberg den Begriff Action Painting. Er schrieb: „Was auf die Leinwand kam, war nicht ein Bild, sondern ein Ereignis. Nicht länger näherte sich der Maler seiner Staffelei mit einem Bild im Kopf; mit Material in der Hand ging er auf sie zu, etwas mit jenem anderen Stück Material ihm gegenüber zu machen. Das Bild sollte das Resultat dieser Begegnung werden.” Andere Künstler des Abstrakten Expressionismus waren Willem de Kooning, Franz Kline, Hans Hofmann und Robert Motherwell. Eine bedeutende Richtung des Abstrakten Expressionismus war das so genannte Color-Field-Painting, bei dem Künstler wie Mark Rothko, Barnett Newman, Ellsworth Kelly, Clyfford Still und Morris Louis große, aufeinander abgestimmte Farbflächen auf die Leinwand auftrugen. Eine europäische Entsprechung des Abstrakten Expressionismus kann man in Informel und Tachismus der fünfziger und sechziger Jahre sehen. Hauptvertreter waren die Maler Wols, Fritz Winter, Hans Hartung, Fred Thieler, Emil Schumacher, Serge Poliakoff und Julius Bissier.
Im Gegensatz zum Abstrakten Expressionismus versuchten die Künstler der Pop-Art, in ihre Bildwelt Elemente der Massenkultur (Werbung, Comicstrips, Film, Warengegenstände etc.) zu integrieren. Bedeutsam war hierbei der Einfluss von Marcel Duchamps Ready-mades. Die wichtigsten Pop-Art-Künstler waren Andy Warhol, Jasper Johns, Robert Rauschenberg, Roy Lichtenstein, Tom Wesselmann und James Rosenquist. Die Nachwirkungen der Pop-Art sind im fotorealismus (oder Hyperrealismus) ablesbar, der Ende der sechziger Jahre entstand und der die sekundäre Zeichenwirklichkeit der modernen Welt mit photographischer Präzision einzufangen suchte. Die Amerikaner Richard Estes, Robert Cottingham, Chuck Close und Don Eddy waren die prominentesten fotorealistischen Maler dieser Zeit. Die Op-Art (Abkürzung für: Optical Art), in der schwarz-weiße Formstrukturen oder starke Farbkontraste zu optischen Illusionen verwendet wurden, war nur eine der neuen Richtungen in der abstrakten Kunst der sechziger und siebziger Jahre in den USA. Eine andere war die Minimal Art, welche in Abgrenzung zum Abstrakten Expressionismus entstand und von den strengen geometrischen Kompositionen von Josef Albers angeregt wurde. Beispiele dieser Kunst sind die strikt geometrischen Formen von Kenneth Noland, die seriellen Muster von Larry Poons sowie die nahezu monochromatischen Gemälde von Robert Ryman. Die internationale Bewegung der Konzept-Kunst (Conceptart) versuchte vor allem in den siebziger Jahren, durch die Projektion von künstlerischen Ideenkonzepten den Denkprozess des Betrachters in Gang zu setzen. Ein wichtiger deutscher Vertreter dieser Kunst war Timm Ulrichs.
Francis Bacon malte Bilder mit einsamen, ausgesetzten und oft schmerzverzerrten Figuren (berühmt wurde das oft variierte Motiv des schreienden Papstes Innozenz X. nach einem Gemälde von Velázquez) einen ganz eigenen modernen Stil. Das Werk David Hockneys mit seinen steril wirkenden Bildern von Badenden in oftmals gekachelten Räumen verbindet abstrakte Elemente zu einer neuen, gleichzeitig dem Realismus verpflichteten Malerei. In den siebziger Jahren formierte sich eine Bewegung, die in ihrer kraftvollen Malerei und ihrer betonten Vitalität auf den deutschen Expressionismus zurückgriff. Zu diesen Neoexpressionisten gehören in Deutschland Georg Baselitz, Jörg Immendorff, Markus Lüpertz und A. R. Penck. Eine Berliner Künstler-Bewegung wurde um 1980 als „Junge Wilde” bekannt. Zu ihr gehörten Helmut Middendorf, Rainer Fetting, Salomé und Bernd Zimmer. Einer ähnlichen Richtung gehört die Kölner Künstlergruppe Mülheimer Freiheit an, zu der Walter Dahn, Jiři Georg Dokoupil, Peter Bömmels und andere gehörten. Anselm Kiefer verbindet Landschafts- und Historienbild. In seinen meist großformatigen Bildern lotet er die Abgründe deutscher Mythen und (Geistes-)Geschichte aus. Aber auch die Italiener Sandro Chia, Francesco Clemente und Enzo Cucchi sowie die Amerikaner Julian Schnabel und David Salle sind dem Neoexpressionismus zuzurechnen.
Wie die modernen Maler, so fanden auch moderne Bildhauer wie Constantin Brancusi und Henry Moore zur Abstraktion. Brancusi versuchte, mit seinen reduzierten Modellen der künstlerischen Urform nachzuspüren. Moore betonte gleichfalls die Schönheit des Materials und schuf elegante, oftmals monumentale Plastiken, die er nach rhythmischen oder architektonischen Aspekten arrangierte.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurden mehrere Bildhauer vom Kubismus beeinflusst, unter ihnen Alexander Archipenko, Raymond Duchamp-Villon und Jacques Lipchitz. In Russland ging es den Konstruktivisten mehr um das Raumgreifende der Plastik. Einer der wichtigsten Vertreter des Konstruktivismus war Wladimir Tatlin, der durch sein Monument für die dritte Internationale (1919/20) berühmt wurde. Diese monumentale Architektur-Plastik (sie sollte 400 Meter hoch werden) wurde allerdings nicht ausgeführt, sie ist nur als Modell erhalten. Andere Konstruktivisten waren Aleksandr Rodtschenko und El Lissitzky, der den Konstruktivismus in den zwanziger Jahren nach Westeuropa brachte. Die konstruktivistischen Werke der Brüder Naum Gabo und Antoine Pevsner wie die des Ungarn László Moholy-Nagy übten später Einfluss auf die abstrakte Kunst der USA aus. Der Dadaist Duchamp schuf 1913 eine mobile (bewegliche) Plastik, indem er das Rad eines Fahrrads auf einen Hocker montierte. Duchamp war es auch, der später für die beweglichen Skulpturen von Alexander Calder den Begriff des Mobiles prägte. In Opposition zur traditionellen Bildhauerei schuf Duchamp in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts seine Ready-mades, darunter ein Flaschentrockner. Etwa gleichzeitig begannen Pablo Picasso, Max Ernst und Man Ray, gefundene Objekte (Objets trouvés) in ihre Werke zu integrieren. Der Effekt war oft surreal, so in Man Rays Das Geschenk (1921, Museum of Modern Art), einem Bügeleisen mit Nägeln. Andere Surrealisten wie Hans Arp schufen abstrakt-organische Plastiken, während Alberto Giacometti die Oberfläche seiner menschlichen Figuren aufbrach, um die verzweifelte Einsamkeit des Menschen sinnfällig zu machen. Calder übernahm die abstrakten und geometrischen Prinzipien des Neoplastizismus in sein Werk: Seine frühen abstrakten Drahtkonstruktionen und sein flächiger Farbstil verdanken sich zum Teil den Ideen von Mondrian. Andere abstrakte Bildhauer waren die Amerikaner Seymour Lipton, Isamu Noguchi, David Smith und Mark di Suvero sowie der Brite Anthony Caro.
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