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Moderne Kunst und Architektur

Enzyklopädieartikel
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Joseph Maria Olbrich: Secessionsgebäude in WienJoseph Maria Olbrich: Secessionsgebäude in Wien
Artikelgliederung
3.2. 1

Jugendstil

In Frankreich wurde der Jugendstil als Art Nouveau bekannt. Bezeichnenderweise geht dieser Begriff auf das Pariser Geschäftshaus La Maison de L’Art Nouveau zurück: Die enge Verbindung von Kunststil und architektonischer Umsetzung wird so unterstrichen. In Österreich spiegeln sich die Ideale des Jugendstils im Secessionsstil wieder. Auch hier wird das Zusammenwirken von Architektur und Kunstauffassung evident: So steht auf der Fassade des Wiener Secessionsgebäudes der Wahlspruch der Bewegung: „Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit” eingeschrieben. Die Architektur des Jugendstils ist denn auch durch eine freie Verwendung verschiedener Materialien und durch wuchernde Ornamente gekennzeichnet. Geschwungene, organische Formen bestimmen die Entwürfe. Besonders charakteristisch für den Art-Nouveau-Stil sind die von Hector Guimard um 1900 geschaffenen Eingänge der Pariser Metrostationen. In Barcelona entwarf Antonio Gaudí in einer ganz eigenen Jugendstilvariante eine Reihe von Gebäuden, die meist ohne rechte Winkel auskommen. Gaudís Lebenswerk ist die unvollendet gebliebene Kirche der Sagrada Familia (begonnen 1903). In Schottland schuf der Jugendstilarchitekt Charles Rennie Mackintosh den Neubau der Glasgower Kunstschule (1897-1899; Bibliotheksflügel 1907-1909) in geradlinig-geometrischer Formgebung und starker Betonung der Vertikalen. Sein Einfluss mäßigte die ausufernde Ornamentik des Wiener Jugendstils.

3.2. 2

De Stijl

Die holländische Künstlervereinigung De Stijl entstand 1919 um die Architekten J. J. P. Oud, Theo van Doesburg und Gerrit Rietveld, dessen Schröder-Haus in Utrecht (1924/25) die Ziele der Bewegung illustriert: Das Gebäude besteht aus rechtwinklig verschachtelten Flächen, deren Oberflächen in Weiß oder in Primärfarben gehalten sind. Dabei spielten die Aussparung redundanter Details sowie die Vermeidung von Symmetrie und Wiederholung eine wichtige Rolle. Die geometrische Architekturkonzeption von De Stijl wurde für die moderne Bauweise entscheidend.

3.2. 3

Sullivan und Wright

Für die Entwicklung der modernen Architektur waren die Amerikaner Louis Sullivan und Frank Lloyd Wright von einschneidender Bedeutung. Louis Sullivan trug entscheidend zum Entwurf der Wolkenkratzer bei (Chicagoer Schule). Zusätzlich schuf er ein höchst eigenwilliges Blattwerkornament, das ihn mit dem Jugendstil verbindet. Sein Carson Pirie & Scott Store in Chicago (1899-1904) zeigt bereits jene die Horizontale betonenden Fensterfronten, die für viele moderne Bauwerke typisch wurden. An den unteren Stockwerken ließ Sullivan ornamentale Verzierungen anbringen.

Frank Lloyd Wright war ein Schüler Sullivans. Schon vor 1900 begann er seine Reihe von Prärie-Häusern, wobei das Robie House in Chicago (1908) das bedeutendste ist. Wrights Prärie-Häuser hatten großen Einfluss auf De Stijl und auf Walter Gropius. Auch in den USA scharte Wright Studenten und Assistenten um sich, die in den Kolonien Taliesin Ost bei Madison (Wisconsin) und Taliesin West bei Phoenix (Arizona) arbeiteten. Berühmt wurde auch Wrights Wohnhaus Falling Water (1936/37), in Bear Run (Pennsylvania), das architektonische und natürliche Elemente (einen Wasserfall) zu harmonisieren sucht. Ein anderer charakteristischer Entwurf Wrights ist der des Guggenheim Museums in New York (1946-1959).

3.3

Wagner, Loos, Bauhaus

In Wien schufen die Architekten Otto Wagner und Adolf Loos ihren eigenen, vom Jugendstil beeinflussten und ihn gleichzeitig überwindenden Stil. In Betonung des Funktionalen – bei Wagner durch Verwendung neuer Materialien und eine Sichtbarmachung der Gebäudestruktur, bei Loos durch eine radikale Ablehnung des Ornaments – trugen sie entscheidend zur Entwicklung der modernen Architektur bei. Ähnliches bewirkte Walter Gropius, der 1919 die Weimarer Kunstgewerbeschule übernahm. Mit seinem Partner Adolf Meyer hatte sich Gropius bereits mit Entwürfen für Fabrikgebäude einen Namen gemacht. Die unter Gropius in Bauhaus umbenannte Schule übersiedelte bald nach Dessau: Die neuen, funktional-offenen Gebäude (1925/26) stehen ganz im Zeichen einer neuen Kunstauffassung. Bezeichnend für den Bauhaus-Stil ist auch die gemeinschaftlich geplante Weißenhofsiedlung nahe Stuttgart, die unter Aufsicht von Ludwig Mies van der Rohe entstand. (Mies von der Rohe hatte 1930 die Leitung des Bauhauses übernommen.)

3.3. 1

Soziale Ziele des Bauhauses

Die Architekturauffassung des Bauhauses verfolgte auch ein sozial ausgerichtetes Programm, das in einer vom Krieg beschädigten Gesellschaft neue Möglichkeiten des Zusammenlebens zu schaffen suchte. Ziel war es, den urbanen Raum für die dort ansässigen Menschenmassen günstig und ästhetisch ansprechend bewohnbar zu machen. Nach diesem Grundsatz entstanden Arbeitersiedlungen in Wien, Berlin und Frankfurt am Main.

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