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Moderne Kunst und ArchitekturEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Ausgehend von dieser sozialen Orientierung nutzten die Architekten des Bauhauses die Vorteile industrieller Massenproduktion. Durch die Stahlrahmenbauweise etwa konnten vergleichbar kostengünstige Wand- und Deckenkonstruktionen geschaffen werden. Stütz- und Tragpfeiler wurden überflüssig. Dabei verzichtete das Bauhaus auf traditionelle Architekturelemente nahezu gänzlich und vermied (bei gleichzeitiger Beachtung „guter” Proportionen allerdings) die klassische Symmetrie. Mies van der Rohe war es, der vom sozialen Konzept des Bauhauses erstmals abwich. Bereits in seinem Deutschen Pavillon für die Internationale Ausstellung in Barcelona (1929) und in seinem Haus Tugendhat in Brünn (1930) nutzte er kostbare Baumaterialien, um die vom Bauhaus propagierten Ziele auch in anderen Bereichen als dem sozialen Wohnungsbau nutzbar zu machen.
1933 wurde das Bauhaus von den Nationalsozialisten aufgelöst. Gropius und Mies van der Rohe emigrierten in die USA. Gropius erhielt 1937 einen Lehrstuhl für Architektur an der Harvard University, wo er bis 1952 die Ideen des Bauhauses propagierte. Sein begabtester Schüler war Marcel Breuer, der bereits 1920 beim Bauhaus mitarbeitete. Breuers Gebäude, so das New Yorker Whitney Museum of Modern Art (1966), verbinden Ästhetik und Funktionalität in vollendeter Weise. Mies van der Rohe ging nach Chicago, wo er die Entwicklung der Wolkenkratzerarchitektur vorantrieb. Damit wurden Versuche der zwanziger Jahre – so der Entwurf eines Glashochhauses in der Berliner Friedrichstraße – wieder aufgenommen. Die Probleme der Stahlskelettkonstruktion löste er eindringlich in seinen 860 Lake Shore Drive Apartments in Chicago (1950-1952) und im New Yorker Verwaltungsgebäude Seagram Building (1956-1959). Letzteres baute er in Zusammenarbeit mit Philip Johnson, der mit seinen Schriften und Entwürfen die Architektur der USA prägte.
Unter den Protagonisten der modernen Architektur ragt Le Corbusier besonders heraus. Le Corbusiers Schaffen soll deshalb hier ausführlicher dargestellt werden.
Le Corbusiers frühe Bauten wie die Villa Savoie (1929/30) im französischen Poissy-sur-Seine zeigen einige seiner frühen Ideen: das Aufsetzen der Deckenkonstruktion auf schlanke, Piloten genannte Pfeiler, was eine Massenbauweise ermöglichte, die freie Aufteilung des Innenraums, die Licht schaffende Verwendung von Fensterreihen und die Einrichtung von Dachgärten. Le Corbusiers urbane Konzepte wollten das Stadtbild revolutionieren: In seinen Entwürfen sind gleich große, symmetrisch angelegte Wolkenkratzer von Parkanlagen umsäumt, über die hoch trassierte Autobahnen führen. Allerdings waren diese Vorstellungen Le Corbusiers nicht praktikabel. Andere Entwürfe für Großbauten der zwanziger und dreißiger Jahre, die zudem den Materialaspekt des Gebäudes betonen, wurden ausgeführt.
Nach dem 2. Weltkrieg realisierte Le Corbusier seine Vision in der Unité d’Habitation (1947-1952), einem Appartementhaus in Marseille. Hier arbeitete er konsequent mit den Möglichkeiten von Stahlbeton. Auch betonte Le Corbusier die Baustruktur mittels Sichtbeton. Mit seiner Verwendung von Beton griff Le Corbusier auf ein Konzept zurück, das der französische Urbanist Tony Garnier bereits 1904 konzipiert hatte. Mit seiner Cité Industrielle wollte er seine Heimatstadt Lyon durch eine reine Betonstadt ersetzt wissen. Auguste Perret, ein weiterer Landsmann Le Corbusiers, hatte schon 1902 in Paris Gebäude aus bloßem Beton entworfen. Auch schuf er in La Raincy die bemerkenswerte Betonkirche Nôtre Dame (1922/23).
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