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Moderne Kunst und ArchitekturEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Mit der Verwendung unverputzter Installationselemente hatte Le Corbusier eine Entwicklung in der modernen Architektur eingeleitet, die Brutalismus (nach béton brut, französisch: roher Beton) genannt wurde und die vor allem englische Architekten beeinflusste. In den fünfziger Jahren entwarf Le Corbusier gemeinsam mit anderen die Hauptstadt Chandigarh für den Punjab im Nordwesten Indiens. Das Sekretariatsgebäude und die Gerichtshöfe übten vor allem auf die japanische Baukunst einen bedeutenden Einfluss aus. Zwei Sakralbauten krönen Le Corbusiers außerordentliche Laufbahn: die Wallfahrtskirche von Ronchamp mit ihrem siloartigen Turm und der gewagten Dachkonstruktion (1950-1954) sowie das streng in der Manier des Brutalismus angelegte Dominikanerkloster La Tourette in Eveux bei Lyon (1957-1960).
Zu den herausragenden Namen der modernen Architektur in Skandinavien gehören u. a. die des Schweden Erik Gunnar Asplund und des Dänen Arne Jacobsen. Der Finne Eliel Saarinen übersiedelte 1922 in die USA, wo er die Amerikaner mit der europäischen Moderne vertraut machte. Auch sein Sohn Eero schuf wichtige Beispiele moderner Architektur. Einer der wichtigsten Architekten des 20. Jahrhunderts war der Finne Alvar Aalto. Im Internationalen Stil entwarf Aalto das Sanatorium in Paimio (1929-1933), das aus rechtwinklig angeordneten weißen Flächen besteht. Später wandte er sich von dieser (als steril empfundenen) Bauweise ab und entwickelte einen „humanen” Stil, für welchen er die„warmen” Baumaterialien Ziegelstein, Holz, Keramik und Kupfer miteinander verknüpfte. Auch fand er von der geometrischen zu einer eher organischen Formensprache zurück. Durch Oberlichter wurde das Tageslicht zum wichtigen Bestandteil der Raumstruktur. Aaltos Rathaus für das finnische Inselstädtchen Säynätsalo (1950-1952) besitzt im Erdgeschoss Geschäfte, über denen sich Verwaltungsgebäude erstrecken. Auch Aaltos Kirche in Vuoksenniska (1956-1958) verbindet verschiedene Funktionsebenen zu einem Ganzen: Dem mit einem hoch aufragenden Glockenturm versehenen Sakralraum ist gleichzeitig ein Sozialzentrum beigegliedert.
Nach dem 2. Weltkrieg wurden zahlreiche öffentliche Gebäude im Stil der Architektur Mies van der Rohes gestaltet.
Einer der herausragenden Architekten der Stahlbetonbauweise war Pier Luigi Nervi. Der Einsatz großer Kräne machte es zudem möglich, ganze Hochhäuser aus Beton zu errichten. Der in China geborene amerikanische Architekt I. M. Pei schuf hierfür eindrucksvolle Beispiele, auch wenn er andernorts, so bei der Erweiterung der Nationalgalerie in Washington (1978), edlere Materialien wie Marmor verwendete. Der experimentierfreudige Eero Saarinen wiederum schuf Zwischen- und Blendwände aus Glas und Metall, so im General Motors Technical Center in Warren (Michigan; 1951-1957), bei dem der Einfluss Mies van der Rohes noch deutlich spürbar ist. Bedeutsam sind Saarinens Bauten in der Schalenbauweise, so beim Kresge Auditorium des Massachusetts Institute of Technology in Cambridge (1953-1955).
Ausgehend von seinem Interesse am Archetypischen schuf Louis I. Kahn zahlreiche moderne Bauten, die frühe Zeugnisse des Brutalismus sind. Beim Richards Medical Research Building der Universität Pennsylvania (1958-1961) sind die Versorgungselemente in rechteckigen Türmen untergebracht, die vom Rest des Gebäudes abstehen – so werden die unterschiedlichen Funktionsebenen des Baues bereits an seiner Gestaltung ablesbar. Kahns zentralisierender Grundriss der neuen Hauptstadt für Bangladesch, Dacca (1962-1974), bezog bewusst das Spiel von Licht und Schatten in seine Architektur mit ein.
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