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Windows Live® Suchergebnisse GildensozialismusEnzyklopädieartikel
Gildensozialismus, eine Bewegung zur praktischen Verwirklichung des Sozialismus, die in der Arbeiterbewegung Großbritanniens in den beiden ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts als Alternative zum Kapitalismus diskutiert und angestrebt wurde. Die bedeutendsten Führer dieser sozialen Bewegung waren neben ihrem Begründer A. J. Petty, A. R. Orage, S. G. Hobson und der britische Wirtschaftswissenschaftler George Douglas Howard Cole. Die Gildensozialisten hielt zwar am Gedanken des Klassenkampfes fest, statt Verstaatlichungen strebten sie allerdings industrielle Selbstverwaltung an. Dies sah im Wesentlichen vor, dass Besitz und Betrieb der Mittel für Produktion und Distribution sowie deren Austausch landesweit in den Händen industrieller Gilden liegen sollte, die sich wesentlich von den mittelalterlichen Gilden unterscheiden sollten. Jede dieser 15 modernen Gilden sollte die folgenden Eigenschaften besitzen: In ihr sollten alle Arbeiter – Verwalter und Techniker sowie Büropersonal und Handwerker – zusammengeschlossen werden, die dem jeweiligen Industrie- oder Handelsbereich oder dem Berufszweig angehörten, für den die Gilde zuständig sein würde; die Gilde sollte die Selbstverwaltung in der Produktion ermöglichen; ihre Funktionäre sollten demokratisch gewählt werden. Die Verwaltung sollte ebenfalls von den Arbeitern gewählt werden, deren Arbeit sie überwachen würden. Die Arbeiter sollten aber nach basisdemokratischen Grundsätzen das Recht haben, die Verwaltung wieder abzuberufen. Die Stellung des Staates in dieser utopischen Gesellschaftsordnung war Gegenstand von Meinungsverschiedenheiten unter den Gildensozialisten. Einige meinten, der Staat solle nur für die Erhaltung der öffentlichen Ordnung sorgen sowie für Außenpolitik und Verteidigung zuständig sein. Andere wieder, besonders Cole, befürworteten ein Regierungssystem aus Kommunen. Diesen Kommunen, in denen die Verbraucher und Produzenten durch eigene Organisationen vertreten sein sollten, sollte die Verantwortung für die nationale Wirtschaftsplanung, die Legislative, die Finanzhoheit, die Außenpolitik sowie die Verteidigungspolitik übertragen werden. Die meisten Gildensozialisten glaubten, dass der Wechsel vom Kapitalismus zum Sozialismus eher auf wirtschaftlicher als auf politischer Ebene erfolgen würde. Anstelle politischer Aktivitäten befürworteten sie das Prinzip der fortschreitenden Kontrolle (encroaching control), d. h., die Arbeiter sollten durch Gewerkschaftsaktivitäten nach und nach die Verwaltung von Industriebetrieben übernehmen und schließlich die privaten Eigentümer ablösen. Die erste organisierte Körperschaft, die den Prinzipien des Gildensozialismus verpflichtet war, war das Guilds Restoration Movement, das 1906 gegründet und 1915 durch die National Guilds League abgelöst wurde. Mitte der zwanziger Jahre sank die Zahl der Mitglieder der Vereinigung, während gleichzeitig Mitgliederzahl und Einfluss der Labour Party wuchsen. 1930 löste sich die Vereinigung auf. In der Labour Party aber wirkte das Erbe des Gildensozialismus fort: Mitbestimmung der Arbeiterschaft an der Verwaltung der Industrien wurde über Jahrzehnte hinweg zu einer der Hauptforderungen der Partei. Mit der Sozialisierung großer Industriezweige nach dem 2. Weltkrieg wurde eine Hauptforderung des Gildensozialismus in praktische Politik umgesetzt.
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