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AustralienEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Die ursprünglichen Bewohner des australischen Kontinents, die dunkelhäutigen Aborigines, wurden durch die eingewanderten Europäer völlig verdrängt. Sie stellen heute nur noch einen Bevölkerungsanteil von etwa 2,5 Prozent. Nahezu 95 Prozent der australischen Bevölkerung sind europäischer Abstammung, wobei die überwiegende Mehrheit britische oder irische Vorfahren hat. Asiaten stellen einen Bevölkerungsanteil von etwa 1,5 Prozent. Nach dem 2. Weltkrieg kam es zu bedeutenden Umwälzungen in der Bevölkerungsstruktur. Vor dem 2. Weltkrieg waren über 95 Prozent der Bevölkerung britischer oder irischer Abstammung. Die Einwanderungswellen in der Nachkriegszeit zogen nicht nur große Mengen an Einwanderern von den Britischen Inseln nach Australien, sondern auch vom europäischen Festland. Seitdem sind allein mehr als zwei Millionen Festlandeuropäer nach Australien eingewandert. Ab den sechziger Jahren entspannte sich die Handhabung der so genannten „White Australia Policy”, die der Einwanderungspolitik der Kolonie und des späteren Staates über 100 Jahre lang zugrunde lag, sie wurde schließlich 1973 offiziell abgeschafft. Anfänglich stammten die meisten nichteuropäischen Immigranten aus Lateinamerika und dem Nahen Osten, vor allem aus dem Libanon. Seit den späten siebziger Jahren sind die Einwanderungszahlen aus Asien, vor allem aus Südostasien und China, stark angestiegen. Bei den frühen Immigranten aus Südostasien handelte es sich häufig um Flüchtlinge. Die Auswertung der Volkszählung von 1991 unterstreicht diesen Wandel. Die Angaben für im Ausland geborene Australier zeigen, dass 22,5 Prozent in Großbritannien oder Irland, 30 Prozent in anderen europäischen Ländern und 21 Prozent in Asien und im Nahen Osten geboren wurden. Australien hat etwa 20,6 Millionen Einwohner (2008). Die Bevölkerungsdichte liegt damit bei rund 2,7 Einwohnern pro Quadratkilometer. Allerdings wohnen circa 90 Prozent der Gesamtbevölkerung auf nur ungefähr 3 Prozent der Landesfläche. Der Verstädterungsgrad beträgt 93 Prozent; ein Großteil der ländlichen Bevölkerung wohnt in einem schmalen, fruchtbaren Streifen, der sich ungefähr von Brisbane in Queensland bis nach Adelaide in South Australia erstreckt und im Landesinneren durch die Westausläufer der Great Dividing Range begrenzt wird. Die am schnellsten wachsende Region befindet sich an der Ostküste von Queensland und erlebt durch die Nähe zum stark expandierenden Wirtschaftsraum Südostasien einen rasanten Aufschwung. Die Küstengebiete in der Umgebung der Großstädte im Osten, Südosten und Südwesten des Festlandes sind ebenfalls in schnellem Wachstum begriffen. Die übrigen 97 Prozent der Landesfläche von Australien sind entweder nahezu oder völlig unbewohnt. Hier beläuft sich die Bevölkerungsdichte auf weniger als 0,03 Menschen pro Quadratkilometer. Eine durchschnittliche Bevölkerungsdichte von 0,3 Menschen pro Quadratkilometer wird erst im Bereich der semiariden Weidelandflächen im Binnenland von Queensland, New South Wales und South Australia erreicht, wo sich riesige Vieh- und Schafzuchtbetriebe befinden, und in den Gegenden um die wenigen Siedlungen im Landesinneren und an der West- und Nordküste. Zu Letzteren gehören Alice Springs und Darwin im Northern Territory, Kalgoorlie und Boulder in Western Australia, die Region an der Westküste zwischen Dampier und Port Hedland und die Diamantfelder in der Kimberley-Region. Anfang der neunziger Jahre belief sich das jährliche Bevölkerungswachstum auf 1,4 Prozent, 2008 lag es bei 0,80 Prozent. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt für Frauen bei 83,8 Jahren und für Männer bei 77,9 Jahren (2008). Die Lebenserwartung der Aborigines, die noch in den abgelegenen Regionen im australischen Inland leben und häufig mit Lebensbedingungen konfrontiert sind, die eher denen eines Entwicklungslandes gleichen, ist weitaus niedriger.
Die Aborigines kamen vermutlich vor etwa 60 000 bis 40 000 Jahren aus Asien nach Australien. Damals war der Meeresspiegel verhältnismäßig niedrig, so dass zwischen dem asiatischen und dem australischen Kontinent eine nahezu durchgehende Landbrücke bestand. Durch den Anstieg des Meeresspiegels wurde diese Verbindung später überflutet. Tasmanien wurde vor etwa 13 500 bis 8 000 Jahren ebenfalls durch den Anstieg des Meeresspiegels vom australischen Festland getrennt. Die hier beheimateten Aborigines erfuhren infolgedessen eine andere kulturelle Entwicklung als die Bewohner auf dem australischen Festland. Bei diesen ersten Australiern handelte es sich um nomadisierende Sammler und Jäger, die dank ihrer genauen Kenntnisse der örtlichen Gegebenheiten, Vorkommen, Eigenschaften und Merkmale der australischen Pflanzen- und Tierwelt sowie der herrschenden Klimabedingungen überleben konnten. Die Aborigines setzten Feuer als Mittel ein, den Wuchs derjenigen Gräser zu fördern, die von Kängurus und anderen Jagdtieren bevorzugt werden. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass sie systematisch ernteten und Pflanzensamen säten, um die Entwicklung von Grasland zu beschleunigen, und dass sie außerdem Dämme errichteten und Flüsse, Sümpfe und Seebuchten veränderten, um durch Wasserumleitungen Fischgründe leichter zugänglich zu machen. In technischer Hinsicht war ihr Leben einfach. Die wichtigsten Gebrauchswerkzeuge waren Speere und Blasrohre, Bumerangs, Nadeln, Spulen, Holzschüsseln, Wasserblasen aus Tierhäuten, geflochtene Matten und Taschen aus Gräsern. Es wurden außerdem Kanus und Flöße aus Rinde und so genannte Einbäume verwendet, die aus einzelnen ausgehöhlten Holzstämmen angefertigt und gelegentlich mit Segeln aus geflochtenen Gräsern versehen wurden. Die Arbeitsteilung erfolgte nach Geschlecht: Männer und ältere männliche Jugendliche jagten große Tiere, Frauen sammelten essbare Früchte und Pflanzenteile und gingen auch auf die Jagd nach Kleintieren. Trotz dieser Aufteilung machten es die Lebensbedingungen erforderlich, dass alle Erwachsenen alle Fähigkeiten besaßen, um ihr Überleben zu sichern. Im Kontrast zu der relativ unkomplizierten Struktur des wirtschaftlichen Lebens und der Technik entwickelten die australischen Aborigines eine komplexe Sozialstruktur und eines der umfangreichsten Glaubensgefüge, das sämtliche Lebensbereiche mit einbezog. Ihre Weltauffassung drehte sich um die Traumzeit, ein kompliziertes und allumfassendes Konzept, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichermaßen einbezieht und ebenfalls die Zeit der Erschaffung zum Anbeginn der Zeit umfasst, während der mythische Wesen das Land formten, es mit Tieren, Menschen und Pflanzen besiedelten und dem sozialen Zusammenleben eine erste Form verliehen. Zu den Grundwerten der Aborigines gehörten Selbstlosigkeit und die sorgfältige Erfüllung sozialer und religiöser Verpflichtungen. Der Status war nicht vom Besitz abhängig, der nur aus religiösen Gründen oder aufgrund seines praktischen Nutzens von Bedeutung war. Der Handel spielte eine wichtige Rolle, der ganze Kontinent war von einem Netzwerk von Handelsrouten überzogen. Die Handelsgüter waren häufig sehr seltene Objekte oder besaßen eine überragende soziale oder religiöse Bedeutung, und ihr Zweck war die Aufrechterhaltung und Förderung der Bindungen und Freundschaft zu anderen Gruppen. Die Aborigines bevölkerten und nutzten den gesamten Kontinent, indem sie sich an die unterschiedlichen geographischen und klimatischen Gegebenheiten von tropischen Regenwäldern über niederschlagsreiche gemäßigte Landstriche bis zu den trockenen Wüsten angepasst hatten. Als 1788 die erste europäische Siedlung entstand, gab es vermutlich zwischen 300 000 und einer Million Aborigines und mehr als 250 verschiedene australische Sprachen; die Zahl der großen, gegenüber anderen kulturell und räumlich abgrenzbaren Bevölkerungsgruppen belief sich auf ungefähr 50; sie wurden nach der von ihnen gesprochenen Sprache benannt. Die Europäer bezeichneten sie häufig als „Stämme”, aber obwohl sie gemeinsame kulturelle Merkmale aufwiesen, waren sie keine wirtschaftlichen oder politischen Einheiten, und sie verstanden sich auch nicht als durch gemeinsame kulturelle und ethnische Charakteristika definierte Völker oder Nationen. Ihr Identitätsbewusstsein schöpften sie vielmehr aus familiären und lokalen Beziehungen und Gruppierungen. Die Ankunft der Europäer entwickelte sich für die Aborigines zu einer Katastrophe. Die Kommunikation zwischen den beiden Gruppen war minimal, und die Kluft zwischen den unterschiedlichen Kulturen hätte kaum größer sein können. Die Aborigines wurden schon bald von den fruchtbareren Küstenstrichen vertrieben und ins Landesinnere abgedrängt. Widerstand wurde mit „Befriedung durch Gewalt” begegnet. Solchen Maßnahmen fielen unzählige Aborigines zum Opfer; noch mehr starben jedoch infolge von Krankheiten, die die Siedler ins Land eingeschleppt hatten. In Tasmanien und im Südosten Australiens verschwand die Urbevölkerung nahezu vollständig, in den anderen Teilen des Kontinents ging im ersten Jahrhundert nach der Besiedlung durch Weiße die Bevölkerungszahl dramatisch zurück. Diejenigen, die überlebten, wurden häufig brutalen, so genannten Zivilisierungsversuchen durch Missionare und andere Weiße unterworfen. Die Aborigines gingen ohne Gegenwehr physisch und kulturell zugrunde, so dass man Mitte des 19. Jahrhunderts annehmen konnte, dass die Aborigines einschließlich ihrer Kultur rasch verschwinden würden. 1920 belief sich die Zahl der Aborigines auf nur noch rund 60 000 Menschen. Bis zu den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts lebte die verbliebene Urbevölkerung vorwiegend in ländlichen Gegenden. Dann übersiedelten jedoch immer mehr Aborigines in Städte, wobei die Hauptstädte der Bundesstaaten und die größeren Provinzstädte besonders starken Zustrom erhielten. Die Zugezogenen stießen bei der weißen Mehrheit meist auf Misstrauen und schlossen sich oft zu kleinen, ghettoartigen Gemeinschaften zusammen, die dem zunehmenden politischen Bewusstsein als Nährboden dienten, das in den sechziger Jahren bei den Aborigines entstanden war. Zu dieser Zeit waren der soziale Status und die politische Bedeutung der Aborigines so gering, dass man sie bis 1971 noch nicht einmal in die Volkszählung einschloss, und erst ab 1967 erfasste die Gesetzgebung auch die Aborigines. Die Bedenken der Weißen wegen der Gleichstellung der Aborigines in Bereichen wie Arbeitslohn und Bürgerrechte wichen schon bald der Furcht vor dem Anspruch der Aborignies auf Land mit besonderer kultureller und religiöser Bedeutung. Bei der Volkszählung von 1991 wurden 265 500 Aborigines gezählt, einschließlich knapp 27 000 Torresstraße-Insulaner, die häufig in die ethnische Gruppe der Aborigines eingeordnet und nicht als eigenständige Gruppe betrachtet werden; 2001 war die Zahl der Aborigines auf 410 000 gestiegen. Dieser beeindruckende Anstieg im Vergleich zu den Zahlen aus den zwanziger Jahren ist nur teilweise das Ergebnis von höheren Geburtenraten; er ist auch auf die Wiederentdeckung der eigenen Identität zurückzuführen. Die meisten Aborigines leben heute in New South Wales und Queensland (jeweils etwa 26 Prozent der Aborigines), in Western Australia (15,7 Prozent) und im Northern Territory (15 Prozent). Mehr als 70 Prozent wohnen in Städten. Die traditionelle Lebensweise der australischen Ureinwohner ist ungeachtet der Tatsache, dass das Interesse an dem komplexen Lebenskonzept der Aborigines stetig zunimmt und mittlerweile auch in Schulen die Kultur der Aborigines Unterrichtsstoff ist, stark bedroht. In den neunziger Jahren hatten schätzungsweise nur noch 10 000 Aborigines unmittelbare Erfahrungen mit der traditionellen Lebensweise ihrer Kultur, und zwar vor allem im ländlich geprägten Northern Territory. Jede Region Australiens wird durch einen eigenen Landrat der Aborigines vertreten, und in den meisten Regionen gibt es Zentren und Festivals, die diese besondere Kultur würdigen. Die ethnische Identität der Aborigines drückt sich mittlerweile auf unterschiedliche Art und Weise in Kunst, Popmusik, Literatur, Politik und Sport aus. Die Aborigines konnten sich mehrmals in Fragen um Landrechte juristisch durchsetzen; sie konnten sich das Eigentumsrecht über ausgedehnte Landstriche im Norden und im zentralen Bereich Australiens sichern. Gleichzeitig sind sie jedoch immer noch mit beträchtlichen sozialen und wirtschaftlichen Nachteilen konfrontiert. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung ist wesentlich geringer als die der restlichen Bevölkerung. Probleme wie Arbeitslosigkeit, niedrige Familieneinkommen, die Abhängigkeit von Sozialleistungen und die hohen Kindersterblichkeitsraten sind sehr viel ausgeprägter und akuter als in der Gesamtbevölkerung, obwohl u. a. Bildungseinrichtungen und die medizinische Versorgung gefördert und ausgebaut wurden.
Hinsichtlich der städtischen Struktur kann Australien als Land der Vorstädte bezeichnet werden. Die Städte sind großräumig angelegt, und etwa 60 Prozent der australischen Gesamtbevölkerung leben in den Ballungsgebieten der sechs Staatshauptstädte und in Canberra. Sydney (4,12 Millionen Einwohner) ist die älteste und größte Stadt Australiens. Sie ist nicht nur das bedeutendste Finanz- und Handelszentrum des Kontinents, sondern besitzt auch einen der wichtigsten Häfen. Außerdem umfasst Sydney eines der größten Vorortgebiete der Welt und übertrifft Peking größenmäßig um das Doppelte, Rom sogar um das Sechsfache. Weitere bedeutende Städte sind: Melbourne (3,59 Millionen Einwohner), Brisbane (1,76 Millionen Einwohner), Perth (1,45 Millionen Einwohner) und Adelaide (1,11 Millionen Einwohner). Canberra, die Hauptstadt Australiens, hat etwa 373 000 Einwohner (2003).
Die Amtssprache ist Englisch. Das australische Englisch ist sehr stark am so genannten Standard English angelehnt (siehe englische Sprache). Es hat aber einige Besonderheiten, die z. B. die Aussprache, den Wortschatz oder die Ausdrucksweise betreffen. So wird beispielsweise für das Englische to be angry (wütend sein) im australischen Englisch to be ropable synonym verwendet – in Anlehnung an wild gewordene Schafe, die sich nur mit einem Seil (englisch rope) bändigen lassen. Die Sprachen der Aborigines und andere Sprachen werden in ethnischen Gemeinden und Gruppierungen gesprochen (australische Sprachen). Zahlreiche Begriffe aus den Sprachen der Aborigines haben auch Eingang ins australische Englisch gefunden (z. B. boomerang, kangoroo, wallaby). Von den einst über 250 Sprachen der Aborigines sind in lehrbarer Form nur rund 50 Sprachen erhalten geblieben. In letzter Zeit bemüht man sich verstärkt darum, die verbliebenen Sprachen der Ureinwohner zu schützen.
Australien hat keine Landeskirche; die australische Verfassung garantiert Religionsfreiheit. Die Mehrheit der Bevölkerung bekennt sich zum Christentum, praktiziert den Glauben aber kaum. Größte christliche Glaubensgemeinschaften sind die römisch-katholische Kirche und die anglikanische Kirche, die jeweils etwa 26 Prozent der Gesamtbevölkerung auf sich vereinen. Fast 25 Prozent bekennen sich zu anderen christlichen Konfessionen, vor allem zum Protestantismus. Es gibt jedoch auch orthodoxe Gemeinden der östlichen Kirchen. Darüber hinaus bestehen in Australien jüdische, buddhistische und islamische Gemeinden. Seit den siebziger Jahren ist die Zahl der Buddhisten und Muslime stark angestiegen.
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