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AustralienEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Das australische Verteidigungswesen stammt in seinem Aufbau aus dem Jahr 1911, als die Regierung des Commonwealth die allgemeine Wehrpflicht einführte. Die australische Marine (Royal Australian Navy) wurde 1913 gegründet. Die Beteiligung australischer Soldaten am 1. Weltkrieg erfolgte über die britische Luftwaffeneinheit des Royal Flying Corps. Die eigene australische Luftwaffe entstand erst 1921. Der erste feindselige Akt der Aggression auf australischem Gebiet erfolgte während der Anfangsphase des 2. Weltkrieges in Form der Bombenangriffe japanischer Kampfflugzeuge auf Darwin. Australische Truppen waren im 19. Jahrhundert an mehreren militärischen Feldzügen der Briten beteiligt, u. a. dem Krimkrieg, dem Sudanfeldzug (1897-1899) und dem Burenkrieg. Einsätze australischer Truppen erfolgten außerdem in beiden Weltkriegen, dem Koreakrieg, dem Vietnamkrieg und dem Golfkrieg. Der Wehrdienst in den bewaffneten Streitkräften Australiens ist freiwillig. Obwohl die australischen Streitkräfte zahlenmäßig als klein zu bezeichnen sind, verfügen sie doch über moderne Waffen und Ausrüstung. Frauen sind seit 1993 zum freiwilligen Dienst an der Waffe zugelassen. Im Brennpunkt der australischen Verteidigungspolitik steht seit den frühen fünfziger Jahren der bilaterale militärische Verteidigungs- und Unterstützungspakt ANZUS (Australien, New-Zealand, USA), der 1952 mit den Vereinigten Staaten von Amerika und mit Neuseeland geschlossen wurde. Als sich Neuseeland Mitte der achtziger Jahre weigerte, Kriegsschiffen mit Nuklearwaffen an Bord die Einfahrt in seine Häfen zu gestatten, suspendierten die Vereinigten Staaten von Amerika die Übereinkünfte des ANZUS-Bündnisses mit diesem Land. Die Regelungen mit Australien blieben davon jedoch unangetastet. Zwischen Australien und Neuseeland bestehen ebenfalls militärische Abkommen.
Australien ist Mitglied der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organization for Economic Cooperation and Development, kurz OECD) der führenden Industrienationen. Die wirtschaftlichen Hauptstützen des Landes sind zum einen der Dienstleistungssektor und zum anderen der Export von Lebensmitteln, Rohstoffen sowie verschiedenen Fertigprodukten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 781 Milliarden US-Dollar (2006). Davon entfielen auf den Dienstleistungssektor 69,6 Prozent, auf die Industrie 27 Prozent und auf die Landwirtschaft 3,3 Prozent. Das BIP pro Kopf errechnet sich zu 37 704,10 US-Dollar. Die Arbeitslosenquote lag 2004 bei 5,4 Prozent. Die Landwirtschaft und der Bergbau spielten nicht nur in der geschichtlichen Entwicklung Australiens eine zentrale Rolle, beide gehören auch heute noch zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren des Landes. Obwohl auf die Agrarwirtschaft weniger als 5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes fallen, erzielt dieser Sektor immerhin gut ein Drittel der gesamten Exporteinnahmen. Australien gehört weltweit zu den wichtigsten Exportländern für Weizen, Fleisch und Wolle. Allein bei Wolle erzeugen australische Betriebe über 25 Prozent des Jahresvolumens der Weltproduktion. Das Land ist einer der größten Rohstofflieferanten der Erde; exportiert werden z. B. Eisenerz, Bauxit, Gold, Uran und Steinkohle sowie Kupfer-, Nickel- und Zinkerze. Während die Rohstoffproduktion eine zentrale Rolle für den australischen Export einnimmt, ist dieser Bereich auf dem einheimischen Markt in den vergangenen Jahren sehr viel weniger stark gewachsen. Weil Australien besonders Rohstoffe (vor allem nach Japan) exportiert, ist die Wirtschaft eng an die Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt gekoppelt. Um in diesem Punkt möglichst unabhängig zu werden, versuchte man durch hohe Investitionen die Industrie des Landes zu modernisieren und zu diversifizieren. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts machten sich diese Bemühungen positiv bemerkbar.
Obwohl die Landwirtschaft heute hinsichtlich des Bruttoinlandsprodukts als Wirtschaftsfaktor eine relativ untergeordnete Rolle spielt und auch für den Arbeitsmarkt keine zentrale Funktion besitzt, ist der wirtschaftliche Wohlstand weiter Landesteile auch weiterhin von der Viehzucht und dem Anbau von Kulturpflanzen abhängig. Etwa 4 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Die Weidewirtschaft wurde in der Frühzeit der Besiedlung eingeführt, als die ersten Spanier Merinoschafe aus Südafrika nach Australien brachten. Heute handelt es sich bei nahezu 90 Prozent der bewirtschafteten Landflächen um Weideland. Diese Entwicklung spiegelt sich in der Tatsache wider, dass ein großer Teil der Weideflächen in der halbariden Klimazone Australiens liegt, auch wenn die Viehzucht in allen fruchtbaren Gegenden betrieben wird. Etwa ein Drittel der Schafe und ein noch höherer Prozentsatz aller Rinder werden auf riesigen landwirtschaftlichen Anwesen gehalten, die in dieser Zone als „Stationen” bezeichnet werden. Australien ist der weltgrößte Erzeuger und Lieferant von Wolle, besonders der qualitativ hochwertigen Merinowolle. Die durch die Ausfuhr von Wolle erwirtschafteten Einkünfte machen heute jedoch weniger als 8 Prozent der gesamten Exporteinkünfte aus. Infolge von Überproduktion kam es in den späten achtziger Jahren zu einem beträchtlichen Preisverfall auf dem internationalen Markt. In den Jahren 1990/91 wurden über zehn Millionen Schafe aus den Gesamtbeständen geschlachtet, wovon man sich eine Regeneration der Marktpreise erhoffte. Fast die Hälfte der gesamten Wollproduktion erfolgt in New South Wales und Western Australia, während Victoria bei der Erzeugung von Lamm- und Hammelfleisch eine führende Marktposition auf dem inländischen Markt einnimmt. In allen australischen Bundesstaaten und Bundesgebieten werden Rinder gezüchtet. Der führende Produzent ist jedoch Queensland, das in den neunziger Jahren etwa 40 Prozent des nationalen Gesamtbestands von 28 560 000 Rindern auf sich vereinte. In Australien wird sowohl Schlacht- als auch Milchviehwirtschaft betrieben. Die Aufzucht von Milchvieh beschränkt sich vorwiegend auf die niederschlagsreichen Küstenregionen und den Südosten des Landes, insbesondere Victoria. Die landwirtschaftlichen Betriebe wenden in der Regel hochmoderne Technologien an. Obwohl nur auf etwa 10 Prozent der gesamten australischen Landfläche Kultur- und Futterpflanzen angebaut werden, sind diese Bewirtschaftungsgegenden von überaus großer Bedeutung für die Wirtschaft. Auf etwa 45 Prozent der kultivierten Nutzflächen wird Weizen angebaut, auf weiteren 20 Prozent andere Getreidearten und Futterpflanzen. Der Anbau von Weizen wurde auf hochgradig maschinellen Betrieb umgestellt und findet in allen australischen Staaten statt, konzentriert sich aber vor allem auf die südöstlichen und südwestlichen Regionen. Die Jahresproduktion verhielt sich in den letzten Jahren aufgrund der Umorientierung auf neue, gewinnbringendere Feldfrüchte rückläufig. Etwa 70 Prozent der Weizenernte werden exportiert. Hafer, Roggen, Gerste, Mais, Ölsamen, Tabak und Futterpflanzen werden ebenfalls in großem Umfang angebaut. In der Bewässerungszone am Murrumbidgee in New South Wales, in Queensland und im Northern Territory werden Reis und Baumwolle kultiviert. Der Anbau von Zuckerrohr beschränkt sich auf die fruchtbare Küstenregion in Queensland und den Distrikt um den Fluss Richmond in New South Wales. Neben den üblichen Kultur- und Nutzpflanzen werden zahlreiche Obstsorten, darunter Äpfel, Bananen, Trauben, Orangen, Birnen, Ananas und Papayafrüchte gezüchtet. Die bedeutendsten Weinbauregionen befinden sich im Barossa Valley in South Australia, im Hunter Valley in New South Wales und im Nordosten, Süden und Westen von Victoria. In allen Gebieten, in denen der Anbau von Nutzpflanzen betrieben wird, ist mit Ausnahme der niederschlagsreichsten Regionen Australiens künstliche Bewässerung erforderlich. In mehreren Gegenden stellt jedoch die zunehmende Bodenversalzung eine Gefahr für die Produktion dar.
Nur noch etwa 21,1 Prozent der australischen Landfläche sind von Wäldern bedeckt (2005). Die meisten kommerziellen Nutzhölzer stammen aus Nadelholzplantagen. In den feuchten Küsten- und Hochlandgürteln liegen die wichtigsten natürlichen Waldgebiete, die vorwiegend aus Eukalypten, also Harthölzern, bestehen. Der Rohstoff Holz wird zur Papierherstellung und Möbelproduktion eingesetzt. Die zu den Eukalypten zählenden Jarrah- und Karri-Bäume, die in Westaustralien heimisch sind, werden vor allem wegen der Beständigkeit ihres Holzes geschätzt. Der Queensland-Ahorn, Walnussbäume und Rosenholz sind vor allem für die Herstellung von Kommoden, Schränken und anderer Möbel sehr begehrt. Etwa 9,4 Millionen Hektar Wald stehen in staatlichen Naturschutzgebieten und sind dauerhaft von der kommerziellen Nutzung ausgenommen. Plantagen, in denen Weichhölzer angepflanzt werden, können den einheimischen Bedarf nicht decken, so dass große Mengen eingeführt werden müssen. Obwohl Australien von überaus fischreichen Gewässern umgeben ist, in denen über 2 000 Fischarten und eine Vielzahl anderer Meereslebewesen vertreten sind, ist die jährliche Fangmenge mit ungefähr 307 000 Tonnen vergleichsweise gering (2005). Über 50 Prozent des Jahreswertes aller australischen Fischerzeugnisse entfallen auf verschiedene Schalentiere, vor allem Seeohren, Hummer, Garnelen, Austern und Muscheln. Nach Perlen und Kreiselschnecken wird bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts gefischt, und die australischen Ureinwohner handelten schon Jahrhunderte vor der europäischen Besiedlung mit Schneckenhäusern und Muschelschalen, die zum Teil auch als Zahlungsmittel verwendet wurden. Darwin, Broome und die Thursday-Inseln sind heute die wichtigsten Zentren der Perlenfischerei, jedoch sind mittlerweile Zuchtperlen die Grundlage dieser Industrie, die von japanisch-australischen Unternehmen beherrscht wird. Kommerziell vermarktete Fischarten der See sind vor allem Kabeljau, Meeräschen, Barramundi, Makrelen, Weißfische und Thunfische. Australien war bis in die späten siebziger Jahre eine führende Walfangnation, erklärte sich dann jedoch in Übereinstimmung mit internationalen Bemühungen um die Erhaltung der Walpopulation dazu bereit, den größten Teil der Aktivitäten auf diesem Gebiet einzustellen.
Die Bergbauindustrie, die lange Zeit eine bedeutende Rolle für das wirtschaftliche Wachstum Australiens spielte, ist auch für die zukünftige Entwicklung des Landes sehr viel versprechend. Die Entdeckung von Goldvorkommen in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts zog die erste große Einwanderungswelle nach sich und bewirkte so die Besiedlung inneraustralischer Gebiete. Heute fördert Australien die meisten ökonomisch bedeutenden Bodenschätze in ausreichenden Mengen zur Deckung des Eigenbedarfs und für den Export. Einige Bodenschätze können in so großen Mengen gefördert werden, dass das Land in diesen Bereichen eine Führungsrolle auf dem Weltmarkt einnimmt. In fast allen Bundesstaaten gibt es abbauwürdige mineralische Vorkommen, aber den größten Anteil an der gesamten Fördermenge (37 Prozent) hat Western Australia. Der Produktionswert von Kohle, Erdöl, Erdgas und Erzen wurde 1991 auf etwa 19 Milliarden US-Dollar geschätzt. Auf Erze entfallen etwa 42 Prozent der Gesamtfördermenge, wobei Gold und Eisenerz hier an vorderster Stelle stehen. Die wichtigsten mineralischen Rohstoffe, die in größerem Umfang gefördert werden, sind Steinkohle, Braunkohle, Bauxit, Kupfer, Gold, Eisenerz, Mangan, Nickel, Zink und Uran. Australien ist mit ungefähr 12 Prozent an der weltweiten Gesamtfördermenge von Gold beteiligt. Etwa 70 Prozent der australischen Fördermengen stammen aus Western Australia, insbesondere aus den Goldminen in der Nähe von Kalgoorlie. Das Gold wird vor allem nach Singapur, Japan, in die Schweiz und nach Hongkong exportiert. Nach der Entdeckung der riesigen Diamantfelder im Kimberleygebirge in Western Australia im Jahr 1979 ist Australien ausgehend vom Fördervolumen zum weltgrößten Lieferanten für Diamanten geworden und mit 36 Prozent an der Gesamtfördermenge der Welt beteiligt, wobei nahezu die gesamte Menge aus der riesigen Argylemine im Kimberleygebirge stammte. Bei Coober Pedy im Bundesstaat South Australia befindet sich das umfangreichste Opalabbaugebiet der Welt. Etwa 97 Prozent des in Australien geförderten Eisenerzes stammen aus der Region Pilbara in Western Australia. Eisenerzlagerstätten befinden sich jedoch auch in der Gegend von Iron Knob in South Australia, auf der Kakadu-Insel im Yampi-Sund vor der Küste von Western Australia, im Westen Tasmaniens und in Gippsland in Victoria. Fast die gesamte Fördermenge an Eisenerz wird exportiert. Australien ist heute Japans Hauptlieferant, hat sich aber auch mit China, Deutschland, Korea und Taiwan sehr wichtige Absatzmärkte erschlossen. Die Entdeckung und kommerzielle Nutzung von ungeheuren Bauxitvorkommen ermöglichte Australien in den achtziger Jahren (um 1984), zum weltweit größten Produzenten von Bauxit und aluminiumhaltigen Mineralen sowie zum viertgrößten Hersteller von Aluminium aufzusteigen. Die wichtigsten Förderstätten befinden sich südlich von Perth in Western Australia, auf der Kap-York-Halbinsel in Queensland und auf der Halbinsel Gove im Northern Territory. Wichtige Uranminen sind die Ranger-Mine und die Nabarlek-Mine im Northern Territory sowie Minen bei Olympic Dam in South Australia. Das gesamte Fördervolumen dient dem Export. Die Vorkommen von Steinkohle mit den damit verbundenen Industrien konzentrieren sich vor allem in New South Wales und Queensland, die jeweils mit etwa 47 Prozent an der australischen Kohlefördermenge beteiligt sind. Die in Victoria geförderte Braunkohle wird vor allem der Strom erzeugenden Industrie zugeführt. Nickelerz wird in Kambalda, im Südosten von Kalgoorlie, bei Greensvale in Queensland und in der Musgrave-Grenzregion zwischen Western und South Australia sowie im Northern Territory abgebaut. Die wichtigsten Manganlagerstätten sind in Groote Eylandt im Northern Territory zu finden. Zwei Drittel der australischen Gesamtproduktion von Kupfer stammen aus der Region um den Mount Isa in Queensland. In der Gegend um Mount Lyall in Tasmanien und am Tennant Creek im Northern Territory befinden sich weitere Kupfervorkommen. Bedeutende Zinklagerstätten gibt es beispielsweise in Queensland, Tasmanien und New South Wales, wobei Broken Hill (New South Wales) bereits seit über einem Jahrhundert als einer der wichtigsten Produzenten von Zink und Blei dient. Für Australien bedeutende Öl- und Erdgasvorkommen befinden sich unterseeisch nahe der Küste Victorias (Gippsland-Schelf), dann unweit Carnarvons, vor der Küste von Port Hedland sowie nahe der Barrow-Insel – die letzten drei sind im Bundesstaat Western Australia. Die Rohölgesamtfördermenge betrug 2004 ungefähr 512 000 Barrel pro Tag.
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