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Still-Leben

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Jacopo de’ Barbari: Rebhuhn mit Eisenhandschuhen und Armbrustbolzen (1504), Alte Pinakothek, MünchenJacopo de’ Barbari: Rebhuhn mit Eisenhandschuhen und Armbrustbolzen (1504), Alte Pinakothek, München

Still-Leben, italienisch Natura morta, französisch Nature morte (beides: tote Natur), Begriff aus der Malerei, der die Darstellung unbelebter Gegenstände, wie Früchte, Blumen, Jagdbeute, Geschirr, Bücher oder Musikinstrumente bezeichnet, die vom Maler nach bestimmten ästhetischen oder formalen Prinzipien arrangiert wurden. Die unpretentiöse, absichtslose Anordnung versucht keine tiefere Bedeutung zu vermitteln, sondern dient in erster Linie dazu, die kompositorischen und technischen Fähigkeiten des Künstlers unter Beweis zu stellen. Eine Sonderform des Still-Lebens, bei der die Nachahmung der Wirklichkeit auf die Spitze getrieben wird, ist das Trompe l’œil.

Stilllebenartige Kompositionen finden sich bereits in der Kunst der römischen Antike, etwa auf den großartigen Mosaiken und Wandmalereien in Pompeji und Herculaneum, die wohl ihrerseits auf griechische Vorbilder zurückgreifen, und im Mittelalter als Teile komplexerer Bildzusammenhänge, etwa in Form von Blumenarrangements auf Marienbildern. Ein Tafelbild des venezianischen Malers Jacopo de’ Barbari (1504, Alte Pinakothek, München) mit einem toten Rebhuhn, einem Paar Eisenhandschuhen und einem Armbrustbolzen gilt als das früheste datierbare eigenständige Still-Leben. Im 16. und 17. Jahrhundert erreichte das Still-Leben besonders in der flämisch-niederländischen Malerei eine Hochblüte. Künstler wie Jan Bruegel, Pieter Claesz, Willem Kalf oder Frans Snyders schufen feine, detailreiche Blumenstücke und Arrangements von Früchten, Wild, Fischen, Gläsern oder Geschirr auf gedeckten Tischen. Im Barock spielte auch das Vanitas-Thema eine Rolle in der niederländischen Malerei, wobei zur Demonstration irdischer Vergänglichkeit deren traditionelle Symbole (Totenkopf, Sanduhr, entblätterte Blumen oder erloschene Kerzen) häufig als Still-Leben arrangiert wurden.

Außerhalb der Niederlande wurde das Still-Leben – abgesehen von wenigen Ausnahmen – wegen der geringen Bedeutung des Bildgegenstands von der akademischen Kunst nicht sonderlich geschätzt. Erst im 18. Jahrhundert knüpfte der französische Maler Jean-Baptiste Siméon Chardin motivisch und stilistisch an die niederländische Malerei des vergangenen Jahrhunderts an und entwickelte in seinen subtil arrangierten Still-Leben eine eigene Bildsprache, die die Ausdrucksmöglichkeiten dieser Gattung unter Beweis stellte. Im späten 19. Jahrhundert nahm die Still-Leben-Malerei an Bedeutung zu, da sie reiche Möglichkeiten zu formalen Experimenten erschloss, eine Tendenz, die sich im frühen 20. Jahrhundert weiter verstärkte. Einen ersten Höhepunkt in dieser Entwicklung stellt sicherlich das Werk von Paul Cézanne dar, dessen Arrangements von Äpfeln und Orangen Meisterwerke der formalen Gestaltung sind. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Still-Leben zu einer äußerst gesuchten Darstellungsform, die kaum im Werk eines modernen Meisters fehlt. Als einige von vielen Beispielen seien nur Pablo Picasso, Henri Matisse, Georges Braque, Juan Gris oder Giorgio Morandi genannt, die im Zeichen des Kubismus, Fauvismus oder Expressionismus damit experimentierten.

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