Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Chinesische Philosophie", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren. Verwandte Elemente
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Chinesische Philosophie |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse Chinesische PhilosophieEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Chinesische Philosophie, Sammelbezeichnung für die verschiedenen Schulen und Richtungen, die von chinesischen Gelehrten und Philosophen gegründet wurden.
Die chinesische Philosophie hat drei verschiedene historische Etappen durchlaufen:
Die klassische Periode der chinesischen Philosophie, die in die späten Jahre der Chou-Dynastie fällt, erstreckt sich auf den Zeitraum vom 6. bis zum 2. Jahrhundert v. Chr. Während dieser Zeit der politischen und sozialen Unruhen erstarkten die schon lange dem Hause Chou unterworfenen Feudalstaaten und strebten nach Unabhängigkeit. Als die Macht der Lehnsherren größer wurde als die des Königs, kam es im 5. Jahrhundert v. Chr. zu zwischenstaatlichen Fehden, die im 4. und 3. Jahrhundert in politischer Anarchie endeten. Während dieser Zeit entstanden neue Handels- und Wirtschaftszweige, die zu sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen der landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft führten. Inmitten dieser politischen und sozialen Wirren bildete sich eine neue Klasse von gelehrten Beamten heraus. Es waren Männer, die aufgrund ihrer Gelehrtheit und Weisheit versuchten, das Königreich zu vereinen und die Ordnung in der Gesellschaft wiederherzustellen.
Der bedeutendste unter diesen Gelehrten war Konfuzius. Er gehörte dem niederen Adel und der Beamtenschaft des Staates Lu an, in der heutigen Provinz Shandong. Er verbrachte den größten Teil seines Lebens, am Ende des 5. und Anfang des 4. Jahrhunderts v. Chr., als reisender Gelehrter und Lehrer sowie Ratgeber von Herrschern in den verschiedenen Staaten. Zur Wiederherstellung von Ordnung und Wohlstand befürwortete er die Wiedereinführung der souveränen Regierung, der gesellschaftlichen und familiären Organisationen sowie der in der klassischen Literatur beschriebenen Sittlichkeitsregeln der frühen Chou-Dynastie. Das wichtigste Element in seinem System war allerdings das Individuum. Konfuzius lehrte, dass jeder Einzelne die persönlichen Tugenden, wie Ehrlichkeit, Liebe und Verehrung der Eltern pflegen sollte, so wie es in der alten Literatur beschrieben wurde. Dadurch würde die Harmonie in Familie, Gesellschaft und Staat wiederhergestellt werden. Die wichtigsten Personen wären die Herrscher und ihre Ratgeber, da ihr tugendhaftes Benehmen beispielhaft für das ganze Königreich sei (Konfuzianismus). Im 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. entwickelten dann seine Schüler Mencius und Hsün-tzu die Gedanken von Konfuzius weiter. Mencius behauptete, dass das Wesen des Menschen im Grunde gut sei und dass es nicht bloß durch das Studium, wie Konfuzius lehrte, sondern auch durch einen Prozess der inneren Pflege seines Selbst entwickelt werden könne. Mencius befürwortete, wie Konfuzius, die hierarchisch geordnete Feudalgesellschaft, in der er lebte, maß jedoch der Verantwortung des Herrschers für das Wohlergehen seines Volkes eine weitaus größere Bedeutung zu. Die Chou-Herrscher übten ihre Macht im Sinne der Lehre des Mandats des Himmels aus. Der Himmel galt als unpersönliche Autorität, die alle Vorgänge des Universums regiert. Für Mencius zeigte sich das Mandat des Himmels in der Anerkennung des Herrschers durch sein Volk. Wenn sich das Volk gegen einen Tyrannen auflehnt und diesen stürzt, so wäre das ein Beweis dafür, dass der Himmel ihm sein Mandat entzogen hat. Folglich forderte Mencius im Namen des Himmels das Recht des chinesischen Volkes auf Rebellion. Hsün-tzu vertrat die genau entgegengesetzte Ansicht vom Wesen des Menschen. Er behauptete, dass die Rebellion im Grunde böse sei. Er glaubte jedoch auch an die unbegrenzte Fähigkeit zur Verbesserung des Menschen. Er lehrte, dass der Mensch durch Erziehung und durch das Studium der Klassiker sowie der Sittlichkeitslehren tugendhaft werde und dass dadurch die Ordnung in der Gesellschaft wiederhergestellt werden könne. Hsün-tzu bereicherte somit den Konfuzianismus um eine Philosophie der formalen Erziehung mit einer Tendenz zur Strenge, was die Regelung der menschlichen Lebensführung betrifft.
Die zweite große philosophische Richtung der klassischen Periode war der Taoismus. Der Philosoph Lao-tse, der wahrscheinlich im 6. Jahrhundert v. Chr. lebte, gilt als Begründer dieser Schule. Während der Konfuzianismus die Vollendung des Menschen durch moralische Erziehung sowie die Errichtung einer hierarchisch geordneten Gesellschaft anstrebte, ging es dem Taoismus um die Erhaltung des menschlichen Lebens durch die Befolgung des natürlichen Weges (Tao). Der Taoismus versucht durch eine mystische Verbindung mit dem Tao die perfekte Harmonie zwischen dem Individuum und der Natur herzustellen. Dieser Mystizismus wurde von Chuang-tzu weitergeführt, einem taoistischen Philosophen des ausgehenden 4. Jahrhunderts v. Chr. Er lehrte, dass das Individuum durch die mystische Verbindung mit dem Tao die Natur und sogar das Leben und den Tod transzendieren könne. Weitere wichtige Schulen dieser Periode waren die mohistische, die naturalistische und die dialektische Schule. Die mohistische Schule, gegründet von Mo-tzu während des 5. Jahrhunderts v. Chr., lehrte einen strengen Utilitarismus sowie eine allumfassende Menschenliebe, ungeachtet der familiären bzw. gesellschaftlichen Verhältnisse. Während des 4. Jahrhunderts v. Chr. erforschte die naturalistische Schule kosmische Prinzipien des Universums. Die bekanntesten dieser Prinzipien sind Yin und Yang, welche die entgegengesetzten, sich jedoch gegenseitig beeinflussenden Pole der Natur verkörpern, wie z. B. das Weibliche und das Männliche, Licht und Schatten, Sommer und Winter.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |