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FrankreichEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Die französische Krankenversicherung deckt in den meisten Fällen einen Teil der Kosten für ärztliche Behandlung, Medikamente und Krankenhausaufenthalte und übernimmt bei sozial schwachen Gruppen, Arbeitslosen und Kindern unter zehn Jahren die Gesamtheit dieser Kosten. Die Krankenversicherung und andere Zweige der Sozialversicherung fallen in den Zuständigkeitsbereich der Sécurité Sociale, die Kindergeld, Krankengeld, Mutterschaftsgeld sowie Erwerbsunfähigkeitsrente und Altersversorgung verwaltet. Die Pflicht zur Sozialversicherung erfasst rund 98 Prozent der Einwohner Frankreichs. Die Arbeitslosenquote beträgt 9,9 Prozent (2004). Auf 293 Einwohner kommt ein Arzt. Die Kindersterblichkeitsrate liegt bei 0,9 Prozent (1995).
Seit dem Mittelalter, namentlich mit der im 12. Jahrhundert gegründeten Université de Paris, fungierten die französischen Bildungszentren als internationale Vorbilder. Zu den einflussreichen Lehrmeistern gehörten Pierre Abélard im 12. Jahrhundert, Michel de Montaigne im 16. Jahrhundert, François Fénelon und Jean-Jacques Rousseau im 18. Jahrhundert sowie der Philosoph Victor Cousin im 19. Jahrhundert. Die Zentralisierung des Schulsystems auf staatlicher Grundlage entwickelte sich zwischen 1806 und 1808 unter Napoleon. Das moderne Bildungswesen gründet sich auf Gesetze, die von 1881 bis 1886 durch den Unterrichtsminister Jules Ferry erlassen wurden. Sie legten den unentgeltlichen Pflichtbesuch öffentlicher Schulen fest. Unter den später erfolgten Gesetzesänderungen waren die Genehmigung eines freien Unterrichtswesens in Sekundarschulen und technischen Schulen, die Trennung von Kirche und Staat im Bildungswesen (1905), das Gesetz zur Unterstützung von Privatschulen einschließlich religiös geleiteter Einrichtungen (1951 bzw. 1959) sowie die Ausdehnung der Schulpflicht auf das 16. Lebensjahr (1959). Die Schulpflicht betrug 2002–2003 11 Jahre. Nach der Studentenrevolte 1968 musste Staatspräsident Charles de Gaulle ein Rahmengesetz für Studienreformen erlassen. Mit dem neuen System wurde insbesondere die Kontrolle über finanzielle Mittel, Lehrpläne sowie die Vergabe von Lehrstellen durch das Erziehungsministerium abgeschafft und stattdessen auf den verschiedensten Ebenen Unterrichtseinheiten eingerichtet; die Fakultäten bekamen zudem das Recht zugesprochen, über die Zusammensetzung des Lehrkörpers zu entscheiden, und die Studenten erhielten ein größeres Mitspracherecht an der Universität. Das Recht der Universitätsprofessoren (die Lehrstühle auf Lebenszeit innehatten), über Neuernennungen abzustimmen, wurde abgeschafft und die Basis für demokratischere Fachbereichsstrukturen geschaffen. Mehrere der großen Universitäten wurden in kleinere Einheiten umstrukturiert, so dass sich die Zahl der französischen Universitäten in den achtziger Jahren von 23 auf 70 erhöhte. Mittlerweile besuchen in Frankreich 2,03 Millionen Studenten Universitäten und andere Einrichtungen auf Hochschulebene (2001–2002). Besonders hervorzuheben ist der auf die Herausbildung einer administrativen und intellektuellen Elite zugeschnittene Charakter des französischen Bildungssystems. Zwei der berühmtesten Gymnasien Frankreichs sind das Pariser Lycée Louis-le-Grand, auf das u. a. Voltaire, Edgar Degas, Georges Pompidou, Giscard d’Estaing und Jacques Chirac gingen, und das Lycée Henry IV. Renommierteste der Grandes Écoles (so genannte Elitehochschulen) sind vor allem die von Napoleon gegründete Ingenieursschule École Polytechnique und die mehr geisteswissenschaftlich orientierte École Normale Supérieure (ENS) in Paris, das politikwissenschaftliche Institut d’Études Politiques (IEP), die Hautes Études de Commerce (HEC) und die École Nationale d’Administration (ENA), eine von General de Gaulle gegründete Verwaltungsschule für die höchsten Ämter in Staat und Politik. Besonders die École Polytechnique und die ENA haben großen Einfluss auf die wirtschaftliche und politische Entwicklung Frankreichs. Viele Kabinettsmitglieder und Topmanager sind Absolventen dieser Elitehochschulen.
In den meisten Städten Frankreichs befinden sich Stadtbüchereien und Museen. Die meisten dieser Einrichtungen weist Paris auf. Zu den größten Bibliotheken gehören die Bibliothèque Nationale (Paris) mit über neun Millionen Bänden sowie die Pariser Universitätsbibliotheken. Der Louvre in Paris beherbergt eine der größten und bedeutendsten Kunstsammlungen der Welt. Im Centre National d’Art et de Culture Georges Pompidou im Zentrum der Hauptstadt sind Kunstsammlungen des 20. Jahrhunderts untergebracht. Viele der großen Meisterwerke französischer Baukunst wie Kirchen, Kathedralen, Burgen und Schlösser werden als nationale Denkmäler erhalten.
Siehe französische Literatur
Im Mittelalter avancierte Frankreich zur herausragenden Kulturnation. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert wurde die französische Kunst und Architektur von den Königen aus Repräsentanzgründen stark gefördert. Viele Künstler und Handwerker zogen deshalb nach Paris. Jean Clouet und sein Sohn François etwa standen als Porträtisten im Dienst Franz I. Die wichtigsten französischen Maler des 17. Jahrhunderts sind Georges de La Tour, Nicolas Poussin und Claude Lorrain; im 18. Jahrhundert traten Antoine Watteau, François Boucher, Jean Fragonard, Jean Chardin und Jean Greuze hervor. Im 19. Jahrhundert wurde Paris zur Kunsthauptstadt Europas. Jacques-Louis David war der Hauptvertreter des Klassizismus seiner Zeit. Parallel hierzu lieferten Ingres, Delacroix und Géricault wichtige Beiträge zur Romantik. Bedeutende französische Maler des Realismus zur Mitte des 19. Jahrhunderts sind Gustave Courbet, Honoré Daumier, Jean François Millet und Jean-Baptiste-Camille Corot aus der Schule von Barbizon. Die von Édouard Manet beeinflusste Malerei des Impressionismus wurde von Claude Monet, Camille Pissarro und Pierre Auguste Renoir gepflegt. Zu den Neoimpressionisten gegen Ende des 19. Jahrhunderts gehören Edgar Degas, Paul Cézanne und Paul Gauguin. Während dieser Zeit entstanden auch die Werke von Henri Rousseau und Gustave Moreau. International bekannte Künstler des 20. Jahrhunderts sind u. a. Henri Matisse, Georges Braque, Georges Rouault, Marcel Duchamp, Fernand Léger, Pierre Bonnard und Jean Dubuffet. Im Bereich der Baukunst entstanden zur Zeit der Gotik in Frankreich meisterhafte Kathedralen. Von besonderer Bedeutung sind die Abteikirchen Saint-Denis und Sainte-Chapelle in Paris sowie die Kathedralen von Amiens, Chartres, Paris und Reims. Zu den prächtigsten Renaissancebauten Frankreichs gehören das Schloss Fontainebleau und die Schlösser an der Loire. Bedeutende Barockbauten sind die Anbauten von Versailles sowie der Pariser Louvre. Die bekanntesten Bauwerke des 19. Jahrhunderts sind die von Charles Garnier erbaute Pariser Oper der Zweiten Republik (1861-1875) und der Eiffelturm (1889), das anlässlich der Weltausstellung ursprünglich nur für eine begrenzte Zeit errichtete Wahrzeichen der Stadt Paris. Als Architekturpioniere des 20. Jahrhunderts gelten Auguste Perret und der lange Zeit in Paris lebende Le Corbusier.
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