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SDI

Enzyklopädieartikel

SDI (Strategic Defense Initiative: Strategische Verteidigungsinitiative), ein von den Vereinigten Staaten entwickeltes Forschungsprojekt zur Entwicklung eines durch Weltraumsatelliten gestützten Abwehrsystems gegen anfliegende ballistische Raketen. Es wurde erstmals von Präsident Ronald Reagan im März 1983 vorgestellt (Siehe Lenkflugkörper). Die Reagan-Regierung bemühte sich, auch die NATO-Partner von der Notwendigkeit des SDI-Projekts zu überzeugen. Das System sollte einen zuverlässigen Schutz gegen feindliche Atomraketen bieten. Die SDI bedeutete eine Abkehr von der bis dahin verfolgten Strategie der gegenseitigen Abschreckung (siehe internationale Abrüstung) durch Drohung mit nuklearen Vergeltungsmaßnahmen. Das SDI-System hätte einen Verstoß gegen den im Jahr 1972 geschlossenen ABM-Vertrag (Anti Ballistic Missile: Antiballistikrakete) bedeutet (siehe SALT). Dies war einer der Gründe, weshalb SDI als weitere Eskalation des Wettrüstens kritisiert wurde.

Viele Fachleute fanden das System zudem nicht praktikabel. Nach der Auflösung der Sowjetunion und der Unterzeichnung der Abkommen START I und II sowie nach der Präsidentschaftswahl in den USA 1992, aus der Bill Clinton als Sieger hervorging, wurde der Etat für die SDI wie auch für viele weitere Rüstungsprogramme drastisch gekürzt. Im Jahr 1993 wurde das Projekt zugunsten der BMDO (Ballistic Missile Defense Organization) aufgegeben, einem kostengünstigeren Programm, das bodengestützte Raketenabwehrsysteme einsetzt und das Patriot-Raketensystem umfasst.

Das SDI-System sollte ursprünglich eine Verteidigung auf mehreren Stufen ermöglichen und hoch entwickelte Waffentechnologien, von denen sich einige erst in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befanden, einsetzen. Ziel der SDI war die Zerstörung von gegnerischen Flugkörpern auf halbem Weg, oberhalb der Erdatmosphäre. Die Waffen, die für dieses umfangreiche Abwehrsystem benötigt würden, umfassen weltraum- und bodengestützte, Laserstrahlen erzeugende Kernwaffen, subatomare Teilchenstrahler und computergestützte, von Magnetschienenwaffen abgefeuerte Geschosse, die von einem zentralen Supercomputer gesteuert würden. Die weltraumgestützten Waffen und Lasersysteme brachten dem SDI-Programm den Mediennamen Star Wars (Krieg der Sterne) ein, nach dem gleichnamigen, 1977 entstandenen Sciencefictionfilm von George Lucas. Zur Unterstützung dieser Waffen war ein Netzwerk von weltraumgestützten Sensoren und Spezialspiegeln vorgesehen, welche die Laserstrahlen auf die jeweiligen Ziele ausrichten sollten. Einige dieser Waffen waren bereits in Entwicklung, während bei anderen, insbesondere bei den Lasersystemen und der Supercomputer-Steuerung, eine Realisierung nicht absehbar war.

Die Gesamtkosten wurden auf 100 Milliarden bis 1 Billion US-Dollar geschätzt. Bis zur Einstellung des Projekts sind bereits etwa 30 Milliarden US-Dollar ausgegeben worden. Das ursprüngliche Jahresbudget für die BMDO betrug dagegen lediglich 3,8 Milliarden US-Dollar.

Die Kostenfrage war jedoch nicht entscheidend für die Einstellung des Projekts. Kritiker, zu denen frühere Regierungsbeamte ebenso zählten wie führende Wissenschaftler und auch einige NATO-Mitglieder, behaupteten, dass das System, auch wenn es sich als durchführbar erwiesen hätte, vom Gegner vielfach unterlaufen hätte werden können.

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