Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Russland", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren.
Verwandte Elemente
Daten und Fakten
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Russland

Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse
Seite 11 von 17

Russland

Enzyklopädieartikel
Multimedia
Russland (Flagge und Hymne)Russland (Flagge und Hymne)
Artikelgliederung
7.2.3. 1
„Sammlung russischer Erde”

Die Stadt Moskau, 1147 von Jurij Dolgorukij als Grenzfestung des Fürstentums Wladimir-Susdal gegründet, lag geographisch günstig an den Haupthandelsstraßen. 1261 übergab Alexander Newskij Moskau an seinen jüngsten Sohn Daniel, der zum Ahnherr der Moskauer Linie der Rurikiden wurde. Als Günstlinge der Tataren weiteten die Moskauer Fürsten ihren Besitz allmählich aus, indem sie umliegende Territorien annektierten. 1328 wurde Daniels Sohn Iwan I. Danilowitsch, genannt Kalita („Geldbeutel”), seit 1325 Fürst von Moskau, auch Großfürst von Wladimir. Er scheint den Metropoliten der russischen Kirche veranlasst zu haben, seinen Sitz von Twer nach Moskau zu verlegen, wo er dann auch bleiben sollte. So begannen die Moskauer Fürsten mit Zustimmung der Kirche, der einzigen gesamtrussischen Institution, mit der beharrlichen, aber nicht von Rückschlägen verschonten „Sammlung russischer Erde”. Feldzüge gegen die benachbarten konkurrierenden Fürstentümer konnten zunächst ohne die Unterstützung tatarischer Truppen nicht erfolgreich sein, etwa gegen Twer 1327 und Smolensk 1339/40. Seit Iwan I. nannten sich die Fürsten von Moskau „Großfürsten der gesamten Rus”, d. h. von ganz Russland; dieser Titel war zu diesem Zeitpunkt allerdings mehr Anspruch als Wirklichkeit. Iwan I. gelang es immerhin, sein Fürstentum im Innern zu konsolidieren, einen gewissen Wohlstand zu sichern und diesen dazu zu nutzen, das Moskauer Territorium durch Landkauf, aber auch durch geschickte Heiratspolitik zu vergrößern.

Im Westen stand diesen Bestrebungen das immer weiter expandierende Litauen (ab 1386 in Personalunion mit Polen verbunden) entgegen, das bis Anfang des 15. Jahrhunderts die west- und südwestrussischen Gebiete unter seine Kontrolle brachte (z. B. 1362 Kiew, 1404 Smolensk) und zeitweise über ein Territorium gebot, das von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer reichte.

Andererseits schwächten ab Mitte des 14. Jahrhunderts innere Konflikte das Khanat der Goldenen Horde. Diese Schwäche nutzte Großfürst Dmitrij Donskoj (1350-1389), ein Enkel Iwans I. Er führte den ersten erfolgreichen Aufstand gegen die Tataren und errang 1380 auf dem Schnepfenfeld (Kulikowo pole) am Ufer des oberen Don einen bedeutenden Sieg (daher auch der Beiname Donskoj: „vom Don”). Diese Niederlage brachte die Tataren endgültig in die Defensive, und Moskau wurde immer stärker.

7.2.3. 2
Moskau, das Dritte Rom

Die Eroberung von Konstantinopel 1453 durch die Osmanen war nicht nur für die abendländische Geschichte, sondern auch für Russland ein epochales Ereignis, betrachtete sich die russisch-orthodoxe Kirche mit Moskau als Zentrum doch nun als legitime Verwalterin des rechtgläubigen Christentums byzantinischer Prägung. Die russische Orthodoxie hatte schon vorher ihre Selbständigkeit durchgesetzt, als sie sich weigerte, die vor dem Hintergrund der türkischen Bedrohung geschlossene Kirchenunion mit dem lateinischen Westen (Florenz 1439) anzuerkennen, und 1448 auf einer Bischofssynode erstmals selbst einen Metropoliten (ab 1458 für ganz Russland) wählte, ohne das Einverständnis des ökumenischen Patriarchen einzuholen. Auch der doppelköpfige byzantinische Adler wurde in das Moskauer Staatswappen aufgenommen. Das „heilige Russland” trat als das „Dritte Rom” die Nachfolge des untergegangenen Konstantinopel („Zweites Rom”) an. Die Heirat des Großfürsten Iwan III. Wassiljewitsch (1462-1505) mit Zoë Sophia (1472), der Nichte des letzten byzantinischen Kaisers, untermauerte diesen religiös-symbolischen Akt noch dynastisch.

Der Großfürst selbst beanspruchte den Titel eines Zaren (ab 1473); er herrschte als von Gott eingesetzter Souverän autokratisch und nicht als Oberhaupt des Adels. Iwan III. machte sich faktisch zum Herren über Russland, indem er die (nicht unter litauischer Oberhoheit stehenden) Teilfürstentümer zerschlug; wichtige Stationen waren dabei 1478 die Unterwerfung der reichen Handelsrepublik Nowgorod und 1485 des langjährigen Rivalen Twer. 1480 nutzte Iwan die Schwäche der Goldenen Horde, die seit 1430 in mehrere unabhängige Khanate zerfallen war: Er weigerte sich, den jährlichen Tribut zu entrichten und sich am Hof in Sarai einzufinden. Ein Tatarenheer zog daraufhin an die Grenze des moskowitischen Fürstentums, um die Zahlung zu erzwingen, wich einer militärischen Konfrontation aber aus und zog wieder ab. Das Jahr 1480 wird daher als das Ende der Tatarenherrschaft angesehen.

Iwan konnte nun seine Aufmerksamkeit dem Westen zuwenden. Während die Auseinandersetzungen mit dem Deutschen Orden um Livland nicht von Erfolg gekrönt waren, gelang es Iwan, Polen-Litauen bis 1503 einen Großteil des von orthodoxen Slawen (Ukrainern, Weißrussen) bewohnten Grenzlandes zu entreißen. Sein Sohn Wassilij III. Iwanowitsch (1505-1533) setzte die aggressive, gegen Westen gerichtete Expansionspolitik seines Vaters fort; 1510 annektierte er Pleskau (Pskow) am Peipussee, 1514 Smolensk und 1521 das nominal unabhängige Großfürstentum Rjasan. Die kontinuierliche Erweiterung des Moskauer Territoriums war im Innern von der formellen Bekräftigung der autokratischen Herrschaft begleitet.

7.3

Das Moskowiter Zarenreich (1547-1682)

7.3. 1

Iwan der Schreckliche

7.3.1. 1
Reformen

Iwan IV. Wassiljewitsch (1533-1584), später der Schreckliche (russisch Grosnyj: der Strenge) genannt, war beim Tod seines Vaters Wassilij III. 1533 erst drei Jahre alt. Während der Jahre seiner Minderjährigkeit war der Moskauer Staat zerrissen durch Machtkämpfe zwischen den Bojaren, dem nichtfürstlichen Adel. Bei Erreichen der Volljährigkeit 1547 übernahm Iwan selbst die Herrschaft und begründete das russische Zarenreich, indem er sich in einem formellen Akt zum Zaren krönen ließ. Im selben Jahr heiratete er Anastasia Romanowna, eine Angehörige der Bojarenfamilie Romanow.

Die Erfahrungen seiner Kindheit ließen Iwan zu einem erbitterten Gegner des alten Adels werden. 1549 berief er erstmals eine Landesversammlung (Semskij Sobor) ein, in der mit Ausnahme der Bauern alle russischen Stände vertreten waren. Iwans Ziel war die Festigung seiner autokratischen Stellung durch die Zentralisierung des Staates. Die Mittel dazu waren Reformen, die nahezu alle Bereiche des staatlichen und kirchlichen Lebens sowie des Rechts- und Finanzwesens erfassten. Den Widerstand der Bojaren gegen ihre Entmachtung brach Iwan mit Gewalt: Sie wurden enteignet, vertrieben oder hingerichtet. Weite Gebiete beschlagnahmte Iwan als sein persönliches Eigentum; den anderen Teil des enteigneten Bojarenlandes, die so genannte Opritschnina, verteilte er an seine Anhänger als Belohnung für erwiesene Dienste, die so genannten Opritschniki. Aus dem so von ihm begünstigten Kleinadel entwickelte sich im 16. Jahrhundert eine neue soziale Schicht mit genau umrissenen Aufgaben in Staatsverwaltung und Armee. Die Opritschniki dienten Iwan als Leibgarde und verbreiteten Angst und Schrecken im Land. Nach der Einnahme Moskaus durch die Krimtataren 1571 ließ Iwan sie jedoch durch besoldete Truppen, die Strelitzen, ersetzen.

Unter dem Staatsterror und im Zuge sozialer Umwälzungen sank der Bauernstand, der hartem Steuerdruck und Dienstzwang ausgesetzt und an Grund und Boden gebunden war, allmählich in die Leibeigenschaft herab.

7.3.1. 2
Expansion

Viele Bauern entzogen sich Zwang und Knechtschaft, indem sie ins russische Grenzland, vor allem das Becken des Don und den Unterlauf der Wolga auswichen und sich dort den Kosaken anschlossen. Ein Teil von ihnen zog weiter nach Norden und beteiligte sich an der Expedition des Kosaken-Hetman Jermak Timofejewitsch, der im Auftrag der Kaufmannsfamilie Stroganow das Gebiet östlich des Uralgebirges erschließen sollte. Jermak leitete die Unterwerfung Sibiriens ein (ab 1582) und brachte fast das gesamte Becken des Ob unter russische Herrschaft. Auch kämpften die Kosaken im Auftrag des Zaren gegen die Krimtataren.

Schon zuvor hatte Iwan IV. die Expansion nach Osten begonnen. 1552 eroberte er das Khanat von Kasan (und ließ ab 1555 in Erinnerung an den Sieg neben dem Moskauer Kreml die Basilius-Kathedrale erbauen) und 1556 Astrachan an der Mündung der Wolga. Die Befriedung der Süd- und Ostgrenzen öffnete das weithin unerschlossene Land für die russische Kolonisierung.

Im Westen konnte Iwan IV. dagegen keine Geländegewinne erzielen. Um den Zugang zur Ostsee führte Iwan einen langen Krieg (Livländischer Krieg, 1558-1582), der jedoch mit einer Niederlage endete. Auf der anderen Seite suchte Iwan auch den friedlichen Kontakt zum Westen; so schloss er z. B. ein Handelsabkommen mit englischen Kaufleuten (Muscovy Company, ab 1553) und holte zahlreiche westliche Fachleute ins Land. Damit begründete er eine Tradition, die im weiteren Verlauf der russischen Geschichte immer wieder aufgegriffen wurde.

7.3. 2

Die Zeit der Wirren

7.3.2. 1
Das Ende der Rurikiden-Dynastie

Die Regentschaft für den geisteskranken Thronerben Fjodor I. Iwanowitsch (1584-1598) – seinen Erstgeborenen hatte Iwan IV. 1581 in einem Tobsuchtsanfall erschlagen – übernahm sein Schwager, der Bojare Boris Godunow, ein Opritschnik und enger Vertrauter Iwans IV. Zwar konnte Boris trotz großer wirtschaftlicher Probleme die russische Expansion fortsetzen (Sibirien, Finnischer Meerbusen, Kaukasus), jedoch wuchs die Unzufriedenheit der Bauern, deren Leibeigenschaft 1597 durch einen Erlass bekräftigt wurde. Die russisch-orthodoxe Kirche erreichte mit der Errichtung eines eigenen Patriarchats 1589 auch formell die Loslösung vom griechischen Patriarchat in Konstantinopel.

Mit dem Tod des kinderlosen Fjodors 1598 endete die Dynastie der Rurikiden, die seit dem Warägerfüst Rurik die Geschichte der russischen Reiche geprägt hatten.

Die nachfolgenden Machtkämpfe um den Thron, die mit der Wahl von Boris Godunow zum neuen Zaren (1598-1605) durch ein Semskij Sobor (Nationalversammlung) begannen, schwächten das Reich. Godunow regierte mit Geschick und Umsicht, sah sich aber einer Adelsopposition gegenüber, die ihn der Ermordung des jüngsten Sohnes Iwans des Schrecklichen, Dmitrij, bezichtigte. Dieser war 1591 unter ungeklärten Umständen gestorben. Im Volk hielt sich jedoch der Glaube, Dmitrij lebe noch, was verschiedene Anwärter, die unter seinem Namen auftraten, auf den Plan rief – ein immer wiederkehrendes Phänomen in der russischen Geschichte. Eine Zeit der sozialen Unruhen und Aufstände, bekannt als Smutnoje Wremja („Zeit der Wirren”) oder Smuta, begann.

Zurück
... | | | | | | | | | | ... 
Nächste
In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2008 Microsoft