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RusslandEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Die Gesamtbevölkerung Russlands beträgt etwa 141 Millionen (2008). Das mittlere Bevölkerungswachstum beträgt rund -0,47 Prozent im Jahr. In keinem anderen Land gibt es eine derart große Vielfalt an ethnischen Volksgruppen. Viele der einzelnen Gruppen leben in eigenen Verwaltungsgebieten. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 8,3 Personen pro Quadratkilometer. Die Bevölkerung ist jedoch sehr ungleichmäßig über das Land verteilt. Der europäische Teil Russlands ist verhältnismäßig dicht besiedelt. In weiten Teilen Sibiriens erreicht die Bevölkerungsdichte dagegen nur geringe Werte. In der Zeit der Sowjetunion wurde Sibirien wegen seiner reichen Bodenschätze industriell erschlossen und besiedelt, besonders Südsibirien und der Ferne Osten Russlands. Angehörige von mehr als 100 Nationalitäten leben in Russland; 18 Prozent der Gesamtbevölkerung sind Nichtrussen. Die größte Minderheit stellen die Tataren mit einem Anteil von 3,8 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Die Ukrainer (3 Prozent) sind die nächstgrößere Bevölkerungsgruppe; außerdem leben in Russland u. a. Weißrussen, Tschuwaschen, Baschkiren, Mordwinen und Deutsche. Auseinandersetzungen zwischen einzelnen ethnischen Gruppen gehören seit der Auflösung der Sowjetunion zu den großen sozialen Problemen Russlands.
Knapp drei Viertel der russischen Bevölkerung leben in städtischen Gebieten. 13 Städte haben über eine Million Einwohner. Die meisten davon liegen im europäischen Teil Russlands. Die bei weitem größte Stadt ist die Hauptstadt Moskau mit einer Einwohnerzahl von etwa 10,47 Millionen (2003). Sankt Petersburg war von 1712 bis 1918 Hauptstadt Russlands; die Stadt liegt am Finnischen Meerbusen und ist eine führende Hafenstadt und eines der Hauptindustriezentren mit etwa 4,60 Millionen Einwohnern. Nishnij Nowgorod, mit 1,37 Millionen Einwohnern die größte Stadt an der Wolga, ist eines der Hauptzentren der Automobilindustrie und des Schiffbaus. Nowosibirsk, die größte Stadt Sibiriens, hat rund 1,41 Millionen Einwohner. Jekaterinburg, die größte Stadt im Uralgebirge, hat etwa 1,30 Millionen Einwohner. In Samara, einem bedeutenden Standort der Erdölverarbeitung für die Wolga-Ural-Erdölfelder, leben rund 1,13 Millionen Menschen. Weitere Städte mit mehr als einer Million Einwohnern sind u. a. Omsk, zweitgrößte Stadt in Westsibirien und wichtiger Standort der Petrochemie; Tscheljabinsk, zweitgrößte Stadt im Uralgebirge; Kasan, Hauptstadt der Republik Tatarstan am Mittellauf der Wolga; Perm, Industriezentrum im Gebiet um den Fluss Kama westlich des Uralgebirges; Ufa, Zentrum der Petrochemie im Süden des Uralgebirges; Rostow, Zentrum für Handel, Industrie und Transportwesen im Süden des europäischen Teiles von Russland, am unteren Flusslauf des Don, und schließlich Wolgograd, Standort für Maschinenbau und andere Industriezweige am Unterlauf der Wolga.
Amtssprache und verbreitetste Verkehrssprache ist Russisch; einige Republiken haben die jeweils vorherrschende einheimische Sprache als zusätzliche Amtssprache eingeführt. Nur 4 Prozent der Russen innerhalb der ehemaligen UdSSR beherrschen eine der über 100 anderen im Land verbreiteten Sprachen, während die meisten der anderen ethnischen Gruppen Russisch sprechen. Millionen von Nichtrussen haben Russisch als Muttersprache angenommen. In den autonomen Republiken, in denen eine bestimmte Volksgruppe die Bevölkerungsmehrheit stellt, werden die jeweiligen nationalen Sprachen auch in den Schulen gelehrt. Das Fremdsprachenangebot in den Schulen umfasst neben Englisch auch Französisch, Deutsch und Spanisch.
In der UdSSR wurde die Religionsausübung staatlich kontrolliert und weitgehend unterdrückt. Heute existieren zahlreiche Glaubensgemeinschaften und religiöse Vorstellungen; neben neuen Religionen kam es zum Aufleben traditioneller Religionen wie der des (orthodoxen) Christentums, aber auch des Islam, des Buddhismus und des Judentums. Die Muslime leben vorwiegend in den Republiken des Nordkaukasus und der mittleren Wolgaregion, während die Buddhisten in den Grenzgebieten zur Mongolei wohnen. Die orthodoxe Kirche ist die wichtigste religiöse Institution in Russland. Schätzungsweise 37 Millionen Menschen (rund ein Viertel der Bevölkerung) bekannten sich Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts zum russisch-orthodoxen Glauben. Der russische Präsident Boris Jelzin empfing den Patriarchen von Moskau und Gesamtrussland, Alexei II., das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, mehrmals und würdigte damit seine Bedeutung. Die Kirche ist jedoch gespalten hinsichtlich ihrer Rolle in der postsowjetischen Gesellschaft und der Frage einer Annäherung an den Westen. Weitere strittige Themen, denen sich die Kirche gegenübersieht, sind u. a. das Wiederaufleben der unierten Kirche in der Ukraine, die zwar den orthodoxen Riten folgt, aber den Papst als Autorität anerkennt, und die Gründung getrennter orthodoxer Kirchen in anderen früheren Sowjetrepubliken.
Zu den russischen Feiertagen gehören Silvester (31. Dezember), Neujahr (1. Januar), Weihnachten (7. Januar), der internationale Frauentag (8. März), Ostern, der Tag der Solidarität (1. Mai), der Tag des Sieges (9. Mai), der Unabhängigkeitstag (12. Juni) und der Tag der Oktoberrevolution (7. November). Der wichtigste Feiertag in Russland ist Neujahr. An Silvester bringt „Väterchen Frost”, gekleidet in einen roten Umhang und schwarze Stiefel, den Kindern Geschenke, die sie aber erst am nächsten Tag finden. Da die russisch-orthodoxe Kirche den julianischen Kalender verwendet, begehen die Russen das Weihnachtsfest am 7. Januar. Nach der Oktoberrevolution 1917 war es viele Jahre lang untersagt, Weihnachten zu feiern, aber nach dem Ende der Sowjetunion 1991 erweckten die Russen die Weihnachtstradition wieder zu neuem Leben, und heute ist Weihnachten in Russland ein staatlicher Feiertag. Ostern wird in Russland nach dem julianischen Kalender festgelegt. Am Samstag vor dem Palmsonntag ehren die Russen Lazarus, den Jesus von den Toten erweckt haben soll. Der Tag des Sieges erinnert an das Ende des 2. Weltkrieges.
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