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Russland

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Russland (Flagge und Hymne)Russland (Flagge und Hymne)
Artikelgliederung
5.6

Verteidigung

Die Struktur der Streitkräfte in Russland hat sich in der postsowjetischen Zeit grundlegend verändert. Unmittelbar nach der Auflösung der UdSSR 1991 unterstanden die Streitkräfte der Kontrolle durch die Militärbefehlshaber der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), die das sowjetische Rüstungspotential übernommen hatte. Im Mai 1992 schuf Russland jedoch seine eigene Militärstruktur; dies geschah als Antwort auf die Bildung eigener Armeen durch verschiedene GUS-Staaten, besonders die Ukraine. Das militärische Kommando der GUS war noch für ein weiteres Jahr aktiv, obwohl seine Macht schon stark eingeschränkt war. Schließlich wurde es im Juni 1993 abgeschafft, und die meisten seiner Funktionen wurden auf das russische Militärkommando übertragen. Die Streitkräfte Russlands umfassen rund 1 Millionen Soldaten (2004) in Armee, Marine und Luftwaffe. Männliche Staatsangehörige ab 18 Jahren müssen 18 Monate dienen, wenn sie zur Armee eingezogen werden; bei der Marine und der Luftwaffe dauert die Wehrpflicht zwei Jahre.

Die Verteidigungspolitik wird vom Sicherheitsrat gestaltet, einem Exekutivorgan, das im Mai 1992 gegründet wurde. Der Sicherheitsrat besteht aus einem Vorsitzenden, einem Sekretär, drei weiteren ständigen Mitgliedern sowie nichtständigen Mitgliedern, die der Präsident ernennt. Der russische Staatspräsident hat den Vorsitz.

Die Verteidigungsfähigkeit der russischen Streitkräfte ist seit der Gründung der Russischen Föderation zurückgegangen. Die Verteidigungseinrichtungen sehen sich schwerwiegenden Problemen wie Rekrutenengpässen, unzureichenden Unterkünften, veralteter Ausrüstung und geringer Truppenmoral gegenüber.

6

Wirtschaft

Wie in den anderen ehemaligen Sowjetrepubliken, wurde auch die Wirtschaft in Russland durch die Auflösung der UdSSR empfindlich getroffen. Ökonomisch gesehen stand das Land 1990/91 kurz vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Das große Staatsdefizit nimmt rund ein Fünftel des gesamten Bruttoinlandsproduktes ein, wobei Ähnliches für die ebenfalls hohe Auslandsverschuldung gilt (1996 fast 125 Milliarden US-Dollar). Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag 2006 bei 986 940 Millionen US-Dollar.

Die Gründe für die russische Wirtschaftskrise liegen in der Zerstörung traditioneller Handelsmuster und in der verzögerten Durchführung von Wirtschaftsreformen. Der Handel zwischen Russland und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken litt häufig unter Streitigkeiten wegen der Austauschrelationen (siehe Terms of Trade), besonders hinsichtlich des Preises für russische Erdölexporte. Sich überschneidende Besitzansprüche verschiedener staatlicher Verwaltungsebenen innerhalb Russlands haben die Ausübung von Geschäften mit Russland noch schwieriger gemacht.

Marktreformen, die Präsident Jelzin und andere Befürworter Anfang 1992 noch vehement vorantrieben, trafen bei Industriemanagern und Konservativen auf großen Widerstand. Trotz der Proteste von Regierungsvertretern gewährte die Zentralbank Russlands 1992 hohe Subventionszahlungen an nicht rentable Unternehmen, die die Inflation weiter in die Höhe trieben und das Haushaltsdefizit vergrößerten. Ende 1993 war etwa ein Drittel aller Staats- und Kommunalunternehmen privatisiert worden, aber dieser Prozess hing in großem Maß von der Unterstützung durch lokale Funktionäre ab. Die Privatisierung schritt in einigen Städten, z. B. in Nishnij Nowgorod, Sankt Petersburg und Jaroslawl, viel schneller voran als in anderen Teilen des Landes. Darüber hinaus war der rechtliche Rahmen für Privatisierungen unvollständig. Der private Besitz, Verkauf und die Vermietung von Grund und Boden wurde erst im Oktober 1993 erlaubt, als Präsident Jelzin einen Regierungserlass herausgab, der ein zehnjähriges Moratorium auf den Wiederverkauf von Land aufhob.

Der Übergang von der zentral gelenkten Planwirtschaft zur Marktwirtschaft gestaltet sich weiterhin schwierig. Dies zeigt sich exemplarisch an dem Erdölkonzern Yukos, der sich vom ehemaligen Staatsunternehmen zu einem erfolgreich agierenden Privatunternehmen entwickelte und nach seiner Zerschlagung erneut unter staatliche Kontrolle kam.

Yukos entstand im April 1993 im Zuge der Privatisierung von staatlichen Erdölfirmen der ehemaligen Sowjetunion. Bis 2003 hatte sich Yukos zum größten privaten Erdölkonzern Russlands entwickelt. Weltweites Aufsehen erregte im September 2003 die Verhaftung des Vorstandsvorsitzenden Michail Chodorkowskij wegen Betrugs und Steuerhinterziehung. Anschließend beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft 44 Prozent der Yukos-Aktien. Die starken Kursverluste der noch gehandelten Anteilsscheine machten es Yukos unmöglich, durch Veräußerung eigener Aktienpakete die von den Behörden geforderten Steuernachzahlungen in Höhe von umgerechnet mehreren Milliarden Euro zu leisten.

Verhaftet wurde Chodorkowskij, der reichste Mann in Russland, nach Ansicht von Beobachtern vermutlich vor allem deshalb, weil er die Opposition gegen Staatspräsident Putin unterstützte. Das Urteil gegen Chodorkowskij – neun Jahre Lagerhaft –, das im Mai 2005 erging, wurde von vielen Seiten als politisches Urteil und der vorangegangene Prozess als unfair gewertet. Im Dezember 2004 wurde das Yukos-Tochterunternehmen Yuganskneftegas, auf das rund 60 Prozent der Erdölförderung von Yukos entfallen, bei einer Zwangsversteigerung an die bis dahin unbekannte BaikalFinansGroup verkauft. Diese Investorengruppe übernahm damit weit mehr als die Hälfte des Kerngeschäfts von Yukos, weshalb dieser Schritt der Zerschlagung des Mutterkonzerns gleichkam. Wenige Tage später erfolgte die Übernahme der BaikalFinansGroup durch den staatlichen Erdölkonzern Rosneft. Damit hatte der Staat nach Aufspaltung des Konzerns Yukos die Kontrolle über dessen Kerngeschäft übernommen.

Ein brisantes Problem für die Wirtschaft Russlands stellt die organisierte Kriminalität dar. Angaben des russischen Innenministeriums zufolge werden schätzungsweise über 40 000 Firmen von mafiaähnlichen Organisationen kontrolliert, darunter auch Banken und Staatsbetriebe.

Die Gesamtzahl der Beschäftigten beträgt 73,5 Millionen (2006). 30 Prozent der Erwerbstätigen arbeiteten 2005 in der Industrie. In der Landwirtschaft waren 10 Prozent, im Handel- und Dienstleistungsbereich 22 Prozent und im Regierungs- sowie Verwaltungsapparat nochmals 22 Prozent aller Erwerbstätigen beschäftigt. Die Arbeitslosenquote wird auf 7,9 Prozent geschätzt (2004).

Die Organisation der Arbeit hat sich seit der Sowjetzeit nicht sehr verändert. Die Gewerkschaften werden von Organisationen beherrscht, die Nachfolger der offiziellen kommunistischen Gewerkschaften der UdSSR sind. Ihre oberste Organisation, die Föderation Unabhängiger Gewerkschaften (die russische Abkürzung ist FNPR), hat 50 Millionen Mitglieder, das entspricht fast 70 Prozent der Gesamtarbeiterschaft. Im Gegensatz dazu haben Gewerkschaften, die nicht dem FNPR angeschlossen sind, weniger als eine halbe Million Mitglieder. Die FNPR-Gewerkschaften haben aus der Sowjetzeit einige Befugnisse bewahrt, darunter die Kontrolle über die Mittel der Sozialversicherung, die Berechtigung, automatisch Gewerkschaftsbeiträge von der Gehaltsabrechnung der Arbeiter einzubehalten, sowie das Recht, gegen Entlassungsvorschläge des Managements Einspruch einzulegen. Die Regierung hat versucht, diese Befugnisse der Gewerkschaften zu reduzieren, doch das veranlasste die meisten der FNPR-Gewerkschaften dazu, die konservative Opposition politisch zu unterstützen. Darüber hinaus etablierte die FNPR eine enge Verbindung zum Industriemanagement, die der Verbindung zwischen Arbeiterschaft und Management in der Sowjetzeit gleicht.

6.1

Landwirtschaft

Aus klimatischen Gründen sind nur 13 Prozent der Landesfläche landwirtschaftlich nutzbar, rund 60 Prozent der Landwirtschaftsfläche werden ackerbaulich genutzt. Der größte Teil der Anbauflächen des Landes liegt im so genannten fruchtbaren Dreieck, das seine Basis entlang der Westgrenze hat, die sich von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer erstreckt, und das nach Osten in den südlichen Ural spitz zuläuft. Dort verengt es sich auf einen Streifen von etwa 400 Kilometern Breite, der sich über die südwestlichen Ränder von Sibirien erstreckt. Östlich des Altaigebirges gibt es Landwirtschaft nur in isolierten Gebirgssenken entlang des Südrandes von Sibirien und in der fernöstlichen Region. Die Grenze des wirtschaftlich rentablen Getreideanbaus liegt bis auf wenige Ausnahmen im fernöstlichen Teil bei 60 Grad nördlicher Breite. Nach Süden hin ist das Klima ohne Bewässerung zu trocken. Während der Sowjetzeit errichtete man am Kuban und an anderen Flüssen im Süden des europäischen Teiles von Russland umfangreiche Bewässerungsanlagen, um die Landwirtschaft zu versorgen. Die wichtigsten Bewässerungsprojekte der früheren UdSSR liegen jedoch in den zentralasiatischen Republiken.

In Russland werden vor allem Weizen, Gerste, Hafer, Roggen, Zuckerrüben, Sojabohnen und Kartoffeln angebaut. Weitere wichtige Anbauprodukte sind Mais, Hirse, Buchweizen, Reis, Hülsenfrüchte, Sonnenblumenkerne und Flachs. Verschiedene Arten von Obst gemäßigter Klimazonen wie Äpfel, Birnen, Kirschen und Weintrauben werden in Russland ebenfalls in großem Umfang kultiviert. Von besonderer Bedeutung ist die Zucht von Schweinen, Rindern, Schafen und Geflügel. Im hohen Norden ist die Rentierhaltung eine der Haupteinnahmequellen der einheimischen Bevölkerung, im Norden und Osten außerdem die Jagd und Zucht von Pelztieren.

Die Landwirtschaft erfuhr zu Beginn der neunziger Jahre einen starken Rückgang. Zwischen 1990 und 1992 sank die gesamte landwirtschaftliche Produktion um mehr als 4 Prozent jährlich; zwischen 1990 und 1991 sank die Weizenproduktion um 24 Prozent. Obwohl die Fleischproduktion einigermaßen stabil blieb, sank der Viehbestand beträchtlich. Zwischen 1986 und 1993 verringerte sich der Gesamtbestand an Geflügel um 10 Prozent, an Rindern um 12 Prozent und an Schweinen, Schafen und Ziegen um 19 Prozent. Die Abnahme beim Viehbestand lässt sich zum Teil auf mangelndes Tierfutter zurückführen, während der Rückgang der Landwirtschaft hauptsächlich auf fehlenden Kreditquellen und einem starken Anstieg der Preise für Maschinen, Dünge- und andere chemische Mittel, Treibstoff etc. beruht. Die Privatisierung in der Landwirtschaft erfolgt nur langsam. Nahezu das gesamte Agrarland (96 Prozent) blieb unter Kontrolle ehemaliger Kollektive und Staatsbetriebe (Kolchosen und Sowchosen), von denen die meisten als Produzentenkooperativen oder Aktiengesellschaften reorganisiert worden sind; nur etwa 4 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche werden von Privatbauern bewirtschaftet. Der Staat kauft einen Großteil der Landwirtschaftsproduktion, aber dieser Anteil nahm Anfang der neunziger Jahre stetig ab. Besonders bemerkbar macht sich dieser Rückgang bei Zuckerrüben, Gemüse, Sonnenblumenkernen und Kartoffeln.

6.2

Forstwirtschaft

Russland ist einer der führenden Produzenten von Nutzholz und Holzerzeugnissen; das Land verfügt über etwa ein Fünftel des Waldbestandes der Erde und über rund ein Drittel des Weltbestandes an Nadelwald; der größte Teil der russischen Nutzholzproduktion besteht aus Weichholz, hauptsächlich von Kiefern, Tannen und Lärchen. Wichtigstes Laubholz für den Handel ist Birke. Die Hauptgebiete der Nutzholzgewinnung liegen im Nordwesten des europäischen Teiles, im zentralen Uralgebirge, in Südsibirien (in der nahen Umgebung der Transsibirischen Eisenbahn) und im Süden des fernöstlichen Russlands.

Die am leichtesten zugänglichen und wertvollsten Holzbestände wurden in der Sowjetzeit stark ausgebeutet; geblieben sind Wälder in weniger zugänglichen Bereichen Sibiriens und im Norden des europäischen Teiles. Diese Wälder, besonders jene in Sibirien, enthalten einen hohen Anteil an Lärchen. Die groß angelegte Ausbeutung dieser schwer zugänglichen Lärchenwälder hat sich als sehr kostenintensiv erwiesen, da das Fällen, der Transport und die Verarbeitung der Lärchenstämme schwierig sind. In den letzten Jahren hat trotzdem die Abholzung sibirischer Wälder stark zugenommen (siehe oben unter Umwelt).

6.3

Fischerei

Die russische Fischindustrie ist eine der größten der Welt. Übertroffen wird sie in der Produktionsmenge nur von Japan, China und den Vereinigten Staaten. Während der Sowjetzeit stieg der Pro-Kopf-Verbrauch an Fisch auf rund 23 Kilogramm pro Jahr. Historisch war der Fischfang konzentriert auf die angrenzenden Meere und inländische Seen und Flüsse. In den letzten Jahrzehnten sind große Anstrengungen unternommen worden, die Fischfangaktivitäten auszuweiten. Die sowjetischen Fangflotten begannen damit, in fast allen Teilen der Weltmeere Fisch zu fangen, und die Fischzucht wurde in Teichen und ländlichen Bewässerungsstauseen und -gräben entwickelt. Das führte dazu, dass die Sowjetunion bezüglich der jährlichen Fischfangmenge in den achtziger Jahren an zweiter Stelle hinter Japan stand. 2005 wurden rund 3,36 Millionen Tonnen Fisch gefangen. Die See- und Hochseefischerei machte dabei etwa 92 Prozent aus, die Binnenfischerei rund 8 Prozent. Bei der Binnenfischerei machten die Fänge in den Salzwässern des Asowschen, Schwarzen und Kaspischen Meeres ungefähr 60 Prozent der Gesamtmenge aus; die restlichen 40 Prozent stammten aus Süßwasserseen, Flüssen, Stauseen und Teichen.

Eine herausragende Stellung unter den gewerblich wichtigen Fischarten in den Binnengewässern nehmen Störe aus dem Norden des Kaspischen Meeres ein. Sie sind die Hauptquelle für Kaviar. Diese Fische können bis zu 100 Jahre alt werden und bis zu 1,5 Tonnen Gewicht erreichen. Der Hausen, die wirtschaftlich bedeutendste Art der Störe, zählt zu den größten Süßwasserfischen der Welt, er kann bis zu fünf Meter lang werden. Die Störbestände des Kaspischen Meeres sind durch rücksichtslose Überfischung seit dem Ende der Sowjetunion stark gefährdet.

Etwa 25 Prozent der russischen Fangmenge stammen aus dem Nordatlantik und dem Nordpolarmeer. Ein Großteil der atlantischen Fischfangflotte ist in Häfen an der Ostsee stationiert. Kaliningrad ist der größte russische Fischereihafen an der Ostsee; ein weiterer wichtiger Ostseehafen ist Sankt Petersburg am Finnischen Meerbusen. In der Ostsee werden hauptsächlich Heringe und Sprotten für den Verkauf gefangen. Murmansk und Archangelsk sind die herausragenden Fischereihäfen an der Westküste des Nordpolarmeeres. Viele Fischereihäfen liegen am Asowschen Meer, Schwarzem Meer und Kaspischem Meer im Süden; Astrachan ist ein bekannter Fischereihafen am Kaspischen Meer.

Rund 60 Prozent des russischen Fisches werden im Pazifischen Ozean und dessen Randmeeren gefangen. Wladiwostok ist bei weitem größter Fischereihafen und größtes Fischverarbeitungszentrum in der Pazifikregion. Viele andere Fischereihäfen sind über die Festlandküste sowie über die Insel Sachalin verstreut. Aufgrund seiner kalten Gewässer ist das Ochotskische Meer einer der reichsten Fanggründe Russlands. Es ist bekannt für Lachs, aber auch die Kamtschatkakrabbe ist weltweit berühmt. Weitere Fischarten, die im Pazifik gefangen werden, sind Heringe, Flundern, Makrelen und Kabeljaue; außerdem werden Meeressäugetiere wie Walrosse und andere Robbenarten erlegt.

Während der achtziger Jahre war die frühere UdSSR die führende Walfangnation. Der kommerzielle sowjetische Walfang wurde 1979 im Nordpazifik beendet, doch wurden in den Meeren rund um die Antarktis weiter Wale erlegt. Die Walfangflotten hatten ihren Stützpunkt in Wladiwostok an der Pazifikküste. 1988 wurde der kommerzielle Walfang in der UdSSR endgültig eingestellt.

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