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Russland

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Russland (Flagge und Hymne)Russland (Flagge und Hymne)
Artikelgliederung
6.9

Tourismus

Der Fremdenverkehr ist für Russland eine wichtige Einnahmequelle für Devisen. Hauptzielorte vieler Auslandsgäste sind vor allem die Großstädte Moskau und Sankt Petersburg. Wichtige Erholungsgebiete befinden sich außerdem am Schwarzen Meer.

6.10

Energie

Etwa 80 Prozent des Gesamtenergiebedarfs erzeugen Wärmekraftwerke. Bis 1955 hatte die Kohle den größten Anteil an der Energieerzeugung Russlands – das Land besitzt rund die Hälfte des Weltvorkommens. Ab 1955 fand eine allmähliche Umstellung auf Erdöl und Erdgas statt. Bis zu den siebziger Jahren waren Öl und Erdgas schließlich die Hauptenergiequellen des Landes geworden, und die UdSSR wurde der weltgrößte Produzent für fossile Brennstoffe. Nach der Auflösung der UdSSR sank die Energieproduktion insgesamt ab.

Weitere bedeutende Energiequellen in Russland sind die Wasserkraft und die Kernenergie. Wasserkraftwerke erzeugen rund 5 Prozent der gesamten Jahresstrommenge. Wichtige Wasserkraftwerke befinden sich an den großen Flüssen wie Wolga, Kama, Jenissej und Angara. Die Atomkraft liefert 15,67 Prozent der Gesamtenergieproduktion Russlands (2003). Die meisten Atomkraftwerke liegen im europäischen Teil Russlands. So decken beispielsweise die beiden größten Städte des Landes, Moskau und Sankt Petersburg, gut ein Drittel ihres Strombedarfs durch Kernenergie. Der Reaktorunfall in Tschernobyl am 26. April 1986 bewog die Sowjetfunktionäre zunächst dazu, bereits fertig gestellte Pläne zur umfangreichen Ausweitung der nuklearen Kapazitäten aufzugeben, aber 1992 verkündete die russische Regierung erneut Erweiterungspläne der nuklearen Energieproduktion. Im Juli 1998 wurde der Bau von sieben neuen Atomreaktoren beschlossen.

7

Geschichte

Historisch bezeichnet Russland das Zaren- bzw. Kaiserreich, das mit dem Kiewer Reich (Kiewer Rus) und dem Großfürstentum Moskau zwei Vorläufer hatte und bis zur Oktoberrevolution 1917 bestand. Nach der Oktoberrevolution schufen die Bolschewiki die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (RSFSR), die im Juli 1918 eine erste Verfassung erhielt und die dominierende Teilrepublik der 1922 gegründeten Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR, Sowjetunion) wurde. Heute wird der Name gemeinhin auf die Russische Föderation angewendet, die sich 1990 für souverän erklärte und nach der Auflösung der UdSSR 1991 zum unabhängigen Staat wurde. Wörtlich übersetzt müsste der neue Staat, gemäß der Unterscheidung im Russischen zwischen russkij und rossijsskij, eigentlich „Russländische” Föderation (Rossijskaja Federatsija) heißen.

1914 nahm das russische Kaiserreich mit rund 22 Millionen Quadratkilometern flächenmäßig etwa ein Sechstel der Erdoberfläche ein. Das Land erstreckte sich vom Bottnischen Meerbusen bis zum Pazifik und bestand aus dem eigentlichen russischen Kernland im östlichsten Teil Europas, zu dem auch das Großherzogtum Finnland und der größte Teil Polens gehörte, den Steppengebieten im Südwesten, dem Kaukasus, Sibirien und Russisch-Turkestan.

7.1

Frühzeit und Kiewer Rus (bis 1242)

7.1. 1

Frühzeit, Völkerwanderungen und slawische Landnahme

In vorchristlicher Zeit war das Gebiet des heutigen Russland nur spärlich von Nomadenstämmen besiedelt. Im Norden, einer Region mit ausgedehnten Wäldern, lebten die Stämme, die später unter dem Oberbegriff Slawen zusammengefasst wurden. Weitaus wichtiger war der Süden. Dort wurde die nicht genau abzugrenzende Region mit dem Namen Skythien durch verschiedene asiatische Reitervölker besetzt, darunter – in chronologischer Folge – die Kimmerier, die Skythen und die Sarmaten. Seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. errichteten griechische Händler und Kolonisten Handelsposten und Niederlassungen, besonders an der Nordküste des Schwarzen Meeres und auf der Halbinsel Krim.

Die offenen Ebenen des europäischen Russland erleichterten das Vordringen verschiedener Volksstämme, die Siedlungen gründeten und sich mit der ansässigen Bevölkerung vermischten. So wurden in den ersten Jahrhunderten nach Christus die asiatischen Völker aus Skythien von den germanischen Goten verdrängt, die am Schwarzen Meer ein Königreich errichteten. Im 4. Jahrhundert n. Chr. eroberten die eindringenden Hunnen das Land, vertrieben die Goten und vernichteten auch das schon seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. bestehende Bosporanische Reich beiderseits der Straße von Kertsch. Die Hunnen hielten das Gebiet, das die heutige Ukraine und Bessarabien umfasste, bis zu ihrer Niederlage auf den Katalaunischen Feldern (im heutigen Frankreich) im Jahr 451. Im 6. Jahrhundert drangen die Awaren über die südrussische Steppe vor, gefolgt von den Magyaren und den Chasaren, die bis etwa Mitte des 10. Jahrhunderts das Gebiet zwischen Wolga und Don beherrschten.

Während dieser langen Periode aufeinander folgender Invasionen begannen sich die slawischen Stämme, die wahrscheinlich nordöstlich der Karpaten in den Sumpf- und Waldgebieten zwischen oberem Bug und dem Mittellauf des Dnjepr lebten, über Osteuropa auszubreiten und sich in verschiedenen größeren Gruppen zu formieren. Im Sog der zahlenmäßig sehr viel schwächeren Awaren drangen sie nach Mittel- und Südosteuropa vor. Aus den westlichen Stämmen entwickelten sich u. a. Polen, Tschechen und Slowaken, aus den südlichen Stämmen gingen die Serben, Kroaten und Slowenen hervor. Die Ostslawen betätigten sich als Kaufleute, drangen über das System von Flüssen und Wasserwegen, das sich von den Waldaihöhen aus erstreckte, vor und legten Handelsposten an, so z. B. Kiew im Süden und Nowgorod im Norden. Die Waldaihöhen im Nordwesten Russlands sind die höchsten Erhebungen in der Osteuropäischen Ebene und das Quellgebiet vieler wichtiger Flüsse, z. B. Wolga, (westliche) Düna und Dnjepr. Durch diese strategisch wichtige Region, die sich leicht überwinden ließ, verliefen die Handelswege von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer. Von den Waldaihöhen breiteten sich die Ostslawen ab dem 6. Jahrhundert weiter aus.

7.1. 2

Die ersten Rurikiden (862-1054)

7.1.2. 1
Rurik

Die verschiedenen ostslawischen Stämme, die sich bis zum 8. Jahrhundert herausbildeten, schufen keine eigene Staatlichkeit, sondern allenfalls lockere Herrschaften, die sich untereinander in beständigem Konflikt befanden. Der russischen Überlieferung zufolge – Hauptquelle ist die Anfang des 12. Jahrhunderts in Kiew entstandene Nestorchronik – wurden die internen Streitigkeiten und Stammesfehden unter den Ostslawen rund um Nowgorod so heftig, dass diese entschieden, sich unter die Oberhoheit eines fremden Fürsten zu begeben. Ihre Wahl fiel auf Rurik, einen skandinavischen Stammes- und Heerführer, der 862 Herrscher über Nowgorod wurde. Zwei andere Skandinavier, Dir und Askold, erlangten die Herrschaft über Kiew. Daher gilt 862 auch als „Geburtsjahr” Russlands, obwohl zu diesem Zeitpunkt weder von einem Staat noch von Russen gesprochen werden kann. In der Nestorchronik werden die Skandinavier Waräger (Wikinger aus Schweden) genannt; sie erhielten später, wie auch die von ihnen unterworfenen Ostslawen, den Namen Rus (in griechischen Quellen Rhos) wovon sich wahrscheinlich Russen und Russland ableiten. Allerdings gibt es auch Theorien, die als Ursprung den finnischen Namen für die Schweden, Ruotsi, oder den Namen eines Alanenstammes in Südrussland, Rukhs-As, annehmen.

Den historischen Hintergrund der Berufungslegende liefert das Vordringen bewaffneter skandinavischer Kaufleute über die Fernhandelsrouten von der Ostsee über Wolchow bzw. Düna, Dnjepr und das Schwarze Meer nach Konstantinopel („Weg von den Warägern zu den Griechen”) seit dem 8. Jahrhundert. Rurik und die Dynastie, die er begründete, die Rurikiden (bis 1598), leiteten eine Zeit innerer Konsolidierung ein und führten zu einer Ausdehnung des ostslawischen Territoriums, besonders im Nordosten und Nordwesten, wo die ansässigen finnischen Völker assimiliert wurden. Die Waräger und ihre skandinavischen Gefolgsleute bildeten dabei die zahlenmäßig allerdings nur sehr dünne Oberschicht im sich ausbildenden Reich.

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