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Primaten

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1

Einleitung

Primaten oder Herrentiere, Ordnung der Säugetiere, die aus den beiden Unterordnungen Halbaffen und Affen besteht und mehr als 250 Arten umfasst.

Zu den Halbaffen, deren Evolutionsniveau unter dem der Affen liegt, gehören Fingertiere, Galagos, Indris, Lemuren, Loris, und Koboldmakis. Zur Unterordnung der Affen gehören u. a. die Menschenaffen und im systematischen Sinn auch der Mensch. Ein besonderes Merkmal der Affen ist ihr hoch entwickeltes Gehirn, das insbesondere den Menschenaffen zu beachtlichen Intelligenzleistungen befähigt. Als ursprünglichste Primaten gelten heute die Plesiadapiformes, eine Gruppe mausgroßer Säugetiere, deren taxonomische Zugehörigkeit bislang unklar war. Das älteste bekannte, diesem Taxon zugeordnete Fossil ist 56 Millionen Jahre alt; die Entstehung der Primaten wird daher für die Zeit vor etwa 65 bis 55 Millionen Jahren, bald nach der Wende von der Kreide zum Tertiär, angenommen (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2007). Die Evolution des Menschen begann vor mehr als vier Millionen Jahren, als sich die Vorfahren heutiger Schimpansen zu Vormenschen der Gattung Australopithecus weiterentwickelten. Viele Primatenarten, insbesondere auch die Menschenaffen, sind durch Lebensraumzerstörung und Bejagung in ihrem Bestand bedroht. In neuerer Zeit wurden wiederholt bislang unbekannte Primatenarten entdeckt, so gegen Ende des 20. Jahrhunderts in Madagaskar mehrere Mausmaki-Arten, die zu den Lemuren zählen.

2

Körpergrößen

Im Verlauf der Primatenevolution nahm das Größenwachstum stetig zu. Dies gilt sowohl für den Vergleich von Halbaffen mit Affen als auch für die beiden großen Affengruppen untereinander: Die primitiveren Affen auf dem amerikanischen Kontinent, die Neuweltaffen, sind im Allgemeinen kleiner als ihre Verwandten in Afrika und Asien, die Altweltaffen. Der Zwerg-Mausmaki, die kleinste Primatenart, ist mit sechs Zentimetern Kopfrumpflänge und einem Gewicht von etwa 30 Gramm nur mausgroß, der größte Primat ist mit einer Kopfrumpflänge von 1,85 Metern und einem Gewicht von bis zu 275 Kilogramm der Gorilla.

3

Körperbau und Orientierung

Primaten haben voneinander getrennte Finger, die sich spreizen lassen, sowie Daumen, die den übrigen vier Fingern gegenüber gestellt (opponiert) werden können; die Füße gleichen anatomisch oft den Händen. Primaten können mit Händen und Füßen gut greifen und sich an Ästen festhalten. Sie haben in der Regel flache (keine krallenförmigen) Nägel. Viele Neuweltaffen besitzen einen Greifschwanz als fünfte Extremität. Den Altweltaffen und Halbaffen, die einen Schwanz ausgebildet haben, dient dieser dagegen nicht als Greifschwanz.

Mit Ausnahme des südamerikanischen Nachtaffen sind alle anderen Affen tagaktiv; Halbaffen dagegen sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Während für Halbaffen der Geruchssinn und das Gehör eine wichtige Rolle spielen, orientieren sich Affen vor allem mit Hilfe ihrer Augen. Alle Primaten haben nach vorn gerichtete, in den Augenhöhlen bewegliche Augen, die ihnen räumliches Sehen ermöglichen; Affen können zudem Farben unterscheiden.

4

Verhalten und Fortpflanzung

Primaten bewohnen insbesondere die wärmeren Regionen der Erde; die meisten Arten sind Waldbewohner und leben auf Bäumen. Unter den Menschenaffen hält sich jedoch nur der Orang-Utan fast ausschließlich auf Bäumen auf. In Eurasien und Afrika sind auch andere Affen wie Paviane, aber auch manche Halbaffen wie Kattas (eine Lemurenart auf Madagaskar) fast völlig zu Bodenbewohnern geworden. Auf dem Boden bewegen sich Primaten zumeist auf allen vieren fort – insbesondere Gibbons und Bonobos (Zwergschimpansen) laufen kürzere Strecken auch zweibeinig.

Primaten weisen vielfältige soziale Verhaltensmuster auf. Sie tauschen mit Hilfe der Stimme, des Gesichtsausdrucks, der Gestik, der Körperhaltung und des sonstigen Verhaltens zahlreiche subtile und komplexe Signale aus. Manche Arten, wie etwa Gibbons, leben in Familiengruppen. Brüllaffen bilden große gemischte Trupps, auch Schimpansen leben in großen, locker organisierten Gruppen. Primaten sind zu einer Vielzahl von Lautäußerungen fähig. Bei Affen zeigte sich ein statistischer Zusammenhang zwischen dem Repertoire an Lautäußerungen und der Größe und Komplexität der jeweiligen Gruppen: Arten mit größeren und komplexeren Gruppen haben zumeist auch eine höher entwickelte Kommunikation (Proceedings of the Royal Society, 2005).

Halbaffen bringen je nach Art pro Wurf ein bis vier Junge zur Welt; Affen bekommen zumeist nur ein Junges, Krallenaffen jedoch regelmäßig Zwillinge. Die Tragzeit dauert von rund zwei Monaten bei manchen Halbaffen bis zu neun Monaten beim Gorilla. Bei Affen besteht eine sehr lange Mutter-Kind-Bindung, Schimpansen können bis zum Alter von zehn Jahren bei ihrer Mutter bleiben.

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