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Artikelgliederung
Einleitung; Hintergrund; Die Februarrevolution; Der Petrograder Sowjet; Die Provisorische Regierung; Krieg oder Frieden; Das Erstarken der Bolschewiki; Der Juliputsch; Die Regierung Kerenskij; Die Oktoberrevolution; Die provisorische Arbeiter- und Bauernregierung
Oktoberrevolution, die beiden Revolutionen im zaristischen Russland im Jahr 1917, die mit der Gründung des sowjetischen Staates, der späteren Sowjetunion, ihren Höhepunkt fanden. Die erste Revolution, die Februarrevolution, die mit dem Aufstand vom 8. bis 12. März 1917 (23.-27. Februar nach dem damals in Russland gebräuchlichen julianischen Kalender) begann, führte zum Sturz der autokratischen Zarenherrschaft. Die zweite, die Oktoberrevolution, war der bewaffnete Aufstand der Bolschewiki gegen die im März eingesetzte Provisorische Regierung am 6. und 7. November (24./25. Oktober) und endete mit dem Sturz der Provisorischen Regierung und der Einsetzung einer Räteregierung durch die Bolschewiki. (Alle weiteren Datumsangaben in diesem Artikel beziehen sich auf den gregorianischen Kalender.)
Russland war jahrhundertelang autokratisch und repressiv regiert worden. Der größte Teil des Volkes lebte unter schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen. Seit dem 19. Jahrhundert waren unter Studenten, Intellektuellen, Arbeitern, Bauern und auch Adeligen immer wieder Bewegungen entstanden, deren Zielsetzungen im Einzelnen zwar recht unterschiedlich waren, die aber ausnahmslos alle auf den Sturz der autokratischen Zarenherrschaft abzielten. Zwei herausragende, wenn auch mehr oder weniger erfolglose Versuche in dieser Richtung waren der Aufstand der Dekabristen von 1825 gegen Zar Nikolaus I. und die Revolution von 1905, die beide die Einführung einer konstitutionellen Monarchie zum Ziel hatten. (Zur Geschichte Russlands vor der Russischen Revolution siehe den Abschnitt Geschichte im Artikel Russland.)
Die unmittelbare Ursache der Februarrevolution von 1917 war der Niedergang des Zarenregimes unter der gewaltigen Belastung des 1. Weltkrieges sowie die Unfähigkeit bzw. Weigerung des Zaren Nikolaus II., längst überfällige politische, wirtschaftliche und soziale Reformen durchzuführen. Die mittelbare Ursache war die im Vergleich zum Westen sehr rückständige Wirtschaft Russlands, die es unmöglich machte, einen Krieg gegen das wirtschaftlich starke Deutschland durchzuhalten, geschweige denn zu gewinnen. Russland hatte zwar praktisch unerschöpfliche Ressourcen an Arbeitskräften, in der Industrie fehlten aber ausreichende Kapazitäten für die Produktion von Waffen, Ausrüstung und Versorgungsgütern für die Millionen von Soldaten, die in den Krieg geschickt worden waren. Außerdem war das Schienennetz noch äußerst unzureichend, und schließlich ging auch die Agrarproduktion in Folge des Krieges stark zurück. In den Schützengräben hungerten die Soldaten und hatten oft weder Schuhe noch Munition, manchmal nicht einmal Waffen. Die Verluste der Russen waren so hoch wie nie zuvor in irgendeinem Krieg oder irgendeiner Armee. Hinter der Front wurden die Waren knapp, die Preise stiegen rapide an, und 1917 standen vor allem die großen Städte vor einer Hungersnot. Die Verbitterung der Zivilbevölkerung wuchs zusehends, und auch in der Armee litt die Moral unter der katastrophalen Versorgungslage und zusätzlich noch unter einer Reihe von militärischen Niederlagen. Vielfach schrieb man diese Rückschläge dem angeblichen Verrat der Zarin Alexandra und ihres Kreises zu, der unter dem Einfluss des Bauernmönches Grigorij Jefimowitsch Rasputin stand. Proteste der Duma, des russischen Parlaments, gegen die inkompetente Kriegsführung und die Willkürherrschaft der zaristischen Regierung fanden weder bei Zar Nikolaus II. noch bei den meisten seiner Minister Gehör.
Anfang 1914 waren in Russland wie fast überall in Europa alle Parteien außer einer kleinen Gruppe von Sozialdemokraten für den Krieg. Aber bereits ab 1915 kam es zu empfindlichen Engpässen in der Versorgung, die besonders die großen Städte zu spüren bekamen, die von Flüchtlingen aus dem Frontgebiet überschwemmt wurden. Die Protestbereitschaft der Zivilbevölkerung stieg, und immer häufiger kam es zu Streiks und Demonstrationen. 1915 schloss sich die Mehrheit der Duma zu einem interfraktionellen, progressiven Block zusammen und forderte angesichts der wachsenden Unzufriedenheit und der Versorgungslage politische Reformen. Der Zar lehnte ab und verschärfte seinen innenpolitischen Kurs noch. Im November 1916 machte die Duma Nikolaus II. nochmals darauf aufmerksam, dass es zu einer Katastrophe kommen werde, sofern er keine Reformen durchführe und sich nicht zu einer konstitutionellen Form der Regierung herbeiließe. Der Zar schlug wiederum alle Warnungen in den Wind. Ende Dezember ermordete eine Gruppe von Aristokraten Rasputin, in der Hoffnung, der Zar werde seinen politischen Kurs ändern; der Zar blieb hart, reagierte vielmehr mit der Begünstigung von Rasputins Anhängern am Hof. Einflussreiche Kreise fassten nun sogar eine Palastrevolution ins Auge, um so vielleicht doch noch einen Aufstand der breiten Masse abwenden zu können.
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