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AfghanistanEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Physische Geographie; Bevölkerung; Bildung und Kultur; Verwaltung und Politik; Wirtschaft; Geschichte
Die Vegetation des Landes entspricht ungefähr der Ausbildung der Klimazonen. Die Pflanzenwelt Afghanistans gleicht sowohl derjenigen Tibets und der Himalaya-Region als auch derjenigen der Ebenen und Wüsten des Mittleren Ostens. Zedern-, Kiefern- und andere Nadelwälder sind auf Höhen zwischen etwa 1 800 Metern und 3 700 Metern anzutreffen. Aufgrund von Rodungen nehmen die Wälder nur noch 3 Prozent der Landesfläche ein. In niedrigeren Höhen finden sich Sträucher und Bäume wie Hasel, Pistazie, Esche, Wacholder und Tragant. Unterhalb von 900 Metern besteht die Vegetation hauptsächlich aus Kräutern und Sträuchern. Insbesondere in den tiefer gelegenen Steppen wurde die natürlich vorkommende Fauna durch Besiedlung und Landwirtschaft weitgehend zurückgedrängt. Zu den einheimischen Tierarten gehören die Großraubtiere Braunbär, Wolf, Schneeleopard, Goldschakal und Streifenhyäne; weitere bemerkenswerte Säuger sind Bezoarziege, Kropfgazelle und Weißschwanz-Stachelschwein. In Afghanistan wurden etwa 380 Vogelarten nachgewiesen, ungefähr 200 als Brutvögel. Greifvögel sind u. a. durch mehrere Arten von Adlern (Habichts-, See-, Stein- und Kaiseradler) und Geiern (Gänse-, Mönchs- und Schmutzgeier) repräsentiert. Zu den ökologisch interessanten Gebieten gehören Überreste der traditionellen Jagdreviere, drei Tierschutzgebiete und ein Nationalpark, der allerdings nie einen offiziellen Status besaß. Vor dem Bürgerkrieg wurde er vom Ministerium für Forstwirtschaft und der afghanischen Tourismusorganisation gemeinsam verwaltet. Damals entstanden Pläne zur Einrichtung verschiedener Schutzgebiete, und mit Unterstützung des Iran fanden Mitarbeiterschulungen statt. In den siebziger Jahren erhielt das Land internationale Hilfe von den Vereinten Nationen und dem World Wide Fund for Nature (WWF). Diese Organisationen erstellten Umweltstudien und Strategien zum Artenschutz. 1991 waren zwei Tierschutzgebiete und der Nationalpark anerkannte Schutzzonen, die jedoch wenig bzw. nicht schutzwürdig waren. Die noch vorhandenen Teile des ursprünglichen Waldes stellen künftige potentielle Naturreservate dar. Afghanistan hat internationale Abkommen über bedrohte Arten, Umweltveränderungen, Entsorgung von Abfällen im Meer und Atomtests unterzeichnet.
Der überwiegende Teil der Bevölkerung Afghanistans gehört einer der vier großen ethnischen Gruppen der Paschtunen, der Tadschiken, der Usbeken und der Hazara an. Die Paschtunen (Afghanen), die sich in die beiden Untergruppen der Durani und der Ghilzai gliedern, stellen die größte Gruppe, gefolgt von den Tadschiken, einer Volksgruppe iranischer Abstammung, und den Hazara und Usbeken sowie einer Reihe kleinerer Ethnien. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 32,74 Millionen (2008). Die Bevölkerungsdichte liegt bei 51 Einwohnern pro Quadratkilometer (2008). Die Verstädterungsrate ist gering; etwa 77 Prozent der Bevölkerung leben auf dem Land (2003), annähernd 2,6 Millionen führen das Leben von Nomaden. Hauptstadt Afghanistans ist Kabul, eine Stadt mit etwa 2,96 Millionen Einwohnern. Weitere bedeutende Städte sind die Handelszentren Kandahar (226 000 Einwohner) und Herat (177 000 Einwohner), das für die Vielzahl seiner alten Moscheen und Paläste bekannt ist.
Amtssprachen sind Paschtu, eine indoiranische Sprache, und Dari, wie die persische Sprache in Afghanistan heißt. Daneben existieren entsprechend der Vielfalt ethnischer Gruppen weitere Sprachen und Dialekte. In Provinzen, wo eine Mehrheit weder Paschtu noch Dari, sondern eine Regionalsprache spricht, ist diese Sprache die dritte Amtssprache. Englisch wird als Handelssprache verwendet. Von den vielen gesprochenen Sprachen sind die Turksprachen (Turkmenisch, Usbekisch und Kirgisisch) im Norden am weitesten verbreitet.
Mehr als 99 Prozent der Bevölkerung Afghanistans sind Muslime. Sie gehören überwiegend der sunnitischen Glaubensrichtung an (etwa 84 Prozent der Bevölkerung). Die Persisch sprechenden Hazara im Westen bilden eine schiitische Minderheit (14 Prozent). In einigen Städten gibt es kleinere Gruppen von Juden, Hindus und Parsen. Die Grabmoschee des Kalifen Ali in Mazar-i-Sharif ist die bedeutendste muslimische Wallfahrtsstätte. Sie darf von Andersgläubigen nicht betreten werden.
Die weltlichen Feiertage in Afghanistan umfassen den Siegestag der muslimischen Nation (28. April), den nationalen Gedenktag (4. Mai) und den Unabhängigkeitstag (Jashn, am 18. August). Das Jashn-Fest erinnert an die Befreiung des Landes von der britischen Herrschaft im Jahr 1919 und dauert eine ganze Woche. Alle bedeutenden islamischen Feiertage richten sich nach dem Mondkalender und fallen daher jedes Jahr auf ein anderes Datum. Der Ramadan ist der Fastenmonat der Muslime. Der erste Tag des Fastenmonats ist ein Feiertag, ebenso die letzten drei Tage, die als das Fest Aid-e-fitr gefeiert werden. Nauroz, das islamische Neujahr, beginnt am ersten Frühlingstag, der auf einen Tag um den 21. März fällt. Ebenfalls wichtige islamische Feiertage sind Aid-e-ada, das an die Bereitschaft Abrahams, auf Allahs Befehl hin seinen einzigen Sohn zu opfern, erinnert, Aschura, ein Festtag der Schiiten zum Gedenken an den Märtyrer Husain, und Roze-Maulud, der Geburtstag des Propheten Mohammed.
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