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AfghanistanEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Physische Geographie; Bevölkerung; Bildung und Kultur; Verwaltung und Politik; Wirtschaft; Geschichte
69,6 Prozent des Stromes werden in Afghanistan von Wasserkraftwerken erzeugt (2003), von denen die größten an den Flüssen Hilmend und Kabul liegen; daneben tragen Wärmekraftwerke zur Energieversorgung bei. Der Energiebedarf kann jedoch nicht gedeckt werden.
Das Gebiet des heutigen Afghanistan war, wie Funde belegen, spätestens ab dem Mesolithikum besiedelt, und ab etwa 2000 v. Chr. lassen sich auch feste Siedlungen einschließlich Palästen und Tempelanlagen nachweisen. Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. gehörte die Region zum Perserreich der Achaimeniden, bis sie 330 v. Chr. einschließlich des Perserreiches von Alexander dem Großen erobert wurde. Nach dessen Tod 323 v. Chr. fiel die Region an das Seleukidenreich, wurde jedoch wenig später teilweise von dem indischen König Candragupta erobert. Im Norden des Landes, in Baktrien, etablierte sich eine weitere griechische Dynastie und errichtete einen eigenen Staat, der von 256 v. Chr. bis etwa 130 v. Chr. Bestand hatte. Dieses Graecobaktrische Reich wich dann der Herrschaft von Saken und Tocharern. Im 1. Jahrhundert n. Chr. breitete sich der Buddhismus in der Region aus, die unterdessen zum Kuschan-Reich gehörte. Im frühen 5. Jahrhundert eroberten die Hephthaliten, die so genannten Weißen Hunnen, Afghanistan, wurden jedoch bald wieder von den persischen Sassaniden geschlagen, die wiederum Mitte des 7. Jahrhunderts von den Arabern verdrängt wurden.
Das Eindringen der muslimischen Araber hatte tiefgreifendere Auswirkungen auf Afghanistan als jeder andere fremdländische Einfluss zuvor. Es vergingen jedoch mehrere Jahrhunderte, bevor der Islam in ganz Afghanistan zur vorherrschenden Religion wurde. Denn zunächst konnten sich die Araber nur im Westen des Landes durchsetzen; der Osten einschließlich Kabuls kam erst im 10. Jahrhundert unter muslimische Herrschaft. Im späten 10. Jahrhundert setzten sich die türkisch-muslimischen Ghasnawiden in Afghanistan durch; ihr Zentrum war Ghasni, und unter ihrem bedeutendsten Herrscher, Mahmud von Ghasni, umfasste ihr Reich auch den Punjab. Die Ghasnawiden wurden Mitte des 12. Jahrhunderts von den einheimischen Ghuriden abgelöst, die ihre Herrschaft allmählich bis nach Nordindien ausdehnten, jedoch um 1220 von den Mongolen unter Dschingis Khan besiegt wurden. In der Folgezeit gehörte Afghanistan zum Reich der mongolischen Ilkhane, die ihrerseits im späten 14. Jahrhundert von Timur-i Läng (Tamerlan) besiegt und verdrängt wurden. Unter den nachfolgenden Timuriden zerfiel Afghanistan in mehr oder weniger unabhängige Teilreiche; im frühen 16. Jahrhundert brachten die persischen Safawiden den Westen, die Usbeken den Norden unter ihre Kontrolle, und der Süden und Südosten blieb unter der Herrschaft des Timuriden Babur, des Gründers des indischen Mogulreiches, der 1504 Kabul zu seiner Residenz machte. In der Folgezeit sahen sich sowohl die persischen Herrscher als auch die Babur nachfolgenden Moguln mit zunehmendem Widerstand der Afghanen gegen die Fremdherrschaft konfrontiert.
Im 17. Jahrhundert erstarkten die einheimischen Afghanen. 1722 eroberten sie Isfahan, die persische Hauptstadt. Nadir Schah unternahm jedoch eine Gegenoffensive und stellte bis 1738 die iranische Herrschaft über den Großteil Afghanistans wieder her. Nach Nadirs Tod – er wurde 1747 ermordet – wählten die afghanischen Stammesführer Ahmed Schah vom Stamm der Abdali zu ihrem Herrscher. Ahmed Schah errichtete ein afghanisches Großreich mit Kandahar als seinem Zentrum und dehnte es durch mehrere Kriegszüge bis nach Delhi im Osten und bis zum Arabischen Meer im Süden aus. Unter seinen Nachfolgern zerfiel das Reich jedoch infolge von inneren Konflikten und Angriffen von außen wieder. 1826 übernahm Dost Mohammed Khan die Herrschaft über Ostafghanistan; 1835 nahm er den Titel eines Emirs an.
Afghanistan lag in der Interessensphäre der Großmächte Russland und Großbritannien, das als Kolonialmacht das Afghanistan benachbarte Indien beherrschte; beide Großmächte fürchteten die Expansion der jeweils anderen nach Afghanistan, und Afghanistan suchte aus dem Spannungsfeld zwischen Russland und Großbritannien für sich möglichst großen Nutzen zu ziehen und seine Unabhängigkeit zu wahren.
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