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AfghanistanEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Physische Geographie; Bevölkerung; Bildung und Kultur; Verwaltung und Politik; Wirtschaft; Geschichte
Angesichts einer vermeintlich drohenden Annäherung Afghanistans an Russland ließ Großbritannien 1838 eine britisch-indische Armee in Afghanistan einmarschieren und löste damit den 1. Afghanisch-Britischen Krieg (1838-1842) aus. Die Invasoren stießen auf keine nennenswerte Gegenwehr und eroberten 1838 im April Kandahar und im Juli Ghasni. Als im August 1838 Kabul fiel und Dost Mohammed gegenüber den Briten kapitulierte, wurde Schah Schuja, ein Enkel von Ahmed Schah, auf den afghanischen Thron gesetzt. Im November 1841 unternahm Akbar Khan, ein Sohn von Dost Mohammed, einen erfolgreichen Aufstand gegen Schah Schuja und die britisch-indischen Garnisonen im Land. Eine britisch-indische Strafexpedition konnte für kurze Zeit die britische Vorherrschaft in Afghanistan wieder herstellen, aber im Dezember 1842 zogen die Briten dennoch wieder aus Afghanistan ab; Dost Mohammed bestieg wieder den Thron. Die Beziehungen zwischen Afghanistan und Britisch-Indien bzw. Großbritannien blieben angespannt, bis beide Seiten 1855 ein Friedensabkommen schlossen. Nach dem Tod Dost Mohammeds 1863 hielten Bruderkriege zwischen dessen Söhnen das Land in Aufruhr. Scheir Ali Khan (Regierungszeit 1863-1866 und 1869-1879), Dost Mohammeds drittältester Sohn und Nachfolger, weckte mit seiner russlandfreundlichen Politik erneut den Argwohn der Briten; im November 1878 marschierten wieder britisch-indische Streitkräfte in Afghanistan ein, um einer russischen Expansion nach Afghanistan zuvorzukommen. Im Verlauf des anschließenden 2. Afghanisch-Britischen Krieges (1878-1880) erlitten die Afghanen eine Reihe schwerer Niederlagen: Kabul und der ganze Süden des Landes wurden besetzt, der Emir wurde zur Abdankung gezwungen. Nach etwa einem Jahr zogen die Briten jedoch wieder aus Afghanistan ab.
1880 übernahm Abd ur-Rahman (1880-1901), ein Enkel von Dost Mohammed, den Thron. Er bestätigte die durch seinen Vorgänger mit den Briten vereinbarte Abtretung des Khyber-Passes und anderer afghanischer Gebiete an Britisch-Indien, und er akzeptierte die Einflussnahme Großbritanniens auf Afghanistan, insbesondere auf dessen Außenpolitik. Im Inneren führte Abd ur-Rahman eine Reihe von Reformen durch, die das Staatswesen modernisierten, und gliederte die bisher weitgehend unabhängigen Stammesgebiete in den nun zentralisierten Staat ein. Zudem schuf er ein stehendes Heer und legte die Grenzstreitigkeiten mit Indien und Russland bei. Habib Ullah (1901-1919), der Sohn und Nachfolger von Abd ur-Rahman, setzte das Reformwerk seines Vaters im Inneren fort. 1907 verpflichteten sich Großbritannien und Russland in einem Abkommen zur beiderseitigen Anerkennung der Unverletzlichkeit des afghanischen Staatsgebiets. Im Februar 1919 wurde Habib Ullah Opfer eines Attentats. Den Thron übernahm sein Bruder Nasr Ullah Khan, der allerdings nach nur sechs Tagen von den afghanischen Stammesführern zugunsten seines Sohnes Aman Ullah (1919-1929) wieder abgesetzt wurde. Aman Ullah war entschlossen, sein Land der Einflusssphäre der Briten völlig zu entziehen, und erklärte im Mai 1919 Großbritannien den Krieg (3. Afghanisch-Britischer Krieg). Die Briten, zugleich mit der Unabhängigkeitsbewegung in Indien konfrontiert, konnten nur bedingt Erfolge erringen; im August 1919 handelten sie in Rawalpindi ein Friedensabkommen mit Afghanistan aus, in dem Großbritannien Afghanistan als souveränen und unabhängigen Staat anerkannte.
Aman Ullah nahm 1926 den Königstitel an. Beeindruckt von den an europäischen Vorbildern ausgerichteten Reformen in Persien und in der Türkei, unterzog er Afghanistan einer umfassenden Modernisierungspolitik, die vor allem die Bereiche Verwaltung, Soziales und Religion betraf. 1923 wurde eine neue Verfassung verabschiedet, die Afghanistan in einen modernen, zum Laizismus tendierenden Staat mit funktionierender Verwaltung umwandelte. Allerdings stießen Aman Ullahs Reformen sowohl bei der islamischen Geistlichkeit als auch bei den Stammesführern, deren Macht und Einfluss noch mehr als durch Abd ur-Rahmans Reformwerk eingeschränkt wurden, auf erheblichen Widerstand; es kam zu Aufständen, die Aman Ullah 1929 schließlich zur Abdankung zwangen. Nach einigen Monaten bürgerkriegsartiger Zustände besiegte Nadir Schah, Aman Ullahs Onkel, die Aufständischen und übernahm nun selbst die Regierung. Nadir Schah (1929-1933) stellte schrittweise die Ordnung im Königreich wieder her, suchte den Ausgleich mit den reformfeindlichen Kräften, verfolgte zugleich aber auch eine gemäßigten Reformkurs. 1931 wurde Afghanistan in eine konstitutionelle Monarchie umgewandelt. 1933 fiel Nadir Schah einem Attentat zum Opfer; sein Nachfolger auf dem Thron wurde sein gerade erst 19-jähriger Sohn Sahir Schah, dessen Regierung in der Folgezeit im Wesentlichen von seinem Cousin und späteren Schwager Mohammed Daud Khan bestimmt wurde. Auch Sahir Schah setzte die von Nadir Schah begonnenen Reformen fort und stellte enge Handelsbeziehungen zu Deutschland, Italien und Japan her. Zu Beginn des 2. Weltkrieges 1939 bekräftigte Sahir Schah die Neutralität Afghanistans; 1941 folgte er jedoch den Forderungen von Seiten Großbritanniens und der Sowjetunion und verwies mehr als 200 deutsche und italienische Repräsentanten des Landes. Im November 1946 wurde Afghanistan Mitglied der Vereinten Nationen.
Auslöser eines lange währenden Konflikts mit dem Nachbarland Pakistan war die Eingliederung der vorwiegend von Paschtunen bewohnten North-West Frontier Province in den 1947 unabhängig gewordenen Staat Pakistan. Pakistan ignorierte afghanische Forderungen nach einer Volksabstimmung in den paschtunischen Stammesgebieten zur Frage des Status bzw. der Zugehörigkeit der Provinz. Im Gegenzug stimmte Afghanistan 1947 gegen die Aufnahme Pakistans in die Vereinten Nationen. Das Verhältnis der beiden Länder blieb gespannt, insbesondere seit die Paschtunen 1949 mit Billigung der afghanischen Regierung eine Bewegung zur Gründung eines unabhängigen Staates „Paschtunistan” ins Leben riefen. In den fünfziger Jahren besserte sich das Verhältnis zwischen Pakistan und Afghanistan kurzzeitig. 1961 flammte der Paschtunistan-Konflikt jedoch erneut auf.
1963 setzt Sahir Schah seinen Cousin Mohammed Daud Khan ab, der seit 1953 als Ministerpräsident amtierte. 1964 verkündete der König eine neue Verfassung, die demokratischere und liberalere Strukturen einführte. Die ersten Parlamentswahlen auf der Grundlage der neuen Verfassung wurden im September 1965 abgehalten. Ende der sechziger Jahre hatte Afghanistan mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die Lage verschlechterte sich noch durch drei Dürrejahre, denen Schätzungen zufolge 80 000 Menschen zum Opfer fielen. Bis 1973 unterstützten sowohl die Sowjetunion als auch die USA und China Afghanistan mit Hilfslieferungen. Im Juli 1973 wurde Sahir Schah durch einen von Daud geführten Militärputsch gestürzt; Daud übernahm als selbst ernanntes Staatsoberhaupt die Macht und rief die Republik aus. Anfang 1977 wurde eine neue Verfassung verabschiedet und Daud auf der Grundlage der neuen Verfassung in das mit großen Machtbefugnissen ausgestattete Amt des Präsidenten gewählt. Er ernannte ein bürgerliches Kabinett und behielt die Politik der Bündnisfreiheit des Landes bei. Sein zunehmend diktatorischer sowie gegenüber der Opposition repressiver Kurs und seine Abkehr von der Sowjetunion provozierte jedoch den Widerstand der kommunistischen Demokratischen Volkspartei. Zusammen mit gleich gesinnten Offizieren stürzte die Demokratische Volkspartei Daud im April 1978; Daud selbst kam während des Putsches ums Leben.
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