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Artikelgliederung
Einleitung; Historische Entwicklung; Die Shang-Dynastie (um 1766 bis 1027 v. Chr.); Die Zhou-Dynastie (um 1027 bis 256 v. Chr.); Qin, Han und die Sechs Dynastien (221 v. Chr. bis 589 n. Chr.); Die Tang-Dynastie (618-906); Die Sung-Dynastie (960-1279); Die Yuan-Dynastie (1279-1368); Die Ming-Dynastie (1368-1644); Die Qing-Dynastie (1644-1911); Entwicklung im 20. Jahrhundert
Chinesische Kunst und Architektur, das Kunstschaffen in China seit der Jungsteinzeit, dessen traditionelle, von der höfischen Kultur geprägte Formensprache zum Teil bis in die Gegenwart fortlebt.
Die Kunst der frühesten chinesischen Dynastien, wie der Shang, Zhou (Chou), Qin (Ch’in) und Han ( 1554 v. Chr. bis 220 n. Chr.), die sich im Bronzezeitalter zu entwickeln begann, hatte ihre Wurzeln im Totenkult. Man beerdigte die Toten in Schachtgräbern, von denen viele erhalten geblieben sind. Bronzekessel, Waffen, geschnitzte Jadeobjekte und Keramiken wurden um den Sarg des Verstorbenen angeordnet, um für sein Wohlergehen in der Totenwelt zu sorgen. Oft waren die Wände der Grabkammern mit ornamentalen, geschnitzten oder gemalten Verzierungen versehen, die mythische oder Alltagsszenen darstellten. Durch archäologische Grabungen, die seit etwa 1950 in China unternommen werden, kamen bedeutende Funde aus dieser Zeit ans Tageslicht. Ein reger Waren- und Kulturaustausch mit den Nachbarländern und politische Unruhen zeigten in den Jahrhunderten nach dem Niedergang der Han-Dynastie (220 n. Chr.) auch in der Kunst ihre Auswirkungen. Der Buddhismus, der im 3. und 4. Jahrhundert von Indien aus nach China gelangte, entfaltete seinen Einfluss in Architektur, Bildhauerei und Malerei. Als sich das durch die Sui-Dynastie geeinte China in der Zeit der Tang-Dynastie im 7. Jahrhundert zu einem kosmopolitischen Reich entwickelte, schlug sich dies auch im Kunstschaffen nieder. Aufwendige Repräsentationsbauten wurden errichtet, Landschafts- und Porträtmalerei blühten auf, und technische Verbesserungen im Bereich der Keramik ermöglichten die Herstellung erlesenen Porzellans. Während der folgenden Dynastien wurde die Kunst der Tang-Dynastie weiterentwickelt und verfeinert. Besonders die Landschaftsmalerei wurde zu einem wichtigen Medium für Kunst und Philosophie. Dies trifft vor allem auf die Literatenmaler zu, die außerhalb der höfischen Akademie arbeiteten, wo Bilder von Vögeln, Blumen, Tieren und Kindern in großer Zahl für die königlichen Sammlungen entstanden. Neben der Kalligraphie erreichten besonders Keramik und Porzellanherstellung, Lackkunst, Elfenbein- und Jadeschnitzereien eine Hochblüte. Die Architektur erlebte seit der Sung-Dynastie einen bedeutenden Entwicklungsschub. Viele der während der Ming- und Qing-Dynastie errichteten Baukomplexe sind noch heute erhalten. Die chinesischen Künstler und Kunsthandwerker waren in der Regel sehr gut ausgebildet und gehörten meist großen Werkstätten an. Das Wissen über Werkstoffe und deren Verarbeitung wurde innerhalb von Künstlerfamilien weitergegeben. Obwohl die verwendeten Werkzeuge, wie der Bambuspinsel, relativ einfach waren, beweisen erhaltene Webstühle, Brennöfen und Gießereien, dass auch komplexe Herstellungsprozesse bekannt waren. Die schnell drehende Töpferscheibe, die in der Jungsteinzeit entwickelt wurde, und Überreste von Bronzegießereien aus der Zeit der Shang-Dynastie bezeugen zudem das große handwerkliche Können der chinesischen Künstler der Frühzeit.
Die älteste historisch fassbare chinesische Dynastie hatte ihre Wurzeln in der Longshan-Kultur der Jungsteinzeit, die ihre Blüte etwa zwischen 4000 und 2000 v. Chr. erlebte. In Gräbern und Siedlungen dieser Epoche fand man große Mengen von Keramik, besonders Gefäße, die wahrscheinlich als Graburnen dienten, und Kessel aus poliertem schwarzem Ton, sowie Werkzeuge aus Jade und Stein. Man geht davon aus, dass man in der Jungsteinzeit bereits Kenntnisse in der Metallbearbeitung besaß, obwohl es dafür keine eindeutigen Belege gibt. Die Herrscher der Shang-Dynastie stammten aus der zentralchinesischen Provinz Henan. Die Zeit ihrer Herrschaft wird üblicherweise in die beiden Perioden vor und nach der Errichtung der Hauptstadt Anyang im 13. Jahrhundert v. Chr. unterteilt. Die meisten Artefakte dieser Periode, wie keramische Gefäße, Jadearbeiten und Bronzekessel, wurden in Gräbern gefunden und scheinen darauf hinzuweisen, dass besonders die Notwendigkeit von Behältnissen für Bestattungsrituale die Entwicklung von Keramik und Bronzebearbeitung förderte. Durch archäologische Grabungen nahe der alten Hauptstadt Anyang wurde das allgemeine Interesse an der Kunst und Kultur jener Epoche stark belebt. Aus Orakelinschriften auf Tierknochen und Schildkrötenpanzern sowie Bronzegefäßen lässt sich schließen, dass die Shang-Herrscher neben der Verehrung von Naturgottheiten einen komplexen Orakel- und Ahnenkult praktizierten, mit dem die meisten der gefundenen Kunstgegenstände, wie Sakralbronzen, apotropäische (geisterabweisende) Masken oder Kultgefäße mit geometrischen und Tiermotiven, in engem Zusammenhang standen. Die Kaiser der Shang-Dynastie ließen sich stattliche Gräber errichten. Da sie davon überzeugt waren, dass Gegenstände ins nächste Leben mitgenommen werden könnten, wurden die Mitglieder des kaiserlichen Haushaltes mit ihrem gesamten Besitz bestattet, zu dem auch die Dienerschaft gehörte. 1975 entdeckten chinesische Archäologen bei Anyang das Grab der Lieblingsfrau eines Kaisers der Shang-Zeit mit mehr als 400 Bronzegefäßen und Waffen sowie 600 Jade- und Steingegenständen. Die hohe künstlerische Qualität dieser Artefakte, zu denen auch fein geschnitzte Jadefiguren und Tierbronzen gehörten, beweisen das fortgeschrittene Stadium der Shang-Kultur.
Die Shang-Kaiser konnten die wachsende Macht der an ihrer Westgrenze lebenden Zhou (Chou) nicht unter Kontrolle halten. Um 1027 v. Chr. nahmen diese die Shang-Hauptstadt Anyang ein und machten sie zum Sitz ihrer neuen Dynastie, die sich zu Beginn kulturell kaum von der Vorgängerdynastie unterschied. Bronzen und Jadearbeiten der Periode der Westlichen Zhou glichen denen der vorangegangenen Shang. Als sich das System der Ahnenverehrung aufzulösen begann, erhielten die Kultgefäße zunehmend die Funktion von Ehrengeschenken, die die Herrscher begünstigten Untertanen überreichten. Häufig wurden Bronzegefäße mit Inschriften versehen, auf denen jeweils das Ereignis, zu dessen Anlass sie geschaffen wurden, festgehalten war. Unter dem Druck vordringender Nomadenstämme mussten die Zhou ihre Hauptstadt nach Luoyang verlegen (771 v. Chr.). Dieses Datum markiert den Beginn der Periode der Östlichen Zhou. Deren geographische Entfernung vom ehemaligen Zentrum der Shang schlug sich nunmehr in einer eigenständigen kulturellen Entwicklung nieder, deren wichtigstes Kennzeichen die zunehmende Profanierung der ursprünglich der Verwendung im Kult vorbehaltenen Gegenstände war. In der Bronzekunst begannen sich realistische Darstellungen von Szenen aus dem Alltagsleben durchzusetzen, die oft als Hochzeitsgeschenke oder Hausschmuck dienten. Tier- und Fabelmotive wurden durch eine farbenprächtige abstrakte Ornamentik ersetzt. Die späte Kunst der Östlichen Zhou-Dynastie zeigt bereits eine Vielseitigkeit und ein technisches Können, das zum Maßstab für die spätere Kunstentwicklung Chinas werden sollte. Erste Funde von Seidenmalereien, Halbedelstein Einlegearbeiten in Edelmetalle, Holzskulpturen, Lackarbeiten und glasierter Keramik bezeugen die Entwicklung neuer künstlerischer Ausdrucksmöglichkeiten.
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